Guss Turbinen- und Generatorwellen aus einem Stück

Redakteur: Stefanie Michel

Nachdem die ThyssenKrupp Acciai Speciali Terni den größten Gussblock Europas erschmolzen hat, wurde er in der italienische Schmiede Societá delle Fucine weiterverarbeitet. Diese Schmiede gehört zu den führenden Unternehmen zur Herstellung von Turbinen- und Generatorwellen für Kraftwerke.

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Turbinen- und Generatorwellen für Kraftwerke werden aus einem Stück in sogenannten Freiformschmieden hergestellt. Im Auftrag von Siemens Energy hat die italienische Societá delle Fucine, eine Tochtergesellschaft des Edelstahlproduzenten ThyssenKrupp Acciai Speciali Terni, jetzt Wellen für ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Belgien gefertigt, das 2011 die Stromproduktion aufnehmen soll.

Vor Kurzem ist im Stahlwerk in Terni der mit 500 Tonnen größte Gussblock Europas in 15 Stunden erschmolzen worden. Diesen hat die Societá delle Fucine weiterbearbeitet. Er ist für ein Walzwerk in Russland bestimmt und wiegt in seiner endgültig bearbeiteten Form rund 230 Tonnen.

Wellen herstellen durch Freiformschmieden

Die italienische Schmiede produziert unter anderem bis zu 20 Meter lange Wellen und Rotorwellen insbesondere für den Kraftwerksbau. Im Gegensatz zu einer Gesenkschmiede, bei der das Material in eine vorgegebene Form quasi gestanzt wird, wird das Werkstück beim Freiformschmieden von zwei Backen (Sättel) gepresst, wobei der Stahl zur Seite ausweicht.

Dabei sind enorme Kräfte im Einsatz: Mit einer Geschwindigkeit von nur 50 Millimetern pro Minute senken sich die 12 600 Tonnen Presskraft nach unten. Dort wartet ein rotglühendes, auf 1 200 Grad Celsius erhitztes, Schmiedestück mit einem Gesamtgewicht von mehr als 200 Tonnen. Ein riesiger Manipulator – eine computergesteuerte „Greifzange“ – hat den Koloss millimetergenau unter der Hydraulikpresse platziert. Vier Hydraulikpumpen stemmen mit einer Kraft von sechs Megawatt und einem Druck von 510 Bar 4 500 Liter Wasser pro Minute durch die Presszylinder und erzeugen so diese Riesenkraft. Mit ihrer Hilfe werden die glühenden Blöcke in große Schmiedestücke verwandelt – die größten in Europa. Da die Teile bei diesem Prozess abkühlen, werden sie in Schmiedeöfen immer wieder auf die erforderliche Temperatur gebracht und in mehreren Schritten weiterbearbeitet.

Durch Manipulator Steigerung der Effizienz und Qualität

Mit verschiedenen Maßnahmen ist der Schmiedebereich der ThyssenKrupp Acciai Speciali Terni zuletzt weiter gestärkt worden. Durch den Bau des Manipulators mit einer Hubkraft von 250 Tonnen und der innovativen VOD-Anlage (Vacuum Oxygen Decarburisation) im Stahlwerk, die zur Herstellung von speziellen, hochfesten Stahlgüten benötigt wird, erzielte die Schmiede nicht nur eine Effizienz- und Qualitätssteigerung, sondern erreichte auch eine Erweiterung des Produktportfolios in hoch profitable Segmente.

(Teil 2: Warum die Schmiede zur Weltspitze gehört)

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