Verbindungstechnik für Schienenfahrzeuge „Slowakischer Pfeil“ fährt nach 81 Jahren wieder

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Vor mehr als 80 Jahren wurde die Expressverbindung zwischen Prag und Bratislava eingeweiht. Im Volksmund heißt sie Slovenská strela, was so viel wie Slowakischer Pfeil bedeutet. Für die Strecke wurden für die damalige Zeit äußerst starke Lokomotiven entwickelt. Jetzt wurden die historischen Loks restauriert.

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Der Slowakischer Pfeil hatte seinerzeit neben eindrucksvoller Technik auch ein spektakuläres Aussehen: knallrot mit vorgeschobener Nase.
Der Slowakischer Pfeil hatte seinerzeit neben eindrucksvoller Technik auch ein spektakuläres Aussehen: knallrot mit vorgeschobener Nase.
(Bild: Lapp)

Für die Schnellverbindung zwischen Prag und Bratislawa entwickelte der tschechische Ingenieur Josef Sousedík das erstaunlichste Schienenfahrzeug seiner Zeit. Hergestellt wurden die beiden Triebwagen M 290.0 von Závody Tatra a.s. in Kopřivnice im Auftrag für die Tschechoslowakische Staatsbahn. Allein das Aussehen war spektakulär: knallrot mit vorgeschobener Nase wie bei einem Delphin und luxuriöser Ausstattung im Innenbereich.

Doch nicht nur die Konstruktion des Wagenkastens war einzigartig, sondern auch fortschrittliche elektromechanische Kraftübertragung. Zu einer Zeit, als überall noch die Dampflokomotiven dominierten, erreichte der Prototyp auf der Teststrecke Geschwindigkeiten von bis zu 148 km/h. So schnell ist der Zug im realen Betrieb allerdings nie gefahren. Seine Konstruktionsgeschwindigkeit betrug 130 km/h.

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Hybridgetriebe nahm kurz Fahrt auf

Die enorme Geschwindigkeit wurde nicht nur durch das zeitlose aerodynamische Design erreicht, das bis heute bewundert wird, sondern vor allem durch den speziellen Elektroantrieb des Zuges. Sousedíks ursprüngliche Herangehensweise an die Kraftübertragung war revolutionär und auf der ganzen Welt einzigartig. Dank seines patentierten Systems startete das Fahrzeug mit einem Elektroantrieb und die Lamellenkupplung, die den Benzinmotor verbindet, schaltete sich erst ein, wenn der Zug eine Geschwindigkeit von über 80 km/h erreichte. Dieses Hybridgetriebe zusammen mit leistungsstarken Motoren und einem geringen Gewicht ermöglichte eine sehr dynamische Fahrt.

Die legendären M 290.001 und 002 Motortriebwagen kamen aber nur von 1936 bis 1939 auf der Expressverbindung Slovenská Strela von Prag nach Bratislava zum Einsatz. Sie bewältigten die rund 330 km zwischen der tschechischen und slowakischen Hauptstadt in nur vier Stunden und 28 Minuten. 72 Fahrgäste fanden darin Platz und eine kleine Küche gab es auch.

Legendärer Zug auf dem Abstellgleis wird restauriert

Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurden die Slowakischen Pfeile aufs Abstellgleis gestellt und später nur noch für Fahrten von Regierungsmitgliedern genutzt. Später passten die luxuriösen Züge nicht mehr ins sozialistische Weltbild und so kamen die Züge ins Werksmuseum von Tatra Kopřivnice, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt waren und mit der Zeit stark beschädigt wurden.

Doch der Zug gilt auch heute noch als legendär. Deshalb wurde er vor zehn Jahren von der Tschechischen Regierung in die Liste der Nationalen Kulturdenkmäler aufgenommen. 2018 bekam die tschechische ČMŽO Gruppe, ein Unternehmen für die Entwicklung und Produktion von Schienenfahrzeugen und Systemen, den Auftrag den Zug für rund 1,4 Mio. Euro zu restaurieren. Ziel war es, sein ursprüngliches Aussehen aus den 1930er Jahren wiederherzustellen und ihn wieder in Betrieb zu nehmen.

