Kleben

Zeitreise: Vom Alleskleber zum Multitalent

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Qualitätsanforderungen an Klebprozesse

Doch wie wurde dies alles möglich? Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der einzelnen Klebstoffhersteller und Forschungsinstitute haben wesentlich zur Entwicklung von modernen Klebstoffen beigetragen. Viele Schwachstellen aus der Vergangenheit konnten dank einer engagierten Forschungsleistung verbessert oder ganz beseitigt werden. "Heutige Konstrutkionsklebstoffe erzielen Höchstleistungen, schaffen ermüdungsfeste, sichere Verbindungen oder sind hitzebeständiger und geruchsärmer als ihre Vorläufer", hebt Julius Weirauch, Technical Service Specialist bei 3M die Klebstoff-Vorteile hervor.

Die Personalqualifizierung ist ein weiterer Punkt, der die Klebtechnik zu dem gemacht hat, was sie heute ist. So sei das Kleben integraler Bestandteil der Ingenieursausbildung betont der Klebstoffhersteller Lohmann. "Damit beim Fertigungsprozess mit neuen Produkten und Klebeuntergründen keine Fehler geschehen, sind Fortbildungen und Schulungen für Anwender von großer Bedeutung. Die 3M Akademie bietet eine Ausbildung zum zertifizierten Klebpraktiker an und kooperiert mit der TC Kleben GmbH und dem IFAM Fraunhofer Institut IFAM Bremen bei den Abschlüssen zur Klebfachkraft oder zum Klebfachingenieur. "Das vorhandene Fachwissen und handwerkliche Fertigkeiten werden hier vertieft und besonders mit Blick auf neue und schwierig zu beklebende Substrate erweitert", betont 3M Klebstoffspezialist Weirauch.

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"Man sollte wissen, was man tut"

Auch der Industrieverband Klebstoffe hat frühzeitig erkannt, dass diese Personalqualifizierung, wie sie vom Fraunhofer IFAM umgesetzt wird, wichtige Schlüsselelemente bilden, um die Anwendung der Klebtechnik flächendeckend voranzutreiben. "Denn der Klebstoff ist ein Prozesswerkstoff. Er erhält seine spezifischen Eigenschaften erst während des Klebprozess und dieser wird wiederum durch die Beteiligten beeinflusst. Trivial aber wahr: Man sollte wissen was man tut; egal ob als Ingenieur, Schichtleiter oder Werker", betont van Halteren die Bedeutung der Personalqualifizierung. Der Maschinen- und Anlagenbau folgt den allgemeinen Anforderungen an Prozesssicherheit, Reproduzierbarkeit, Präzision und Schnelligkeit.

Er muss aber auch die speziellen Herausforderungen erfüllen, die sich aus den ausgefeilten Klebstoffeigenschaften, den speziellen Verarbeitungsvoraussetzungen und den Prozesssicherheitsansprüchen ergeben. "Anlagenbauer sind keine Spezialisten beim Thema Klebstoffchemie, da die Innovationszyklen in denen neue Klebstoffe entwickelt werden viel zu kurz sind, um damit Schritt halten zu können. Deshalb ist es in jedem Fall empfehlenswert sich schnellstmöglich mit dem Auftraggeber und dem Klebstoffhersteller abzustimmen und sich Informationen über das speziell einzusetzende Klebstoffsystem und dessen chemische Besonderheiten zu informieren damit die Anlagenkomponenten und die Anlagenkonzeption passt", rät Gudrun Weigel vom Delo.

Was müssen Konstrukteure in Zukunft beachten?

Neue Werkstoffe und Materialkombinationen haben die Klebtechnik vor allem im Fahrzeugbau zur besten Fügetechnik werden lassen. Die Fügetechnik Kleben stellt allerdings hohe Anforderungen an den Anwender. Kenntnisse aus Chemie, Physik und Maschinenbau sind für einen optimalen Einsatz von Nöten. Die komplette Kette von der Klebstoffauswahl bis zur Fertigung spielen hier zusammen. Die neu erstellte DIN 2304-1 beschäftigt sich mit den Anforderungen an die qualitätsgerechte Ausführung von Klebverbindungen. Die Prozesskette Kleben, von der Entwicklung über die Fertigung bis zur Instandsetzung, ist hier das vorrangige Thema.

Die Qualitätsanforderungen an Klebprozesse

"Für Konstrukteure gibt es zwei wesentliche Änderungen. Erstens: Die Einteilung in die jeweilige Sicherheitsklasse von S1 (hoch) bis S4 (keine) erfolgt durch den Konstrukteur bzw. Bauteilverantwortlichen unter Mitwirkung des Klebaufsichtspersonals. Zweitens: Die Nachweisführung, dass die Beanspruchbarkeit der Klebung größer als die zu erwartende Beanspruchung ist, ist ebenfalls unter Mitwirkung des Klebaufsichtspersonals sicherzustellen. Die DIN 2304 stellt dadurch lediglich sicher, dass in beiden Fällen klebtechnische Kompetenz einfließt", erklärt Professor Dr. Andreas Groß, Abteilungsleiter für Weiterbildung und Technologietransfer am Fraunhofer IFAM im Interview mit konstruktionspraxis. Weitere Informationen zur DIN 2304 lesen im kompletten Interview unter www.kurzlink.de/Interview-DIN-2304

Frischen Wind in die Thematik der Personalqualifizierung wird die neue DIN-Norm 2304-1 bringen. Sie beschreibt Qualitätsanforderungen an Klebprozesse. "Die ISO 9001 ist und bleibt die Basis der Qualitätssicherung, auch in der Klebetechnik. Aber, so genial ihr Kerngedanke auch ist, für sich alleine ist die ISO 9001 in der Regel zu allgemein. Die DIN 2304 konkretisiert die ISO 9001 technologiespezifisch und gibt Handlungsanweisungen für den Aufbau organisatorischer Strukturen eines klebtechnischen Anwenderbetriebs hinsichtlich der fachgerechten Anwendung der Klebtechnik. Und zwar von der Idee über die Entwicklung und Fertigung bis zur Instandsetzung und Reperatur", erklärt Professor Dr. Andreas Groß, Abteilungsleiter für Weiterbildung und Technologietransfer am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) den Kerngedanken der DIN 2304-1. Die Norm wird laut Dr. Groß Anfang 2016 "scharf geschaltet". Deshalb sei es um so wichtiger, wenn sich Betriebe bereits jetzt mit der DIN 2304 auseinandersetzen.

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