Faszination Technik Wie eine Moosfassade das Stadtklima verbessern soll

Von Sandro Kipar

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In unserer Rubrik „Faszination Technik“ stellen wir Konstrukteuren jede Woche beeindruckende Projekte aus Forschung und Entwicklung vor. Heute: Eine Mooswand, die auf textilen Substraten kultiviert wird, um das Stadtklima zu verbessern.

Könnte das die Zukunft sein? Forscher wollen Moosfassaden gegen das Aufheizen der Großstädte einsetzen.
Könnte das die Zukunft sein? Forscher wollen Moosfassaden gegen das Aufheizen der Großstädte einsetzen.
(Bild: Patrick Pollmeier / FH Bielefeld)

Bis zu zehn Grad Celsius kann sich die Temperatur laut dem Deutschen Wetterdienst zwischen Stadt und Land unterscheiden. Grund dafür sind die Flächenversiegelungen in großen Städten: Straßen und große Bauten verhindern, dass der Boden Wasser speichert, eine kühlende Verdunstung bleibt somit aus. Stein, Beton, Stahl und Asphalt haben zudem eine höhere Wärmeaufnahme und speichern diese auch länger als natürliche Vegetation. Ein Problem, das vor allem im Zuge der Klimaerwärmung in Zukunft für Stadtbewohner gefährlich werden könnte.

Forscher der Fachhochschule Bielefeld arbeiten deshalb an einer Lösung, um Städte wieder abzukühlen. Da in Ballungszentren der Platz für neue Parkanlagen oder Gärten oftmals nicht ausreicht, haben sich die Wissenschaftler eine andere Lösung einfallen lassen. So sollen vertikal angebrachte Grünflächen an Fassaden das Mikroklima in Städten verbessern und dort Wasser speichern. Dafür wollen sie Moose auf textilen Substraten kultivieren. Das Material müsse dafür alterungsbeständig sein, darf nicht schimmeln, muss mechanisch gute Tragfähigkeit auch im nassen Zustand aufweisen und Moosen guten Halt bieten.

Synthetische Faser als Wasserversorger

Die Bewässerung einer solchen Mooswand könnte mithilfe von Kapillarbrücken erfolgen. „Man kann sich das so vorstellen, dass ein Faden mit hoher Kapillarkraft das Wasser aus einem Reservoir aufsaugt. Der Faden ist wiederum in dem Gestrick eingearbeitet, auf dem die Moose wachsen. Wir haben unter anderem getestet, welches Material sich am besten eignet und in welchen Abständen diese Kapillarbrücken verarbeitet werden müssen“, sagt der biologisch-technische Assistent Bennet Brockhagen. „Aktuell ist unser bestes Material ein zwei- oder dreifädiges Gestrick aus Tencel. Das ist eine synthetische Faser, die aus Holz gewonnen wird. Allerdings speichert das Textil unheimlich viel Wasser und wird sehr schwer. Das muss dann in der Gebäudestatik berücksichtigt werden.“ Auch eine aktive Bewässerung in Form einer automatisierten Variante soll es geben. Erste Projekte dazu laufen bereits.

Um herauszufinden, welches textile Material am besten Feuchtigkeit speichert, haben die Forscher kleine Taschen aus verschiedenen Textilien genäht. In diese Taschen kam schließlich das Moos. So präpariert wurden die Versuchsobjekte im Freien in Fächern einer ebenfalls textilen Aufhängung untergebracht und wurden nur durch Regen bewässert. In einem weiteren Versuch haben die Wissenschaftler das Moos direkt auf verschiedene Textilien aufgenäht. Durchgesetzt habe sich schließlich das Aufnähen des Mooses.

Die Wissenschaftler der Fachhochschule haben auch den Einsatz von Algen statt Moosen untersucht. Jedoch kamen sie zu dem Schluss, dass Moose deutlich besser geeignet seien. Sie speichern das Wasser besser und ihre Wachstumsgeschwindigkeit ist kontrollierbarer, so die Forscher. Auch der Versuch, eine Masse aus püriertem Moos und Buttermilch auf Textilien aufzutragen, sei weniger erfolgreich gewesen.

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