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Kreislaufwirtschaft Welche Vorteile die Kreislaufwirtschaft hat

| Autor: Katharina Juschkat

Die EU hat ihre Strategie zur Kreislaufwirtschaft vorgestellt. Auch für die Industrie kann die Kreislaufwirtschaft Vorteile haben.

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Im Kreis statt Linear: Für mehr Nachhaltigkeit und Klimaneutralität muss sich der Umgang mit Rohstoffen ändern. Industrieverbände befürworten das.
Im Kreis statt Linear: Für mehr Nachhaltigkeit und Klimaneutralität muss sich der Umgang mit Rohstoffen ändern. Industrieverbände befürworten das.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die EU hat diese Woche einen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft beschlossen. Im Zentrum steht unter anderem, Produkte länger haltbar zu machen und den Verbraucher besser über mögliche Reparaturmöglichkeiten zu informieren.

Was ist Kreislaufwirtschaft?

Eine Kreislaufwirtschaft beschreibt das Schließen der Energie- und Materialkreisläufe durch Recycling, Wiederverwertung, Reparatur, Instandhaltung und weiterer Maßnahmen.

Die EU definiert die Kreislaufwirtschaft wie folgt:
„Die Kreislaufwirtschaft ist ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert. In der Praxis bedeutet dies, dass Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, bleiben die Ressourcen und Materialien so weit wie möglich in der Wirtschaft. Sie können immer wieder produktiv genutzt werden, um weiterhin Wertschöpfung zu generieren.“ Quelle: Europäisches Parlament

Im Gegensatz zur Kreislaufwirtschaft steht die Linearwirtschaft oder Wegwerfwirtschaft, die aktuell das vorherrschende Prinzip ist. Bei der Linearwirtschaft entsteht aus einem Rohstoff ein Produkt, das von der Produktion in den Handel zum Endverbraucher gelangt und dort nach der Nutzung weggeschmissen wird.

Hintergrund: Warum braucht es die Kreislaufwirtschaft?

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft – defekte Geräte werden nicht mehr repariert, sondern weggeschmissen und neu gekauft. Häufig lohnt sich eine Reparatur gar nicht, oder es fehlt an Wissen. Und viele Produkte sind auch gar nicht darauf angelegt, repariert zu werden. Bis 2050, so schätzt die EU, gehen wir so verschwenderisch mit unseren Rohstoffen um, als stünden uns drei Planeten Erde zur Verfügung. Der weltweite Müllberg wird um 70 % wachsen. Die Idee der Kreislaufwirtschaft soll dem entgegenwirken: Länger haltbare Produkte, weniger Müll, mehr Recycling und Reparatur.

Folgende Punkte umfasst u.a. die Strategie der EU:

  • Produktdesign: Oft wird bei heutiger Produktentwicklung nicht auf Wiederverwertbarkeit, Reparaturfähigkeit oder Langlebigkeit gesetzt. Mit einer Gesetzesinitiative will die EU die Ökodesign-Richtlinie über energiebezogene Produkte hinaus auszuweiten, um den Ökodesign-Rahmen auf eine möglichst breite Palette von Produkten anwendbar zu machen.
  • Verbraucher stärken: Verbraucher sollen noch vor dem Erwerb eines Produktes über die Lebensdauer, mögliche Ersatzteile und Reparaturmöglichkeiten informiert werden. Auch gegen die geplante Obsoleszenz will die EU Maßnahmen einführen.
  • Ein Recht auf Reparatur: Für elektronische Geräte, die aktuell zu den am schnellsten wachsenden Müllverursachern gehören, will die EU ein Recht auf Reparatur einführen. Zudem sollen einheitliche Ladestecker und eine bessere Abgabe von Altgeräten helfen.
  • Batterien: Die Recycling-Rate von Batterien soll verbessert und wiederaufladbare Batterien bevorzugt werden.
  • Verpackungen: Unnötiger Verpackungsmüll soll vermieden und Verpackungen recyclingfähiger gestaltet werden
  • Recycling: Müll soll reduziert und Recycling verbessert werden

Wie reagiert die Industrie?

Der ZVEI befürwortet die neue EU-Strategie. „Das Schließen von Kreisläufen und eine wettbewerbsfähige Industrie schließen sich nicht aus. Vielmehr bedingen sie einander“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Schon heute leisteten die Unternehmen der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, so der ZVEI, durch energie- und ressourcenschonende Produkte.

Weber fordert, dass bei der Ausgestaltung der Kreislaufwirtschaft alle Akteure entlang der Wertschöpfungsketten intensiv eingebunden werden und künftig die europäischen Regelungen einheitlich für alle Mitgliedsstaaten im entstehenden neuen Markt für Sekundärrohstoffe gelten. Besonders beim Einsatz von wiederverwertetem Kunststoff in Elektroprodukten gebe es in Europa keine klare Regelung. „Für die Qualitätskriterien von Kunststoff-Rezyklaten sind daher dringend EU-Standards zu schaffen“, so Wolfgang Weber.

Auch der VDMA unterstützt grundsätzlich den Vorstoß. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft könne zum Erfolgsmodell werden und neue Geschäftsmodelle initiieren. „Dafür darf sich die EU aber nicht in kleinteiliger Regulierung verlieren, sondern muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und ihren Fokus auf die Ausgestaltung eines Sekundärrohstoffmarktes legen“, sagt Holger Kunze, Leiter des VDMA Europabüros.

Der Markt für Sekundärrohstoffe funktioniere noch nicht, ist aber die Basis einer Kreislaufwirtschaft. Solange Primärrohstoffe deutlich günstiger sind als Sekundärrohstoffe, ist kein Marktanreiz für deren Einsatz da. Die richtige Qualität und Quantität zu wettbewerbsfähigen Preisen machen den Einsatz für Unternehmen attraktiv. „Daher ist es nun wichtig, Qualitätsstandards für recycelte Materialien und deren Wiederverwendung gemeinsam mit der Industrie zu erarbeiten“, fordert Kunze.

Der Maschinenbau spiele eine wichtige Rolle bei der Kreislaufwirtschaft, denn Maschinen produzieren nicht nur Produkte, sie werden auch für deren Wiederverwendung, Reparatur, Wiederaufbereitung und Recycling gebraucht. Gleichzeitig ist der Maschinenbau selbst ein wichtiger Teil einer Kreislaufwirtschaft. Denn auch Maschinen sind reparierbar, aufrüstbar, oft wiederverwendbar und haben eine jahrzehntelange Lebensdauer. Die Wiederaufbereitung von Maschinen ist daher ein langjähriges Geschäftsmodell im Investitionsgütersektor.

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group