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Kabelverschraubung Wie sich die Kabelverschraubung seit 1919 verändert hat

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Vom Schiffsinstallationsmaterial aus Messing bis zur Kabelverschraubung für die Industrie: Wir zeigen, was sich in 100 Jahren Unternehmensgeschichte bei Wiska verändert hat.

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Das erste Produkt von Wiska: Eine Kabelverschraubung an einem Abzweigkasten aus Messingguss.
Das erste Produkt von Wiska: Eine Kabelverschraubung an einem Abzweigkasten aus Messingguss.
(Bild: Wiska)

1919 machten sich ein Konstrukteur bei der Werft Blohm+Voss und ein Freund selbstständig und gründeten gemeinsam eine Spezialfabrik für die Herstellung von Schiffsinstallationsmaterial aus Messing in Hamburg-Eimsbüttel: Hoppmann & Mulsow. 1933 entstand die Idee von Wiska – als Abkürzung für „wasserdichte isolierstoffgekapselte Kabelarmaturen“, der fortan zum Firmennamen gehörte.

Heute beschäftigt das Familienunternehmen in 3. Generation 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland und 50 in Tochtergesellschaften weltweit. Neben dem großen Produktbereich des Installationsmaterials mit Kabeleinführungen und Abzweigkästen werden auch Scheinwerfer, Strahler, Kühlcontainersteckdosen und Videoüberwachungssysteme entwickelt und produziert.

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Kabelverschraubungen aus Messing und Bakelit

Benötigt ein Kunde eine spezielle Lösung, wird diese bei Wiska individuell entwickelt. Gerade im Bereich des Elektroinstallationsmaterials haben Kundenanfragen zu Neuentwicklungen geführt, die später in das reguläre Produktsortiment aufgenommen wurden. So wurden auch die Kabelverschraubungen immer wieder weiterentwickelt. War die erste Kabelverschraubung 1919 noch aus Messing und speziell für die extremen Anforderungen im Schiffbau entwickelt, begann das Unternehmen 1925, die weltweit ersten Kabelverschraubungen aus dem Phenolharz Duroplast, dem sogenannten Bakelit, herzustellen. Um das Eindringen von Wasser zu verhindern, wurden Kabelverschraubungen nach der Installation oft zusätzlich mit Kitt abgedichtet. Dieser wurde nach relativ kurzer Zeit hart und brüchig und musste oft erneuert werden. Das änderte sich 1960 mit der sogenannten KVG („Konusverschraubung Glasfaserverstärkt“). Bei dieser Kabelverschraubung wird der Dichtstutzen im Inneren mit einer Schräge versehen. Durch das Festschrauben der Druckschraube wird die Dichtung gegen die Schräge gequetscht und fester an das Kabel gedrückt.

Von der Kabelverschraubung zum System

Die Ventgland vereint Druckausgleich und Kabelverschraubung in einem und zeichnet sich durch einen hohen Luftdurchsatz bei gleichzeitig hohem Wasserrückhaltevermögen aus.
Die Ventgland vereint Druckausgleich und Kabelverschraubung in einem und zeichnet sich durch einen hohen Luftdurchsatz bei gleichzeitig hohem Wasserrückhaltevermögen aus.
(Bild: Wiska)

Die EN-Norm 50262, die 1998 in Kraft trat, sah die Vereinheitlichung der Anschlussgewinde bei Kabelverschraubungen vor. Wiska entschied sich deshalb bereits 1997 für eine Neuentwicklung mit dem Ziel, Verschraubungen mit metrischen Gewinden herzustellen und ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, unterschiedlichste Kabelverschraubungen modular und für unterschiedliche Anwendungsgebiete zusammenzustellen: Das Sprint-System. Jede Sprint-Verschraubung ist nach dem 4-in-1-Prinzip aufgebaut: Jeweils vier Bauteile – Hutmutter, Dichteinsatz, ein optionaler EMV-Einsatz und Stutzen – ergeben eine Kabelverschraubung mit identischen Klemmbereichen.

Zudem feilte Wiska von Produkt zu Produkt am Dichtungskonzept. Das Problem: Die Kabelverschraubungen waren so abgedichtet, dass Luft im Gehäuse nicht mehr zirkulieren konnte und sich Kondenswasser bildete. Das Unternehmen löste dies 2007 mit der Ventgland. Die Verschraubung vereint Druckausgleich und Kabelverschraubung in einem Produkt. Eine atmungsaktive, mikroporöse ePTFE-Membran ermöglicht den Druckausgleich zwischen Innen- und Außenatmosphäre. Sie reduziert somit die Kondenswasserbildung bei gleichzeitigem Staub- und Wasserschutz.

Dank Mehrfach-Komponenten-Technik sind bei der Marathon Dicht- und Zugentlastungsfunktion getrennt.
Dank Mehrfach-Komponenten-Technik sind bei der Marathon Dicht- und Zugentlastungsfunktion getrennt.
(Bild: Wiska)

Kabelverschraubung auf kleinstem Raum

Um auf kleinstem Raum mehrere Kabelverschraubungen unterbringen zu können, gibt es bei Wiska seit 2017 die Marathon. Diese Lösung ist im Vergleich zu anderen Verschraubungen kleiner, verfügt jedoch über einen verhältnismäßig großen Dichtbereich. Die Marathon zeichnet sich vor allem durch ein weiterentwickeltes Prinzip der Zugentlastung bei gleichzeitiger kabelschonender Dichtungseigenschaft aus. Der Klemmkäfig wird hierbei durch einen 2-Komponentenspritzguss mit der Dichtung direkt verbunden.

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