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E-Clutch

Schaeffler lehrt Handschalter das Segeln

| Autor/ Redakteur: Jürgen Wolff, Press-inform / Jan Rosenow

Automatikgetriebe sind nicht nur komfortabel, sondern machen auch Zusatzfunktionen möglich, die Handschalter nicht bieten können. Mit der E-Clutch stellt Schaeffler nun Gleichstand her.

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Je nach Ausbauvariante lässt sich die E-Clutch mit oder ohne Kupplungspedal darstellen.
Je nach Ausbauvariante lässt sich die E-Clutch mit oder ohne Kupplungspedal darstellen.
( Foto: Schaeffler )

Wer Automatik fährt, ist nicht nur zu faul zum Schalten – er genießt auch noch eine ganze Reihe anderer Vorteile. Vorteile, die ein manuelles Getriebe schon allein technisch nicht bieten kann. Bis jetzt. Denn der Automobilzulieferer Schaeffler verpasst auch handgeschalteten Autos Optionen wie „Segeln“ oder individuell einstellbare Kennfelder.

Rund 44 Prozent der Autofahrer weltweit ordern ihren Neuwagen mit manueller Gangschaltung. Regional gibt es dabei durchaus Unterschiede. Während die USA ganz überwiegend Automatik fahren, wird die Handarbeit vor allem in Europa (61 Prozent) und in Asien favorisiert. Doch selbst dort unterscheiden sich die einzelnen Märkte teils erheblich: In China machen die Handschalter 58 Prozent der Neufahrzeuge aus, auf dem indischen Subkontinent sind es satte 97 Prozent. Außer in China wird sich diese Aufteilung auch die nächsten zehn Jahre nicht gravierend ändern, prognostiziert Schaeffler. Weltweit werde der Anteil der Handschalter gerade mal auf 41 Prozent sinken, in China um 18 auf 40 Prozent.

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Doch das Potenzial auch der mechanischen und hydraulischen Kupplung ist offensichtlich noch nicht ausgeschöpft. „E-Clutch“ heißt die Entwicklung, mit der Schaeffler die Optionen auch manueller Getriebe in drei Ausbaustufen optimieren will – vom Segeln bis zum elektrisch unterstützten Fahren. „Das“, sagt Matthias Zink, bei Schaeffler für den Unternehmensbereich Getriebe zuständig, „ebnet auch dem Handschaltgetriebe den Weg in die Hybridisierung.“

In der ersten Ausbaustufe MT plus platziert Schaeffler einen zusätzlichen Aktuator. Der wird direkt in die Druckleitung eingebaut und setzt elektrische Signale der Pedalerie in mechanische Bewegungen um. Das senkt nicht nur die Anforderungen an die Betätigungszeit und -anzahl, sondern ermöglicht auch das „Segeln“: Bei konstanter Fahrt wird der Motor vom Getriebe getrennt und läuft entweder im Leerlauf oder wird ganz ausgeschaltet. Das Fahrzeug rollt vom eigenen Schwung getrieben weiter. Bis zu drei Prozent Kraftstoff lassen sich so sparen, im Stadtverkehr geht Schaeffler gar von acht Prozent aus.

Segeln ist simpel

In der Praxis erweist sich das „Segeln“ mit Handschaltung ähnlich simpel wie bei damit ausgerüsteten Automatikfahrzeugen. Es reicht, den Fuß vom Gas zu nehmen. Das Auskoppeln übernimmt MTplus. Der jeweilige Gang kann eingelegt bleiben, der Fahrer muss den Schalthebel also nicht in die neutrale Position bewegen. Das Abkoppeln des Motors lässt sich praktisch kaum wahrnehmen – lediglich ein Symbol im Drehzahlmesser und der Drehzahlmesser selbst zeigen das Segeln an. Die Betätigung des Gaspedals koppelt den Motor genauso unmerklich und ruckfrei wieder an.

In der zweiten Ausbaustufe „Clutch-by-wire“ ersetzt Schaeffler die mechanische und hydraulische Anbindung des Kupplungspedals an das Getriebe komplett durch einen im Ausbau skalierbaren Aktor. Der besitzt in zwei Bauteilen einmal die Elektronik, einen Elektromotor und einen Spindeltrieb und zum anderen ein hydraulisches oder mechanisches Modul. Über einen sensorisch gesteuerten Pedalkraftsteller sorgt das System dafür, dass der Fahrer am Fuß nichts von der Automatisierung der Kupplungsbetätigung merkt.

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