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Rollringgetriebe

Was eine Erfindung ins Rollen brachte

Die Erfolgsstory begann vor sieben Jahrzehnten in Dresden, wo Joachim Uhing ein Ingenieurbüro gründete. Jetzt feiert das Unternehmen Jubiläum: 70 Jahre Uhing.

| Autor/ Redakteur: Ullrich Höltkemeier* / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Die Erfolgsstory begann vor sieben Jahrzehnten in Dresden, wo Joachim Uhing ein Ingenieurbüro gründete. Jetzt feiert das Unternehmen Jubiläum: 70 Jahre Uhing.

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Aktuelle Rollringgetriebe für Wellen-Ø 20 mm im Kunststoffgehäuse und als traditionelles Aluminiumgehäuse.
Aktuelle Rollringgetriebe für Wellen-Ø 20 mm im Kunststoffgehäuse und als traditionelles Aluminiumgehäuse.
(Bild: Uhing)

Joachim Uhing studierte Maschinenbau und Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Dresden. Er gründete 1943 in Kiel ein Ingenieurbüro, den Vorläufer der Joachim Uhing GmbH & Co. KG. Seit dem Jahr 1973 ist das Unternehmen in Mielkendorf bei Kiel ansässig.

Uhings erste Tätigkeiten als Selbständiger waren die Entwicklung von Kleinbildkameras und Wanduhren, aber auch die Konstruktion eines Vorläufers der heutigen 4. Achsen für die mehrseitige Bearbeitung in einer Aufspannung. Internationale Bedeutung erlangte der junge Unternehmer durch die Erfindung von Fadenführern für Industriemaschinen.

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Jetzt hat das Unternehmen einen guten Grund zu feiern: 1943 bis 2013 – 70 Jahre Uhing.

Der Traum des Archimedes

Davon dürften schon der Mathematiker Archimedes (278 bis 212 v. Chr.) und seine Zeitgenossen geträumt haben: Seit der griechischen Antike bestand der Wunsch nach Schraubentrieben, die in Bezug auf Steigungswert und Steigungssinn variabel einsetzbar sind. Erfüllt hat ihn der Elektroingenieur Joachim Uhing mit der Erfindung des Rollringgetriebes. Im Jahr 1952 brachte er die erste Version dieses mechanischen Getriebes auf den Markt.

Mit diesem kraftschlüssigen Schraubentrieb war es möglich, auf rein mechanischem Wege die konstante Drehbewegung einer glatten Welle in kontinuierliche Hin- und Herbewegung mit stufenlos veränderlicher Geschwindigkeit und Hublänge umzuwandeln. Diese Eigenschaften machten das Rollringgetriebe insbesondere als Verlegung in der Wickeltechnik geeignet.

Jörg Wadehn, Geschäftsführer bei Uhing und für den Bereich Technik verantwortlich, berichtet: „Die Idee, mit pfiffigen Eigenentwicklungen interessante Marktnischen zu besetzen, prägt die Unternehmensphilosophie bis heute. Sie ist nach wie vor die Triebfeder für unseren anhaltenden Unternehmenserfolg.“

So begann zunächst in der Draht- und Kabelindustrie der weltweite Siegeszug des Rollringgetriebes über die bis dahin starren Systeme, die bei Hub- oder Steigungsveränderung komplett ausgetauscht werden mussten und dabei für lange Maschinenstillstände sorgten. Heute sind Rollringgetriebe überall dort im Einsatz, wo fadenförmiges Material aufgespult werden muss.

Eine weitere Entwicklung von Joachim Uhing war die Wälzmutter, im Prinzip ein Rollringgetriebe ohne Veränderungsmöglichkeit von Steigungswert und Steigungssinn. Durch seine prinzipbedingte Spielfreiheit hat sie sich schnell zum Standardantrieb für verschiedenste Messmaschinen entwickelt.

Die Beschäftigung mit kraftschlüssigen Produkten führte letztlich zur Entwicklung einer Linie von Spann- und Klemmelementen, die werkzeuglos die Fixierung von Spulen, Rollen und anderen festzusetzenden Elementen auf glatten Wellen ermöglichen. Joachim Uhing wurde mehrfach für seine besonderen erfinderischen Leistungen geehrt. So wurde ihm im Jahr 1976 auf der internationalen Erfindermesse in Genf eine Goldmedaille für ein kraftschlüssiges Conveyersystem verliehen. 2009 erhielt er posthum von der WTCI (Wire & Cable Technology International) den Technical Achievement Award für die Erfindung des Rollringgetriebes.

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