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Otto Lilienthal

Und er fliegt doch – Erster Doppeldecker der Welt nachgebaut

| Redakteur: Katharina Juschkat

Otto Lilienthal ist ein Pionier der Luftfahrt, er absolvierte den ersten Gleitflug in der Menschheitsgeschichte. Erstmals konnten DLR-Mitarbeiter die Flugfähigkeit seiner Konstruktionen mit einem historisch korrekten Nachbau nachweisen.

(Bild: Flug des Lilienthal-Doppeldeckers / Flug des Lilienthal-Doppeldeckers / DLR / CC BY 3.0 / CC BY 3.0)

Er war ein Pionier der Luftfahrt und der erste Mensch, der erfolgreich Gleitflüge mit seinen selbstkonstruierten Gleitflugzeugen durchführte – die Rede ist von Otto Lilienthal. Auf der Grundlage seiner Entwicklung konstruierten die Gebrüder Wright das erste angetriebene Flugzeug und die Produktion seines „Normalsegelapparates“ – ein von ihm entwickeltes Gleitflugzeug, das durch Gewichtverlagerung gesteuert wird – gilt als die erste Serienfertigung eines Flugzeugs.

Doch obwohl seine bahnbrechenden Konstruktionen große Auswirkungen auf die Luftfahrt hatten, gerieten seine Flugapparate in den Verdacht, keine ausreichende Flugstabilität und Steuerbarkeit zu besitzen, nachdem er am 10. August 1896 durch einen Absturz mit seinem Eindecker verstarb. Um die Flugfähigkeit seiner Konstruktionen über ein Jahrhundert nach seinem Tod zu beweisen, hat der DLR-Mitarbeiter Prof. Markus Raffel den ersten Doppeldecker der Welt von Otto Lilienthal historisch korrekt nachgebaut und ist damit erfolgreich geflogen.

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Doppeldecker aus Hanfseil, Baumwollgewebe und Stahldraht

Raffel baute damit auf den wissenschaftlichen Untersuchungen auf, die das DLR anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des ersten Menschenfluges 2016 mit einem Nachbau von Lilienthals Eindecker unter anderem im Windkanal gemacht hatte.

Der Doppeldecker war im Otto-Lilienthal-Museum in Anklam aus authentischen Materialien aus Weidenruten, Hanfseil, Baumwollgewebe und Stahldraht nach erhaltenen Plänen Lilienthals und Stoffanalysen erhalten gebliebener Gleiter gebaut worden. Bevor der Gleiter erfolgreich im Wind flog, testete Raffel mit seinem Team den Doppeldecker bei Schleppversuchen an einer Seilwinde. Dabei ermittelten sie Flugeigenschaften, um die Seillängen mittels Spannschlössern richtig einzustellen, die Lilienthal damals extra für diesen Zweck entwickelt hatte. Die Flugversuche fanden Ende Juli an der Pazifikküste Kaliforniens nahe der Stadt Monterey statt, wo konstant günstige Windbedingungen herrschen.

14 Sekunden Gleitflug

„Er war vom ersten Flug an sehr gut steuerbar und flog ausgesprochen gutmütig“, erzählt Pilot Raffel. „Ein leichter Linksdrall, der während der ersten Flüge durch seitliche Gewichtsverlagerung ausgeglichen werden musste, konnten wir an den folgenden Tagen durch eine sorgfältigere Einstellung des Seitenleitwerks und der Streben des oberen Flügels abstellen.“

Die Flüge dauerten typischerweise zwischen 10 und 14 Sekunden und waren durch die Brandung auf Distanzen von etwa 100 Metern begrenzt. Der Wind hatte sehr konstanten Geschwindigkeiten zwischen fünf und sieben Metern pro Sekunde, was 18 bis 25 Kilometer pro Stunde entspricht. Die Flughöhen wurden aus Sicherheitsgründen auf drei bis vier Meter begrenzt. „Der sogenannte Große Doppeldecker ist bei schwierigen Windverhältnissen noch sicherer und besser zu fliegen als Lilienthals berühmter Eindecker“, so Raffel.

Der Flug mit dem Doppeldecker

„Markus Raffel sind die ersten gut dokumentierten Flüge mit einem Nachbau eines Lilienthal-Gleiters gelungen“, erklärt Prof. Andreas Dillmann vom DLR, der die Voruntersuchungen leitete. Zwar haben die Untersuchungen im Windkanal durch das DLR die guten Flugeigenschaften des Gleiters in der Theorie bestätigt. „Aber nur ein Flugversuch konnte zeigen, dass es auch tatsächlich – heute wie damals – möglich ist“, so Dillmann. die jetzt erfolgten Flüge waren die ersten gut dokumentierten Flüge des Normalsegelapparates seit Lilienthals Tod.

Die Leistungen Lilienthals wurden praktisch von allen nachfolgenden Pionieren der Luftfahrt anerkannt und aufgegriffen, erklärt Dr. Bernd Lukasch, Leiter des Otto-Lilienthal-Museums Anklam, das den Nachbau des Gleiters im Auftrag des DLR durchführte. Sein Erfolg sei durch drei Leistungen möglich geworden: Er habe das wissenschaftliche Rätsel des Auftriebs gelöst, er habe ein patentierbares Produkt erstellt und er habe sich das Fliegen beigebracht. „Letzteres wurde spektakulär durch Markus Raffel nachempfunden und gewürdigt“, so der Museumsleiter. Der Doppeldecker ist jetzt dem Museum als Dauerleihgabe übergeben worden.

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