Im Zugbetrieb: Besonders geeignete Verbindungslösungen gefragt

Die Experten von ČMŽO verwendeten für die Erneuerung der Verbindungslösungen die Ölflex Train Produkte von Lapp. Der Spezialist für Kabel- und Verbindungstechnologie hat hierfür ein gesondertes Produktportfolio unter anderem mit speziellen Ölflex Train Kabeln, Unitronic Train und Etherline Train Datenleitungen, Skintop Kabeldurchführungen, Epic Steckern und weiteren Systemprodukten entwickelt. Der Produktionsstandtort für Ölflex Train Leitungen in Südkorea ist nach ISO/TS 22163 (IRIS) zertifiziert.

Besonders robust werden die Bahnleitungen durch die Strahlenvernetzung. Dabei wird die Molekularstruktur der eingesetzten Kunststoffe durch Einwirkung von Elektronenstrahlen verändert. Zudem wird mit der Vernetzung sichergestellt, dass die Leitung die mechanische Belastung im Zug – sprich Abrieb, Vibration, UV-Bestrahlung, Kontakt mit Treibstoffen, Ölen und anderen Chemikalien – sowie hohe und tiefe Temperaturen übersteht.

Hierfür hat Lapp am Standort Korea eine eigene Strahlenvernetzungsanlage aufgebaut. Um die notwendigen Zertifizierungen zu erhalten, testet Lapp seine Leitungen an drei Standorten: Im Technologieprüfzentrum in Stuttgart, im Brandtestzentrum im französischen Werk in Forbach sowie bei Lapp Korea. Lapp verwendet für seine Bahnkabel ausschließlich halogenfreie Spezial-Werkstoffe, die ausgiebigen Toxizitätstests und Brandprüfungen unterworfen werden.

Leitungen für Schienenfahrzeuge nach EN 50264

Speziell für den historischen Zug kamen die einadrigen Ölflex Train 331 Leitungen zum Einsatz, welche für die Installation in Fahrzeugen mit Spannungen bis 600 V vorgesehen sind. Sie eignen sich für Beleuchtung, Heizung, Schaltkreise, Schalttafeln und Stromversorgungsanlagen und sind mit einem Aderquerschnitt von 1 bis 300 mm2 erhältlich.

Für Bereiche, wo geschirmte Leitungen benötigen wurden, wurde die Ölflex Train 345 C eingesetzt. Die Abschirmung dieser Leitung besteht aus verzinntem Kupferdrahtgeflecht. Die Aderisolation sowie der äußere Mantel bestehen bei dieser und der 331 Leitung aus strahlenvernetzten Polymeren.

Die verwendeten Leitungen sind speziell für Schienenfahrzeuge nach EN 50264 ausgelegt. Diese Norm beschreibt nicht nur den Aufbau der Leitung, sondern verweist auch auf andere Normen, die die Leitung gemäß den aktuellen Anforderungen für den Bahnbetrieb erfüllen muss. Dazu gehören die Beständigkeit gegen Öle, Kraftstoffe, Säuren und Laugen, aber auch Ozon, das den Alterungsprozess der Kabelisolierung beschleunigt. Die Leitungen erfüllen darüber hinaus die strengen Anforderungen an die Brandsicherheit, wie Halogenfreiheit, Flammwidrigkeit und geringe Rauchentwicklung, gemäß EN 45545-2 für die Gefährdungsstufen HL1-3.

Der „Pfeil“ soll noch in diesem Jahr auf Fahrt gehen können. Allerdings nur kurz. Er wird in einem neuen Außengebäude im Tatra-Museum in Kopřivnice ausgestellt und kann so geschützt vor Witterungseinflüssen von Eisenbahnfans bewundert werden.

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