Kunststoff Sieben Neuheiten im Bereich Kunststoffe

Von Juliana Pfeiffer

Anbieter zum Thema

Ein thermoplastisches Elastomer, thermoplastische Verbundwerkstoffe für stabile Unterbodenverkleidungen, eine materialwissenschaftliche Datenbank für Jedermann, bis hin zu selbsthaftenden Flüssigsiliconkautschuke: die Neuheiten im Bereich Kunststoffe.

Das thermoplastische Elastomer eignet sich für Anwendungen im Sport- und Konsumgüterbereich oder auch im Automobilsektor.
Das thermoplastische Elastomer eignet sich für Anwendungen im Sport- und Konsumgüterbereich oder auch im Automobilsektor.
(Bild: Evonik)

Evonik hat mit Vestamid e²X einen neuen Hochleistungskunststoff entwickelt. Er ist

(Bild: Evonik)

transparent, farbstabil und übertrifft mit einem Glanzeffekt herkömmliche Produktklassen der Polyetherblockamide. Das thermoplastische Elastomer bietet zudem Eigenschaften wie Kälteschlagzähigkeit, hohe Elastizität, gutes Rückstellverhalten und niedrige Dichte. Es eignet sich für Anwendungen im Sport- und Konsumgüterbereich oder auch im Automobilsektor. Im Jahr 1979 hat Evonik das thermoplastische Elastomer Polyetherblockamid (PEBA) unter dem Markennamen Vestamid E auf den Markt gebracht. Ob Sportartikel, Druckleitungen in LKWs, medizinisches Zubehör oder 3D-gedruckte High-Tech-Elemente: Die Elastomere von Evonik haben über die vergangen vier Jahrzehnte immer wieder den Weg in neue anspruchsvolle Anwendungen gefunden. Der Hochleistungskunststoff überzeugt durch mechanische und chemische Beständigkeit, einstellbare Härte und Flexibilität sowie gutes Rückstellverhalten. Es lässt sich leicht verarbeiten, einfärben oder überspritzen.

Rund 30 Prozent leichter als Stahlblechausführung

(Bild: Lanxess)

Die endlosfaserverstärkten thermoplastischen Verbundwerkstoffe der Marke Tepex Dynalite von Lanxess werden im Fahrzeugbau als leichtes Material für mechanisch extrem stabile Unterbodenverkleidungen. Jüngste Beispiele dafür sind der Li L9 und der soeben in den Markt eingeführte Li L8 von der Li Auto Inc., einem chinesischen Hersteller von Automobilen mit alternativer Antriebstechnik. Die Verkleidungen seien laut Lanxess rund 30 Prozent leichter als entsprechende Stahlausführungen. Im Vergleich zu anderen thermoplastischen Verbundkonstruktionen – wie etwa reinen DLFT-Bauteilen – zeichnen sie sich durch eine höhere Zähigkeit, Festigkeit und Energieaufnahme aus. Sie sind damit widerstandsfähiger gegen Steinschläge oder eine Schädigung beim Auffahren auf Gegenstände. Bei einer Länge von rund 1,5 Metern und einer Breite von einem Meter sind die Verkleidungen nur drei bis vier Millimeter dick. Hergestellt werden sie mit einem ein Millimeter dicken Einleger aus Tepex Dynalite 104-RG600 und einer zusätzlichen extrudierten DLFT-Masse. Beides wird erhitzt und plastifiziert, dann in ein Presswerkzeug eingelegt und dort zusammen in einem Schritt verformt. Die Matrix des Einlegers besteht aus Polypropylen und ist mit 47 Volumenprozenten Endlosglasfaser-Rovings verstärkt. Die DLFT-Masse aus Polypropylen enthält 40 Gewichtsprozent Langglasfasern. Die Verkleidungen können auf gängigen Formpress-Werkzeugen gefertigt werden.

Polyphenylenether mit aus Biomasse gewonnenen Rohstoffen herstellen

(Bild: Asahi Kasei)

Asahi Kasei Plastics Singapore hat für das Polyphenylenether (PPE) die international anerkannte Zertifizierung ISCC Plus als nachhaltiges Produkt erhalten. Die Produktion von PPE aus Biomasse gewonnenen Rohstoffen soll im Januar 2023 beginnen. PPE wird meist als Blend mit anderen Polymeren wie Polystyrol und Polyamid als modifiziertes PPE (m-PPE) eingesetzt. Xyron m-PPE von Asahi Kasei wird in der Automobilindustrie, in der Unterhaltungselektronik sowie in allgemeinen Industrieanwendungen eingesetzt. Xyron besitzt eine gute elektrische Isolierung und wird daher zunehmend in kompakten und ressourcenschonenden Bauteilen für Hochspannungs-Photovoltaikanlagen eingesetzt, aber auch in Batteriebauteilen von Elektrofahrzeugen. Sein geringes spezifisches Gewicht und die Schwerentflammbarkeit tragen zu Leichtbau und Sicherheit der Batterien bei. Asahi Kasei und Asahi Kasei Plastics Singapore (APS) haben die CO2-Emissionen in der gesamten Lieferkette für Xyron m-PPE reduziert. Derzeit entwickelt Asahi Kasei Xyron m-PPE Recycling-Typen unter Nutzung von recyceltem Rohmaterial.

Auf materialwissenschaftliches Fachwissen online zugreifen

(Bild: DSM)

Werkstoffingenieure müssen sich mehr denn je mit entscheidenden technologischen Veränderungen und kürzeren Produktlebenszyklen auseinandersetzen, während gleichzeitig der Druck durch Vorschriften und Nachhaltigkeitsziele zunimmt. Daher ist der Bedarf an zeitnaher Materialwissenschaft und Anwendungsexpertise, Konstruktionsunterstützung und technischer Beratung so groß wie nie zuvor. Mit dem DSM Material Advisor hat DSM Engineering Materials eine Suite digitaler Tools und Online-Services eingeführt, die Kunden und Industriepartnern Zugriff auf materialwissenschaftliches Fachwissen bieten. Die Hauptelemente des DSM Material Advisor umfassen:

  • Werkstoffleistungsrechner für z. B. Spannung-Dehnung, Kriechen, Ermüdung, Wärmeausdehnung, Feuchtigkeitsdiffusion, chemische Beständigkeit und Wärmealterung. Ein Online-Failure Modes Advisor schafft auch ein Bewusstsein für potenzielle Fehler und bietet Minderungsmaßnahmen. Die meisten dieser Tools werden auf der K Messe vorgestellt; einige kurz danach.
  • Berechtigte Kunden können sich über den Expert Finder direkt mit einem DSM-Experten ihrer Wahl für eine Beratung in Verbindung setzen. Nach der Anmeldung können die Benutzer die benötigte Werkstoffkompetenz auswählen und ein Online-Eingangstreffen mit dem gewünschten Experten vereinbaren oder sich per E-Mail mit ihm in Verbindung setzen. So bietet der ExpertFinder Kunden fundiertes Werkstoffwissen, wann immer sie es benötigen.
  • Der Quick Advisor stellt eine erste, schnelle Online-Werkstoffbewertung in den frühen Phasen eines Designprozesses, basierend auf den Antworten auf acht Fragen, bereit. Das Tool existiert neben dem bekannten, datenreichen und eigentumsbasierten Produktkatalog von DSM, dem Plastics Finder.

Selbsthaftende Flüssigsiliconkautschuke für Polycarbonat

(Bild: Wacker)

