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Weiterverwertung Wie Braurückstände nachhaltig genutzt werden könnten

Redakteur: Katharina Juschkat

Beim Bierbrauen fallen viele Rückstände an, die nur zum Teil weiterverwertet werden. Forscher verschiedener Universitäten untersuchen jetzt im Projekt „Bioval“, wie diese Rückstände nachhaltig genutzt werden können – etwa zur Kunststoffherstellung.

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Beim Bierbrauen fallen viele Rückstände an – europaweit rund 400.000 t im Jahr.
Beim Bierbrauen fallen viele Rückstände an – europaweit rund 400.000 t im Jahr.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Um die 106 l Bier hat 2015 im Schnitt jeder Deutsche getrunken. Beim Brauen des Gerstensafts fallen viele Rückstände an, europaweit sind das rund 400.000 t im Jahr. Nur ein Teil davon wird als Tierfutter wiederverwertet. Das Projekt „Bioval“ will jetzt untersuchen, wie der nicht verwendete Abfall genutzt werden kann, etwa als Rohstoff für die Chemie-Industrie oder als Quelle für pharmakologische Wirkstoffe.

Vorprodukte für Kunststoffherstellung aus Bierrückständen gewinnen

An dem Projekt forschen u.a. Prof. Roland Ulber, Prof. Elke Richling und Prof. Werner Thiel (v.l.).
An dem Projekt forschen u.a. Prof. Roland Ulber, Prof. Elke Richling und Prof. Werner Thiel (v.l.).
(Bild: Thomas Koziel)

„In diesen Rückständen, in Fachkreisen auch Treber genannt, stecken noch viele wertvolle Inhaltstoffe“, sagt Prof. Dr. Elke Richling, die an der TU Kaiserslautern zur Lebensmittelchemie und Toxikologie forscht. Gemeinsam mit ihren Kaiserslauterer Kollegen Prof. Dr. Werner Thiel und Prof. Dr. Roland Ulber will sie untersuchen, wie diese Abfälle künftig nachhaltig und ressourcenschonend genutzt werden können.

Professor Thiel beschäftigt sich mit den Fetten, die im Treber enthalten sind und die letztendlich aus den Gerstenkeimen stammen. „In ihnen sind zum Beispiel viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, die die Hefen bei der Gärung nicht brauchen“, sagt Thiel, der den Lehrstuhl für Anorganische Chemie innehat. Diese Stoffe möchte das Team um den Chemiker zunächst genauer identifizieren. In einem nächsten Schritt möchte es daraus Produkte für die Industrie aufbereiten. „Zum Beispiel lässt sich daraus Glyzerin gewinnen, das in der chemischen Industrie vielseitig einsetzbar ist. Aus den ungesättigten Fettsäuren kann man Vorprodukte für die Kunststoffherstellung erhalten“, erklärt Thiel. „Für diese Fragestellungen werden wir die nötigen Katalysatoren entwickeln.“

Stoffe könnten die Aufnahme von Zucker ins Blut unterbinden

Professor Ulber vom Lehrgebiet Bioverfahrenstechnik will beispielsweise untersuchen, welche Substanzen anfallen, wenn die Rückstände weiter fermentiert werden. „Wir nutzen dazu verschiedene Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien“, sagt der Professor, der sich an der TU Kaiserslautern auch in der Brau AG engagiert. „Die dabei anfallenden Stoffe wird im Anschluss Professorin Richling genauer unter die Lupe nehmen.“

Zunächst wird die Professorin für Lebensmittelchemie und Toxikologie alle Substanzen oder Extrakte, die ihre Kollegen aus den Rückständen gewinnen, toxikologisch untersuchen. „Wir müssen uns rückversichern, dass von den Stoffen keinerlei Gefahr für die Gesundheit ausgeht“, sagt sie. Außerdem wird sich die Forscherin näher damit beschäftigen, wie die Substanzen den Zuckerstoffwechsel des Menschen beeinflussen. „Es gibt einige Hinweise darauf, dass verschiedene Stoffe aus dem Treber die Aufnahme von Zucker ins Blut unterbinden“, sagt Richling weiter. „Das werden wir überprüfen und uns anschauen, welchen Einfluss sie haben.“

Kleine und mittlere Unternehmen sollen profitieren

Am Forschungsvorhaben sind auch Professor Claus Jacob von der Universität des Saarlandes sowie Wissenschaftler aus Luxemburg, Lothringen und Lüttich beteiligt. Das Projekt wird von Lüttich aus koordiniert. Wichtig soll laut Projektangaben sein, dass es für kleine und mittlere Unternehmen der Region, wie etwa kleine Brauereien in Belgien, einen wirtschaftlichen Nutzen liefern kann. Aber auch lokale Brauereien aus der Region sollen davon profitieren. Die Brauerei Karlsberg aus Homburg sowie die beiden pfälzischen Brauereien Bischoff und Park & Bellheimer bekundeten ihr Interesse an dem Projekt.

Am Projekt beteiligt sind die TU Kaiserslautern, die Saar-Universität sowie die Universitäten in Lothringen, Luxemburg und Lüttich und das belgische Unternehmen Celabor. Das Projekt geht im April an den Start und hat insgesamt ein Budget von über drei Millionen Euro, der Europäische Strukturfond zur regionalen Entwicklung fördert es mit rund 1,84 Millionen Euro. (kj)

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