Definition Was ist eigentlich Technostress?

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Lockdown, Homeoffice, Zoom-Fatigue: Die Corona-Pandemie verändert für viele Beschäftigte maßgeblich, wie sie Arbeit verrichten und organisieren. Digitale Technologien sind dabei unverzichtbar, können aber zu sogenanntem Technostress führen. Was dahinter steckt.

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Funktionsstörungen der IT, Überforderung aufgrund der hohen Komplexität, Informationsüberlastung, ständige Erreichbarkeit - die Digitalisierung der Arbeitswelt kann zu sogenanntem Technostress führen.
Funktionsstörungen der IT, Überforderung aufgrund der hohen Komplexität, Informationsüberlastung, ständige Erreichbarkeit - die Digitalisierung der Arbeitswelt kann zu sogenanntem Technostress führen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die digitale Transformation verändert die Kommunikations- und Informationsflüsse in modernen Arbeitswelten. Digitale Kollaborationslösungen als Beispiel ermöglichen es, die räumlichen und zeitlichen Grenzen in der Zusammenarbeit zu überbrücken. Die Möglichkeit jederzeit verfügbar zu sein, führt zu einer starken Beschleunigung der Lebens- und Arbeitsrhythmen.

Besonders durch die Corona-Krise sind viele Unternehmen aktuell auf digitale Technologien für die Zusammenarbeit angewiesen: Seit knapp einem Jahr ist für viele das heimische Arbeitszimmer zum dauerhaften Arbeitsort geworden. Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet das besonders da eine große Herausforderung, wo flexible Arbeitsmodelle zuvor nicht zur Unternehmenskultur gehörten. Das betrifft nicht nur Technik und Organisation, sondern auch die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden - ein Grund dafür ist der sogenannte Techno- oder Technikstress.

Was löst Technostress aus?

Neu ist das Phänomen Technostress allerdings nicht. Bereits in den 1980er Jahren von dem Psychologen Craig Brod geprägt (Brod, 1984) geprägt. In der wissenschaftlichen Literatur stellt Technostress eine Unterkategorie von Stress dar, die in Situationen auftritt, bei der es durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu einer Überforderung des Benutzers kommt. Demnach ist Technostress eine Reaktion des Körpers auf starke psychische Belastungen, welche durch die Nutzung von IKT im persönlichen oder beruflichen Kontext hervorgerufen werden.

Die Auslöser von Technostress sind:

  • Techno-Overload: Neue Technologien können dazu führen, dass sich Arbeitszeit und -tempo erhöhen. Dies drückt sich beispielsweise darin aus, dass Arbeitnehmer durch digitale Kanäle mit Informationen überflutet werden oder sich die Arbeit verdichtet.
  • Techno-Invasion: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben können durch den Einsatz neuer Technologien zunehmend verschwimmen. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die potenzielle ständige Erreichbarkeit über digitale Kanäle auch außerhalb der Arbeitszeiten.
  • Techno-Complexity: Technologien können einen hohen Komplexitätsgrad mit sich bringen. Dadurch kann beim Mitarbeitenden das Gefühl entstehen, nicht ausreichend qualifiziert zu sein, um technologiebedingte Herausforderungen zu meistern. Dies erhöht wiederum den Druck, sich ständig verbessern zu müssen.
  • Techno-Insecurity: Mitarbeitende können dadurch Stress erleben, dass sie ihren Arbeitsplatz bedroht sehen. Dies kann z. B. aufgrund von Automatisierungsprozessen der Fall sein oder durch das Gefühl, dass es Menschen gibt, die ein besseres Verständnis für neue Technologien aufweisen und einen ersetzen.
  • Techno-Unreliability: Technologien können aufgrund von Systemstörungen oder Anwendungsproblemen als unzuverlässig erlebt werden und damit potenziell Stress auslösen.
Befunde zeigen negative Auswirkungen auf die Psyche, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Neben sozialer Vereinsamung und der organisatorischen Herausforderung ist eine wesentliche Komponente der sogenannte Technostress.

Prof. Dr. Daniel Thiemann, International School of Management (ISM), Köln

Wie äußert sich Technostress?

Durch die Corona-Krise und die Zunahme der Arbeit über digitale Technologien nehmen die psychologischen Folgen zu und werden sichtbarer, sagt Thiemann. Neben körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen und erhöhter Cortisol-Produktion zeigen Studien unter anderem sinkende Arbeitszufriedenheit und Produktivität, aber auch emotionale Erschöpfung bis hin zum Burnout. Aktuelle Phänomene wie die Zoom-Fatigue lassen sich laut Thiemann ebenfalls auf Technostress zurückführen.

Mögliche psychische Auswirkungen Mögliche pyschische Auswirkungen
Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit dauerhaft erhöhter Puls, starkes Herzklopfen bis hin zu Herzschmerzen
Nervosität und innere Unruhe Kreislaufprobleme: kalte Hände und Füße, Schwindelanfälle
unbestimmte Ängste und Panikattacken bis hin zu Phobien Muskelverspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Zittern und Zähneknirschen
ständige Müdigkeit Atembeschwerden wie Atemnot oder Heiserkeit
depressive Verstimmungen Magenschmerzen bis hin zu Brechreizen; Heißhunger und/oder Appetitlosigkeit
steigender Alkohol-, Zigaretten- und Tablettenkonsum langwierige Erkältungen, häufige Infektionen, Allergien

Was tun gegen Technostress?

Die Bewältigung liegt oft noch bei der Einzelperson. Für ein gesundes Arbeitsumfeld sind aber auch die Unternehmen gefragt. Unternehmen sollten laut Thiemann frühzeitig Voraussetzungen für eine gesunde digitale Zusammenarbeit schaffen. Dafür gibt es verschiedene Ansatzpunkte:

  • Technologien sollten sinnvoll in die Arbeitsorganisation integrierbar und gut bedienbar sein.
  • Die Arbeitnehmer müssen unterstützt werden, indem sie in Bezug auf die Bedienung der Technologien und im Umgang mit Themen wie Informationsüberflutung, ständiger Erreichbarkeit und Selbstorganisation geschult werden.
  • Es gilt ein Klima zu schaffen, in dem digitale Formen der Zusammenarbeit kulturell akzeptiert und gefördert werden und Mitarbeitende ausreichenden Zugang zu IT-Support haben.
Die Corona-Krise und Debatten um das Recht auf Homeoffice zeigen, dass Unternehmen das Thema nicht als Ausnahmezustand begreifen sollten, nach dem ein ‚back to normal‘ folgt. Um zukünftig Schritt zu halten, für aktuelle Generationen von Arbeitnehmern attraktiv zu bleiben und gesunde Arbeit auch über digitale Technologien zu ermöglichen, ist es für Unternehmen wichtig, das Thema Homeoffice auch nach der Krise zu adressieren und Aspekten wie Technostress proaktiv zu begegnen.

Prof. Dr. Daniel Thiemann, International School of Management (ISM), Köln

Seminartipp

In dem Seminar Zeit- und Selbstmanagement für Ingenieure und Techniker lernen die Teilnehmer die Hintergründe und Vorteile des Selbst- und Zeitmanagements kennen. Es wird gezeigt, wie man die Theorie im Alltag praxisgerecht anwenden kann.

Quelle:www.zoe-online.org

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