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Motion-Control Wie ein Sägewerk industrielle Einzelfertigung umsetzt

Redakteur: Katharina Juschkat

Individualität und Einzelfertigung ist gefragt, auch bei Küchen. Schelling stellt sein Sägezentrum auf Losgröße 1 um. Lenze bringt dafür Robotikfunktionen ins Portal.

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Sägelinie „Is1“ mit Rundlaufkonzept: Portale drehen die Platten nach dem ersten Schnitt und transportieren sie über Bürstentische weiter.
Sägelinie „Is1“ mit Rundlaufkonzept: Portale drehen die Platten nach dem ersten Schnitt und transportieren sie über Bürstentische weiter.
(Bild: Schelling)

Kochen ist heute oft mehr als das Zubereiten von Nahrung, für viele ist es eine angesagte Freizeitbeschäftigung, für die die Küche zum Mittelpunkt der Wohnung avanciert. Dies spiegelt sich in der Gestaltung der Küchen wider, die über das Funktionale hinausgeht. Große Küchenbauer folgen dieser Entwicklung mit geänderten Fertigungsprozessen:

Von Programmsystemen hin zu industrieller Einzelfertigung mit Seriencharakter. Wie sich dieser Trend auf die Produktionsanlagen auswirkt, zeigt ein neues Sägezentrum von Schelling. Die Österreicher haben sich für die Entwicklung Lenze als Technologiepartner für Motion Centric Automation mit an Bord geholt.

Die Ansprüche an moderne Einbauküchen sind hoch: Die Qualität soll stimmen, funktional sollen sie sein, dabei lange leben und selbstverständlich ein schönes Design haben. Wer eine neue Küche kauft, hat die Qual – und die freie Auswahl: Oberflächen, Farben, Formen, Tiefen, Höhen, Beschläge, Waschbecken links – oder lieber rechts. Weil auch die Rastermaße immer feingliedriger werden, werden statt Standardküchen heute immer mehr individuell geschnittene Maßanfertigungen ausgeführt. „Losgröße 1 ist ein aktuelles Thema“, sagt auch der Schelling Marketingleiter Thomas Gsellmann.

Industrielle Einzelfertigung mit Seriencharakter ist gefragt

Der Trend verstärke sich und mache auch vor großen Küchen-Herstellern nicht Halt, die bis dato mit Programmsystemen erfolgreich gearbeitet haben. Industrielle Einzelfertigung mit Seriencharakter ist gefragt. Damit diese Entwicklung nicht zulasten von Produktivität und Wirtschaftlichkeit geht, sind flexibel einsetzbare Fertigungsanlagen notwendig, die im Sinne von Industrie 4.0 direkt mit dem Warenwirtschaftssystem kooperieren.

Wie eine solche Lösung in der Praxis aussehen kann, will das Sägezentrum von Schelling darstellen. Mit einer rundlaufenden Fördertechnik mit zwei Portaleinheiten kann die Sägelinie „Is1“ ununterbrochen arbeiten. Die sogenannten Manipulatoren sind in einer engen Technologiepartnerschaft mit Lenze entstanden. Das Herzstück der Motion-Control-Lösung bildet das Fast-Technologiemodul „Pick & Place“ von Lenze für Roboterapplikationen.

Säge ist in ein übergeordnetes Leitsystem eingebunden

Wenn Küchen nach persönlichen Vorgaben des Kunden hergestellt werden, sind Massenfertigung und Stapelverarbeitung passé. Die digitalisierten Küchenplanungen werden in Stücklisten und Schnittpläne übersetzt. Jedes Teil wird von der Schelling „Is1“ einzeln und doch vollautomatisiert gesägt. Eine Herausforderung sind dabei die ständig wechselnden Platten in verschiedenen Qualitäten, Farben und Oberflächen. Eine weitere Herausforderung liegt darin, Platten trotz Einzelfertigung mit möglichst wenig Verschnitt bei gleichzeitig hoher Sägeleistung zu verwerten. Denn Plattenreste sind ein großes Thema, die Optimierung von Schnittplänen und das geschickte Zwischenlagern von Restplatten daher unerlässlich. Zudem ist die „Is1“ beim Endanwender direkt an ein automatisiertes Flächenlager angebunden, das mit zwei Brücken ausgestattet ist und ebenfalls von Schelling kommt. „Die Säge ist eingebunden in ein übergeordnetes Leitsystem, wobei sie das taktgebende Element in der Produktionslinie ist“, beschreibt Dietmar Nußbaumer, Leiter Technik und Montage bei Schelling, das Anforderungsprofil an diese Maschinenlösung.

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