Gut zu wissen So geben Sie souverän Feedback

Redakteur: Sebastian Hofmann

Kritik hört keiner gerne – um negatives Feedback an Kollegen, Mitarbeitern oder gar Führungskräften kommt allerdings kaum einer herum. Wir zeigen, wie Sie es konstruktiv und schonend formulieren.

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Alle auf einen – so darf kritisches Feedback natürlich auf keinen Fall laufen. Wählen Sie stattdessen das persönliche Zwiegespräch!
Alle auf einen – so darf kritisches Feedback natürlich auf keinen Fall laufen. Wählen Sie stattdessen das persönliche Zwiegespräch!
(Bild: ©photoschmidt 2017 - stock.adobe.com)

Es gibt diese Menschen, die verkaufen einem ihre Meinung so clever, dass man am Schluss glaubt, es sei die ganze Zeit die eigene gewesen. Die üben Kritik, ohne auch nur ein einziges Mal „Kritik“ zu sagen. Die geben negatives Feedback, das sich anfühlt, als wäre es positiv gewesen. Für andere ist das Contra-Geben dagegen eine echte Herausforderung. Gehören Sie auch dazu? Dann aufgepasst: Wir erklären Ihnen, wie Menschen Kritik aufnehmen und geben Ihnen Tipps für konstruktives Feedback.

Die typischen Reaktionsphasen auf Kritik

Die Reaktionen auf negatives Feedback laufen immer nach dem selben Muster ab, manchmal innerhalb von Minuten, manchmal innerhalb von Wochen. Das SARA-Modell zeigt, wie.

1. Das S – steht für „Schock“: Negative Rückmeldungen lassen Eigen- mit Fremdwahrnehmung kollidieren. Das überfordert Betroffene erst mal. Für Sie heißt das: Erwarten Sie jetzt kein Verständnis und schon gar keine Lösungsansätze von Ihrem Gegenüber.

2. Das A – steht für „Anger (zu Deutsch: Wut)“: Nach dem ersten Schock gehen die Meisten in die Offensive. Schnell werden dann andere für das eigene Fehlverhalten verantwortlich gemacht. Für Sie heißt das: Bleiben Sie ruhig und besonnen, lassen Sie sich nicht provozieren.

3. Das R – steht für „Resistance (zu Deutsch: Widerstand)“: „Ich bin eben so“, „dagegen kann ich nichts tun“ – solche Aussagen sind typisch für die dritte Phase. Der Mitarbeitende stemmt sich nun gegen mögliche Veränderungen. Für Sie heißt das: Signalisieren Sie, dass Sie das Problem nicht sofort und komplett, sondern Schritt für Schritt lösen wollen.

4. Das A – steht für „Akzeptanz“: Erst nach einer Weile wird der Mitarbeiter seine Lage akzeptieren. Für Sie heißt das: Nun können Sie gemeinsam mit ihm an einer konstruktiven Lösung arbeiten.

Sieben Regeln für konstruktives Feedback

Folgende Empfehlungen sollten Sie dabei immer beachten:

  • 1. Die Gesprächssituation: Geben Sie kritisches Feedback nie vor anderen Kollegen, sondern immer im direkten Gespräch. Niemand darf sich bloßgestellt fühlen.
  • 2. Nutzen Sie Ich-Botschaften: „Ich habe den Eindruck, Ihre Konzentration lässt in den letzten Tagen etwas nach“, statt „Sie sind zu unkonzentriert.“ So kommen Sie auf gleiche Augenhöhe.
  • 3. Seien Sie konkret: Welches Fehlverhalten haben Sie beobachtet. Also nicht „Sie arbeiten schlecht“, sondern „Ich habe beobachtet, dass Ihre Projekte häufig den Zeitrahmen überschreiten.“ Nur so kann der andere Ihr Anliegen verstehen.
  • 4. Hören Sie zu: Feedback ist keine Einbahnstraße. Nehmen Sie sich Zeit für das, was der Kollege zu sagen hat. Das hilft Ihnen, seine Sichtweise besser zu verstehen.
  • 5. Sachlich bleiben: Ärgern Sie sich gerade über den Kollegen? Dann sprechen Sie ihn erst an, wenn Sie sich wieder beruhigt haben. Bleiben Sie neutral und vermeiden Sie persönliche Angriffe.
  • 6. Schauen Sie nach vorne: Konstruktive Kritik zeigt Lösungsvorschläge und Alternativen auf. Überlegen Sie sich vorher: Was wünsche ich mir vom anderen? Und formulieren Sie ihm gegenüber diesen Wunsch.
  • 7. Friedvolles Ende: Erwähnen Sie zum Schluss etwas Positives – zum Beispiel, was Sie am Kollegen schätzen. Er fühlt sich dadurch nicht auf seine Schwächen reduziert.

Wussten Sie’s?

Mehr als acht von zehn Mitarbeitern sehen regelmäßiges und konstruktives Feedback von ihrem Vorgesetzten als wichtigen Faktor für die Jobzufriedenheit. Das ergab eine Umfrage des Marktforschers Appinino im Juli 2020.

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