Getriebe Standardkomponenten treiben Kettenkratzförderer auf Spitzbergen an

Redakteur: Ute Drescher

Ein hohes Drehmoment bis 130 kNm, eine Untersetzung von 118 zu 1 und Temperaturen bis -30 °C – der Einsatz in einem Kettenkratzförderer für eine Kohlemine auf Spitzbergen stellt höchste Anforderungen an die Antriebstechnik. Aus dem Portfolios von SEW-Eurodrive an Standardmotoren und -industriegetrieben konnte Halbach & Braun kostengünstig einen passenden Antrieb auch für diese Extrembedingungen zusammenstellen.

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Rund 450 Tonnen Kohle pro Stunde kann der Kettenkratzförderer auf Spitzbergen bewegen.
Rund 450 Tonnen Kohle pro Stunde kann der Kettenkratzförderer auf Spitzbergen bewegen.
(Bild: SEW)

Store Norske ist die nördlichste Bergbaugesellschaft der Welt: Sie verfügt über Kohleminen auf Spitzbergen, der Inselgruppe im Nordatlantik jenseits des Polarkreises. Dort herrscht arktisches Klima mit Jahresdurchschnittstemperaturen von -4,4 °C; die Polarnacht dauert von Ende Oktober bis Mitte Februar. Doch der Bergbau lohnt sich auch unter diesen widrigen Bedingungen, denn die Kohleflöze dringen teilweise bis an die Oberfläche. Im Frühjahr 2012 begann Store Norske mit der Erschließung einer weiteren Mine in der Region Lunckefjell. Hier lagern schätzungsweise 8,2 Millionen Tonnen Kohle von hoher Qualität, die auf dem europäischen Markt gefragt ist.

Nachdem die Infrastruktur im Laufe des Jahres eingerichtet wurde, beginnt Store Norske jetzt mit dem Aufbau des Maschinenparks. Dabei setzen die Norweger auch auf das Bergbau-Know-how, das deutsche Maschinenbauer über Jahrzehnte im Ruhrgebiet gewonnen haben. So wird unter anderem die Firma Halbach & Braun einen Kettenkratzförderer ins ferne Spitzbergen liefern. „Dieser Förderer ist das wichtigste Element, um das gewonnene Haufwerk, also das herausgebrochene Gesteinsmaterial, vom Ort der Gewinnung zur Zerkleinerung und Verarbeitung zu transportieren“, erklärt Dr. Dietrich Braun, geschäftsführender Gesellschafter von Halbach & Braun. Kettenkratzförderer sind das Kernprodukt des mittelständischen Betriebs, der 1920 vom Großvater des jetzigen Chefs gegründet wurde. Die insgesamt rund 55 Mitarbeiter bauen zudem Brecher, Kohlenhobel und sogenannte Bandenden – das sind die Verbindungselemente zwischen Kettenkratzförderer und Bandförderer.

Kettenkratzförderer wird im Tagebau eingesetzt

Der von Store Norske bestellte Kettenkratzförderer soll im Tagebau eingesetzt werden. Hier wird der Förderer nicht direkt am Abbauort platziert, sondern das Haufwerk (Gesteinsbrocken) wird von schweren Lkw antransportiert. Sie kippen ihre Last in einen 80 m³ fassenden Bunker, aus dem der Kettenkratzförderer dann kontinuierlich Kohle herauszieht. „Beim Befüllen fallen bis zu zwei Tonnen schwere Brocken aus mehreren Metern Höhe auf den Förderer; ist der Bunker randvoll gefüllt, lasten 120 Tonnen Material auf ihm“, beschreibt Dr. Braun die extremen Belastungen. „Nur ein Kettenkratzförderer kann diese Last aushalten.“

Hier liegt das Material nicht auf einem Band auf, sondern auf einer feststehenden, bis zu 5 cm dicken Stahlplatte. Hierüber „kratzen“ querstehende Mitnehmer, die über zwei Ketten verbunden und angetrieben werden. Die Mitnehmer ziehen das Material langsam und kontinuierlich aus dem Bunker – rund 450 t/h.

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