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Anschlusstechnik So sehen Steckverbinder für die Lebensmittelindustrie aus

Welchen Anforderungen Steckverbinder im Einsatz in der Lebensmittelindustrie gerecht werden müssen, haben wir bei sechs Herstellern nachgefragt.

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In der Lebensmittelindustrie gelten hohe Hygieneanforderungen, die auch an Komponenten der Anschlusstechnik gestellt werden. Wir zeigen, welche Produkte Steckverbinderhersteller im Portfolio haben.
In der Lebensmittelindustrie gelten hohe Hygieneanforderungen, die auch an Komponenten der Anschlusstechnik gestellt werden. Wir zeigen, welche Produkte Steckverbinderhersteller im Portfolio haben.
(Bild: ©industrieblick - stock.adobe.com)

Wo Lebensmittel verarbeitet werden, herrschen besonders hohe Anforderungen bezüglich der Hygiene. Da keine externen Stoffe in die Nahrungsmittel gelangen dürfen, steht Reinheit an erster Stelle. Maschinen müssen daher so aufgebaut sein, dass sie möglichst leicht zu reinigen sind und keine Schmutznester entstehen können. Zudem müssen eingesetzte Komponenten Hochdruckreinigern, Desinfektionsmitteln und Reinigungschemikalien standhalten können. Das heißt, sie müssen beständig gegen heiße Temperaturen, Korrosion und aggressive Flüssigkeiten und Dämpfe sein. Bei elektromechanischen Schnittstellen spielt auch die Staub- und Druckwasserdichtigkeit eine Rolle, um eine lange Lebensdauer in dem beanspruchten Umfeld gewährleisten zu können.

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Das Steckverbinder-Portfolio der sechs Hersteller im Überblick

Drei Zonen in der Lebensmittelindustrie

Unterschieden wird in der Lebensmittelindustrie in drei Zonen:

  • Produktzone/Lebensmittelkontaktzone: Es herrschen höchste Ansprüche an Reinheit und Hygiene, daher wird der Bereich möglichst klein gehalten. Elektromechanische Schnittstellen sollten außerhalb platziert werden. Es gibt aber Hersteller, deren Steckverbinder in der Produktzone eingesetzt werden können.
  • Spritzzone/Washdown-Zone: Hier kommen Lebensmittel mit Anlagenteilen in Berührung, werden aber anders als in der Produktzone nicht mehr in den Verarbeitungsprozess zurückgeführt. Es herrschen dennoch hohe Hygieneanforderungen. Reinigungschemikalien, Hochdruckreiniger und Desinfektionsmittel kommen zum Einsatz.
  • Produktfreie Zone: Oft gelten Anforderungen, die aus dem klassischen Industrieumfeld bekannt sind. Meist eignet sich das Standard-Programm der Hersteller.

Hohe Anforderungen an Steckverbinder

Kommen Steckverbinder in der Produktzone oder der Spritzzone zum Einsatz, müssen sie nach dem Hygienic Design gestaltet sein. Das heißt, ihre Geometrie widersteht Verschmutzungen, die Oberfläche ist glatt und leicht zu reinigen, Partikel und Lebensmittel können sich nirgends ansammeln. Die European Hygienic Equipment Design Group (EHEDG) erstellt zur Konstruktion im Hygienic Design Richtlinien, nach denen viele Steckverbinder-Hersteller ihr Produktprogramm für die Lebensmittelindustrie konzipieren.

Verwendete Materialien spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Edelstahl ist der bevorzugte Werkstoff. Er ist korrosions-, chemikalien- und temperaturbeständig. Außerdem sind keine Wechselwirkungen mit den Lebensmitteln zu verzeichnen. Auch spezielle Kunststoffe kommen bei umspritzten Bauteilen, Dichtungen und Gehäusen zum Einsatz. Einige Hersteller werben damit, dass die verwendeten Materialien FDA-zertifiziert sind. Dabei handelt es sich um die Food and Drug Administration, eine US-amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde.

Hohe IP-Schutzart, lange Lebensdauer

Die IP-Schutzart beschreibt, wie weit ein elektrisches Gerät gegen das Eindringen von Schmutz, Fremdkörpern und Flüssigkeiten geschützt ist. Dies spielt in der Lebensmittelindustrie eine bedeutende Rolle, damit die Steckverbinder im reinigungsintensiven Umfeld unbeschadet bestehen können. Die Schutzart IP67 beschreibt beispielsweise einen vollständigen Schutz gegen Berührung und Staub sowie einen Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen. Die höchste Schutzart IP69K zeigt ebenfalls einen vollständigen Schutz gegen Berührung und Staub auf sowie einen Schutz gegen Wasser bei Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung.

Buchtipp

Das Praxishandbuch Steckverbinder ist ein Nachschlagewerk für die Geräteentwicklung und für den Einsatz von Steckverbindern. Entwickler und Anwender erhalten Antworten auf Fragen zur Ausführung, Materialien, physikalische Grundlagen, Kontaktoberflächen, Abschirmmaßnahmen, Gehäusemechanik und Verriegelungssysteme.

Spezielle Steckverbinder im Portfolio

Sechs Hersteller und ihr Steckverbinder-Portfolio für die Lebensmittelindustrie im Überblick:

  • 1. Escha bietet für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie Rundsteckverbinder in den Baugrößen M8 und M12 in gewinkelter und gerader Ausführung an. Seit Mai 2020 hat der Hersteller Steckverbinder für die Lebensmittelindustrie im Portfolio, die im Gegensatz zu teuren Edelstahlüberwürfen mit einem kostengünstigen Kunststoffüberwurf versehen werden.
  • 2. Harting hat mit dem Han F+B einen Spezialsteckverbinder entwickelt, der intensiver Reinigung standhält. Er überträgt Leistung und Signale in der Spritzzone. Das Gehäuse weist ein leicht zu reinigendes Design und glatte Oberflächen auf. Er wurde in Anlehnung an die Richtlinien der EHEDG konstruiert.
  • 3. Hummel bietet Rundsteckverbinder in den Größen M8 bis M40 für die Übertragung von Signal und Leistung – auch in Hybridausführung. Die Stecker gibt es in frei konfektionier­barer oder umspritzter Variante.
  • 4. Schaltbau hat modulare Rundsteckverbinder der Baureihe M1 und M3 für die Lebensmittelindustrie im Programm. Die Produkte sind in allen drei Produktzonen im Einsatz.
  • 5. Phoenix Contact bietet für die Anschlusstechnik in der Lebensmittelindustrie konfektionierbare M12-Steckverbinder im hygienischen Design nach den Vorgaben der EHEDG.
  • 6. Lapp hat mit der Epic-Ultra-Serie Rechtecksteckverbinder für die Lebensmittelindustrie im Portfolio. Die Rohteile des Gehäuses sind aus vernickeltem Zinkdruckguss hergestellt. Einige Komponenten bestehen aus Edelstahl und dem nach FDA-Standards geprüften Kunststoff POM.

Anwenderkongress Steckverbinder

Der Anwenderkongress Steckverbinder in Würzburg beleuchtet praxisorientiert technische Aspekte beim Design und Einsatz moderner Steckverbinder. In Praxis-Workshops vermitteln hochkarätige Experten elektrotechnische Grundlagen, spezifisches Knowhow und helfen bei der Auswahl des richtigen Steckverbinders.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht