Auf der Eurobike 2025 präsentiert Livall den CES-prämierten Pika Boost 2 – ein tragbares E-Bike-Upgrade für Fahrräder. Die Umrüstung soll nur ein paar Minuten dauern und wenig kosten.
Die neue Version Picaboost 2: System kombiniert laut Hersteller intelligente Tretunterstützung, regeneratives Bremsen und eine automatische Leistungsanpassung an Gelände und Fahrverhalten.
(Bild: Livall)
Was wäre, wenn sich jedes Fahrrad in kürzester Zeit in ein intelligentes Pedelec verwandeln ließe – einfach so, ohne Werkstatt und für relativ kleines Geld? Ein Produkt der Firma Livall soll dies möglich machen: Auf der Eurobike 2025 präsentiert (25. bis 29. Juni 2025, Außengelände F11, D04) das Unternehmen den CES-prämierten Pika Boost 2, ein tragbarer Pedelec-Umrüstsatz für rund 390 bis 560 Euro (je nach Akku). Der Preis erscheint recht vernünftig, wenn man die Differenz der Anschaffungskosten zwischen mechanischen Fahrrädern und gleichwertigen Pedelecs zu Grunde legt. Aber was leistet das System? Hier die wichtigsten Punkte:
Wie funktioniert es?
Das Umrüstset Pika Boost 2 besteht aus einer Antriebseinheit, einem Ersatz-Akku (nur bei bestimmten Versionen), einer Fernbedienung und einem Installationspaket. Die längliche Antriebseinheit wird unter dem Sattel an den Rahmen geschraubt – anstelle von Gepäckträger und hinterem Schutzblech. Dabei wird das kleine Rad am Ende des Moduls auf dem Hinterrad platziert. Ein 250-Watt-Motor (Peaks: bis 500 Watt) treibt das Rädchen an, dessen Bewegung sich auf das Hinterrad überträgt. Die Fernbedienung, mit der Fahrmodi und andere Funktionen eingestellt werden, wird am Lenker befestigt und mit dem Daumen bedient.
Die üblichen Montageplätze für das Rücklicht fallen durch die Umrüstung weg, was aber kein Problem ist, da der Hersteller ein Rücklicht (und ein kleines Schutzblech) in der Antriebseinheit integriert hat. Es leuchtet beim Bremsen auf und zeigt sogar Richtungswechsel an, ähnlich wie ein Blinker am Auto. Für diese Funktionen kann das System mit einem der intelligenten Fahrradhelme des Herstellers synchronisiert werden.
Diese (ungewöhnlichen) Fahrmodi gibt es
Bei einer Trittgeschwindigkeit von mehr als 5 km/h aktiviert sich die Antriebseinheit. Das System nutzt eine patentierte Assistenztechnologie (AAR 2.0). Es sind verschiedene Fahrmodi einstellbar.
Im Assist-Modus gilt: Je schneller getreten wird, desto mehr Unterstützung bietet der Antrieb. Dabei sind zwei Unterstützungsstärken wählbar.
Im Cruise-Modus tritt man in die Pedale, bis die gewünschte Geschwindigkeit erreicht ist. Das Rad hält dann diese Geschwindigkeit, auch wenn der Fahrer aufhört zu treten. Über die Fernbedienung wird die Geschwindigkeit geregelt. Beim Bremsen schaltet der Motor sofort ab, wie in in allen Modi auch. In Deutschland und der EU ist dieser Modus derzeit aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar. Das Unternehmen arbeitet aber bereits an einer Variante des Cruise-Modus, die EU-Recht entspricht.
Der Workout-Modus ist nichts für Faule: Dabei erhöht das Modul den Widerstand, der beim Fahren überwunden werden muss. Die so erzeugte Energie wird im Akku gespeichert. Laut Hersteller lädt sich der Akku dabei um ein bis drei Prozent pro Kilometer auf, abhängig vom Gelände, Fahrradtyp und Fahrgewohnheit.
Im Standby-Modus läuft das System einfach mit, ohne anzutreiben.
Für die Bedienung des Systems stellt das Unternehmen eine eigens entwickelte App zur Verfügung. Die Maximalgeschwindigkeit, bis zu welcher der Motor unterstützt, ist auf 25 km/h begrenzt, wie bei allen Pedelecs, die in der EU ohne Zulassungsschild fahren.
Das Umrüstset lässt sich für Hardtail-Fahrräder verwenden, also Mountainbikes, Straßenräder, Hybridräder und Klappräder. Ein paar Einschränkungen gibt es beim Fahrradrahmen: Das System kann nur an runden Rohren angeschraubt werden und das Sitzrohr muss mehr 50 mm lang sein und einen Durchmesser zwischen 25 und 35 mm haben. Das Hinterrad sollte zwischen 14 bis 29 Zoll haben. Bei der Reifenbreite gilt: V-förmige Reifen: 1,0 bis 2,6 Zoll, Straßenreifen: 0,9 bis 1,3 Zoll, Mountainbike-Reifen: 1,8 bis 2,6 Zoll. Das System ist nicht ausgelegt für Dreiräder, Rollstühle und Fahrräder mit D-förmigen Sitzrohren.
Wie lang hält der Akku?
Zur Wahl stehen 158-Wh-Akkus oder 220-Wh-Akkus. Mit dem kleineren Akku kommt man laut Anbieter rund 50 km weit, mit der größeren Version bis zu 70 km. Die Reichweite lässt sich über die Ersatzakkus noch steigern, außerdem erhält der Akku auch beim Bremsen etwas Energie zurück. Die Reichweite hängt allerdings von weiteren Faktoren ab, zum Beispiel von der Steigung des Geländes, dem Gewicht der fahrenden Person und insbesondere auch dem gewählten Fahrmodus! Im Power-Assist-Modus sind daher auch bis zu 90 km möglich.
Der Akku hat zum Laden einen USB-C-Anschluss. Alternativ kann er in der Antriebseinheit geladen werden, die ebenfalls eine USB-C-Buchse hat. Diese lässt sich bidirektional nutzen, sodass sich unterwegs zum Beispiel Handys daran aufladen lassen. Der Ladestand ist an einer externen Anzeige direkt am Akku ablesbar. An der Steckdose beträgt die Ladezeit drei bis vier Stunden.
Was passiert bei einem Sturz?
Die Antriebseinheit nutzt eine patentierte Sturzerkennung: Ab einem Neigungswinkel von 30 Grad stoppt der Motor. Bei mehr als 60 Grad wird ein SOS-Alarm an den Notfallkontakt gesendet. Erkennt der Antrieb, dass der Reifen den Grip verloren hat und durchrutscht, wird der Motor ebenfalls deaktiviert
Der kleine Doppelreifen, der auf dem Hinterrad rollt, hält nach Herstellerangaben 3.000 bis 5.000 km durch. Beim Akku sind 80 Prozent der Kapazität nach 1.000 Ladezyklen garantiert. Wie tauglich und ausdauernd die Technik im Alltag ist, muss sich noch zeigen. Das Konzept ist grundsätzlich einleuchtend. Einziger Wermutstropfen ist der Wegfall des Gepäckträgers, der aber nur einen Teil der Fahrrad-Community schmerzen würde.
Stand: 08.12.2025
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