Mit Elastosil LR 3078 erweitert Wacker sein Portfolio der selbsthaftenden Flüssigsiliconkautschuke um eine Produktreihe, die speziell auf Polycarbonat haftet. Die Typen dieser Reihe sind so formuliert, dass sich während der Vulkanisation eine chemische Haftung zum Substrat aufbaut, nicht jedoch zum Formwerkzeug der Spitzgießmaschine. Hierzu nutzt der Chemiekonzern eine patentierte Selbsthaftungstechnologie, die ohne Bisphenol-A-haltigen Strukturen auskommt. Alle Typen der Produktreihe lassen sich im Zwei-Komponenten-Spritzgießverfahren verarbeiten. Sie enthalten keine Substanzen, die während der Verarbeitung zur Bildung von festen Ablagerungen im Formwerkzeug führen können. Dies stellt einen unterbrechungsfreien Lauf der Spritzgießmaschine sicher. Die Flüssigsilicontypen vernetzen schnell, dadurch ergeben sich beim Spritzgießen sehr kurze Zykluszeiten. Zudem können auch Artikel mit komplizierten geometrischen Formen in hoher Präzision erzeugt werden, ohne dass eine Nachbearbeitung notwendig ist. Die Produktreihe Elastosil LR 3078 umfasst die Härtegrade 20 bis 70 Shore A und deckt damit den gesamten Härtebereich ab, der für die Weichkomponente der Verbunde wichtig ist. Alle Typen sind transluzent und können beliebig eingefärbt werden. Die Vulkanisate sind biokompatibel gemäß ausgewählter Tests nach DIN ISO 10993. Auch können sie wiederholt bei 134 Grad Celsius dampfsterilisiert werden, ohne dass sich die mechanischen Eigenschaften und die Haftung auf Polycarbonat verschlechtern.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Blockmaterialien aus Polyurethan und Epoxid

(Bild: Rampf)

Rampf entwickelt maßgeschneiderte Modellbaumaterialien für die Automobil-, Schiff- und Luftfahrtindustrie. Das Portfolio umfasst Blockmaterialien aus Polyurethan und Epoxid, Close Contour-Materialien und Flüssigsysteme auf Basis von Polyurethan und Epoxid. Die Blockmaterialien aus Polyurethan besitzen feine Oberflächenstrukturen und eine gute Dimensionsstabilität. Die Boards sind kompatibel mit allen branchenüblichen Farben, Trennmitteln und Epoxid-Prepregs. Die Blockmaterialien werden unter anderem für die Herstellung von Styling-, Master-, Cubing- und Präsentationsmodellen, Negativformen zum Gießen, Design- und Formstudien sowie Lay-Up-Tools verwendet. Die Close Contour-Materialien sollen laut Rampf den Materialeinsatz und Produktionsausschuss als auch Zeitaufwand für Fräsen und Finishing reduzieren. Die Produktpalette umfasst Close Contour Pasten (Zweikomponenten-Epoxidsysteme, die von Hand oder CNC-Maschine auf einen konturennahen Unterbau aufgetragen werden), Close Contour Castings (Polyurethan-Halbzeuge, die als dreidimensionale Gießlinge geliefert werden und bereits nahe an der Endkontur vergossen sind) und Close Contour Blocks (Spezialblöcke aus Polyurethan oder Epoxid, die nach Kundenangabe hergestellt und als maßgefertigte, rechteckige und unbearbeitete Blöcke geliefert werden). Die Flüssigsysteme auf Basis von Polyurethan und Epoxid eignen sich für verschiedene Fertigungstechniken, Aufbauverfahren und Anwendungen. Die Produktpalette umfasst Gelcoats, Laminierharze und -pasten, Gießharze, Infusionssysteme sowie Flüssigharzsysteme für Struktur- und Innenraumverbundwerkstoffe in der Luft- und Raumfahrt, einschließlich Materialien mit FST-Eigenschaften.

PA12 mit Bahn-Norm-Listung

(Bild: Bada)

Die Bada AG hat ihr Produktportfolio der Hochleistungspolyamide ausgebaut und im Bereich PA12 ein hochflexibles und flammgeschütztes Compound für Extrusionsanwendungen inklusive Bahn-Norm-Listung entwickelt. Wellrohre aus Kunststoff werden je nach Ausführung im Fahrzeug- und Maschinenbau, in der Elektroinstallation und Automation oder auch der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Eine besondere Anforderung stellt dabei der Bereich Bahn. Die dort eingesetzten Materialien müssen besonders niedrige Grenzwerte toxischer Gase und Rauchgase erfüllen, um den Passagieren ausreichend Zeit für die Flucht aus den Wagons zu ermöglichen. Auch soll der Kunststoff schwer entflammbar sein. Das Badamid PA12 SM-Z1 FR HF schwarz R1 erfüllt diese Anforderungen. Es besitzt die Grundeigenschaften des Polyamid 12, wie Flexibilität, Scheiteldruckfestigkeit und dynamischen Belastbarkeit. Es ist chemisch beständig gegenüber Öl, Säure, Benzin und UV-Strahlung.

(ID:48768658)