Vorausschauende Wartung

Von Darwin und Industrie 4.0

| Autor: Bernhard Richter

Was hat Charles Darwin mit der Digitalisierung zu tun? Einfach – auch hier gilt: Wer sich am besten und schnellsten den Herausforderungen seines Umfeldes stellt, überlebt.
Was hat Charles Darwin mit der Digitalisierung zu tun? Einfach – auch hier gilt: Wer sich am besten und schnellsten den Herausforderungen seines Umfeldes stellt, überlebt. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Auch wenn das eigene digitale Know-How bei der Vorausschauenden Wartung gesichert scheint – neue Ideen und Wettbewerber entwickeln sich schneller als man denkt.

Zustandsüberwachung (CM) und Vorrausschauende Wartung (PM) werden oft in einem Atemzug genannt. Bei genauerem Hinsehen entfalten sich aber durchaus Unterschiede. Condition Monitoring basiert auf einer regelmäßigen oder permanenten Erfassung des Maschinenzustandes durch Messung und Analyse physikalischer Größen. Predictive-Maintenance-Techniken dagegen dienen dazu, den Zustand von in Betrieb befindlichen Geräten zu bestimmen, um zu prognostizieren, wann Wartungsarbeiten durchgeführt werden sollten. Dieser Ansatz verspricht Kosteneinsparungen gegenüber einer routinemäßigen oder zeitbasierten vorbeugenden Wartung, da Aufgaben nur ausgeführt werden, wenn dies gerechtfertigt ist.

Digitale Ambitionen sind gefragt

Das Hauptversprechen der vorausschauenden Wartung besteht darin, eine bequeme Planung der Wartung zu ermöglichen und unerwartete Geräteausfälle zu verhindern. Der Schlüssel ist die richtige Information zur richtigen Zeit. Wenn man weiß, welche Geräte gewartet werden müssen, können Wartungsarbeiten besser geplant werden (Ersatzteile, Personen usw.), und ungeplanter Maschinenhalt wird in immer kürzere geplante Stopps umgewandelt, wodurch die Anlagenverfügbarkeit erhöht wird.

Zu den Daten-Pionieren auf der Maschinenbauerseite gehört zweifelsohne Bosch Rexroth Hydraulics. Für die Lohrer spielt Mathematik eine sehr große Rolle bei PM-Konzepten. Mit Hilfe selbstlernender Sensordaten aus Maschinen kann ein einfaches mathematisches Modell erarbeitetet werden , das vor Ort auch mit wenigen Daten sehr zuverlässig Vorhersagen über den Zustand macht. Mit der installierten Sensorik lässt sich z.B. der Zustand einer Pumpe über sieben bis zehn Tage vorhersagen - auch bei Fremdprodukten.

Interessanterweise haben sich aber laut einer Studie des VDMA aus CM- und PM-Techniken unterschiedliche Märkte entwickelt, in die jetzt auch Newcomer aus der IT drängen. Gerade diese im Maschinenbau noch unerfahrenen Firmen nutzen ihre profunden IT-Kenntnisse, um mit den erfassten Daten der Sensoren wirklich zuverlässige Prognosen über einen zukünftigen Maschinenzustand zu berechnen.

Wettbewerber schlafen nicht

Anhand einer Studie zu Industrie 4.0 gibt Bianca Illner vom VDMA warnend zu bedenken: „Während sich die Maschinen- und Anlagenbauer auf die digitale Veredelung bestehender Produkte konzentrieren, will die IT-Branche ihr Geschäft systematisch in Richtung produzierende Unternehmen weiterentwickeln.“ Das sei ein frontaler Angriff auf die digitalen Geschäftsmodelle der Maschinen- und Anlagenbauer, es drohe ein ernstzunehmender Wettbewerb.

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Eben dieser wird durch die Kunden weiter befeuert. Sie fordern Features wie eine Echtzeit-Visualisierung von Daten, sagt Dr. Volker Nestle von Trumpf im Rahmen des 3. VDMA-Kongresses „Predictive Maintenance 4.0“. Das Unternehmen hat natürlich schon längst eine eigene Strategie: Im Mittelpunkt seiner Digitalen Ambition stehen Smart Services die dem Anwender die Chance bieten, mithilfe eines elektronischen Kalenders Wartungen zu planen und durchzuführen. Wichtig sei es auch, diese Information innerhalb des Unternehmens zu übertragen. Im Rahmen der PM-Ansätze mit Reporting und Datenanalyse überwacht Trumpf seine Laser fortlaufend und entwickelte Algorithmen – diese sorgen für eine erhöhte Verfügbarkeit der Laser. Die erzeugten Daten stehen sicher nur dem Kunden zur Verfügung. Die Entwicklung der Prozessdaten kann so über lange Zeit hinweg verfolgt und analysiert werden. Denn, so der Trumpf Experte Nestle in Anlehnung an Darwins Hauptwerk :

„Erfolgreich ist nicht der Erste oder der Stärkste, sondern derjenige der sich durch seine eigenen digitale Transformation am schnellsten anpasst.“

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