Steckverbinder Wie sich ein Nischenanbieter mit Sonderlösungen den Markt erobert

Redakteur: Ute Drescher

Als Anbieter von wasserdichten Rundsteckverbindern hat sich Escha vor allem mit dem Schnellanschlusssystem S12x1 einen Namen gemacht. Jetzt kommt der passende Steckverbinder dazu. Strategisch setzt das Unternehmen vor allem auf kundenindividuelle Lösungen, von denen auch das Standardprogramm profitiert.

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„Quer ist bei uns gewollt“, sagt Dietrich Turck mit Nachdruck. Seit seinem Eintritt in die Escha Bauelemente GmbH, Halver, vor acht Jahren verfolgt der Geschäftsführer diese Strategie: „Nur so können wir schneller, kreativer und schlagfertiger sein als der Wettbewerb“.

Das Unternehmen, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert, ist spezialisiert auf wasserdichte Anschlusstechnik für Automatisierungskomponenten. Das Standardprogramm umfasst konfektionierte umspritzte Rundsteckverbinder der Baureihen M8x1, M12x1, M16x0,75, M23x1 sowie 7/8“, Ventilsteckverbinder nach EN 175301-803, 2-fach Verteilersysteme, Aktor-/Sensorboxen mit bis zu acht Steckplätzen für die dezentrale Verkabelung in der Feldebene sowie frei konfektionierbare Steckverbindungen. Am Standort Halver erwirtschaften etwa 300 Mitarbeiter einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro im Jahr.

Doch Escha hat seine Steckverbinder nicht schon immer am freien Markt angeboten. Entstanden ist das heutige Unternehmen aus einem kleinen Hersteller für Stanzteile. Dietrich Turcks Vater, Werner Turck, zufüllig ebenfalls in Halver mit einer großen Firma ansässig, erkannte das Potential, als das kleine Unternehmen wirtschaftlich in Trudeln kam, das im Werkzeugbau lag. Turck kaufte zu diesem Zeitpunkt viele Kunststoffteile zu. Um sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien, baute er das kleine Unternehmen zu einer Kunststoffspritzerei um, das ausschließlich Steckverbinder für Turck produzierte.

Erst Ende der 80-er, Anfang der 90-er Jahre fällt die Entscheidung, dass Escha die Steckverbinder auch am Markt vertreibt, unter der Voraussetzung, dass sie dort nicht in der Turck-Farbe gelb angeboten werden. „So ist unsere Hausfarbe blau entstanden“, erzählt Dietrich Turck.

Erst im Jahr 2000 steigt Dietrich Turck bei Escha ein. „Meine zweite Bewerbung wurde zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt“, erzählt der Geschäftsführer gerne schmunzelnd. Dümpelte das Unternehmen bis dahin eher vor sich hin, lautet der Auftrag an den neuen Geschäftsführer jetzt: „Mach es richtig!“

Dietrich Turck legte zunächst die beiden wichtigsten Ziele der Unternehmensstrategie fest: sowohl die technische als auch die kundenindividuelle Führerschaft anzustreben. „Wir betrachten uns als Innovationstreiber“, erklärt der Geschäftsführer. Das bedeutete für das Marketing: Jedes Jahr müssen ein bis zwei Innovationen auf den Markt gebracht werden.

In Halver krempelten die Entwickler die Ärmel hoch und brachten noch im selben Jahr ein neues Schnellanschlusssystem auf den Markt. „Fixcon war ein Flop!“ kann Dietrich Turck heute unumwunden zugeben.

Die Idee dahinter war ein Schnellanschlusssystem für Steckverbinder, das das umständliche Auf- und Zuschrauben eines Rundsteckverinders beim Umkonfektionieren einer Anlage überflüssig macht. Fixcon aber setzte eine Änderung sämtlicher Endgeräte voraus: Alle Sensoren und Verteilergeräte hätten eine spezielle Kontur gebraucht, damit der Anschluss passt. Das ließ sich am Markt nicht durchsetzen.

„Daraus haben wir gelernt“, resümiert der Geschäftsführer. „Wir müssen die Endgeräte so nehmen wie sie sind und sogar davon ausgehen, dass nicht jedes M12-Gewinde innerhalb der Toleranzen liegt“. Inzwischen hat Escha die Schnellanschlusskupplung S12x1 in Schutzklasse IP67 entwickelt, die sich dem Endgerät anpasst, egal um welchen Sensor es sich handelt, seit August ist der dazu passende Steckverbinder am Markt.

Die Handhabung ist einfach: Zunächst wird der Stecker innerhalb der Kupplung positioniert. Dann wird das in vier Elemente gegliederte Steckergewinde durch eine axiale Bewegung des Überwurfs gespreizt und im Kupplungsgewinde verriegelt. Abschließend erfolgt eine eindeutige Rückmeldung. Hohe Abzugskräfte im verriegelten Zustand bieten zudem absolute Sicherheit. Um die Montage noch weiter zu vereinfachen, besitzt der axiale Stecker eine Codierungsanzeige auf dem Griffkörper. Da das Gewinde des Steckers nicht aus Metall besteht, werden Gegengewinde aus Kunststoff mechanisch nicht so hoch beansprucht.

Wie bei der Kupplung, kann auch beim Stecker durch kurzes Nachdrehen des Überwurfs die Dichtigkeit der Verbindung in nicht maßhaltigen Gewinden sichergestellt werden. Der S12x1 Stecker kann so Gewindetoleranzen kompensieren. Zusätzlich gewährleistet die integrierte Rüttelsicherung eine hohe Schock- und Vibrationsfähigkeit.

Mit dieser Technologie haben die Ingenieure aus Halver einen Stecker entwickelt, der nach MTM-Methoden (Methodic Time Management) eine 85 Prozent kürzere Montagezeit gegenüber einem M12-Standardsteckverbinder vorweisen kann.

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