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Solidworks Rollenbasiert und funktionsorientiert zur passenden CAD-Software

| Autor/ Redakteur: Stefan Graf / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Dassault Systèmes hat der Tagung Solidworks World einen neuen Namen und ein neues Konzept gegeben: Auf der Anwenderkonferenz 3D-Experience-World hat das Unternehmen seine neue Plattformstrategie mit bedarfsorienterten und maßgeschneiderten Rollen für Anwender vorgestellt, die auch KMU ein komplettes Anwendungsportfolio eröffnen soll.

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Wenn Großes im Kleinen entsteht: Auf der 3D-Experience-World stellte Dassault Systèmes seine neue Plattformstrategie vor, die auch kleinen Unternehmen ein ganzes Anwendungsportfolio eröffnen soll.
Wenn Großes im Kleinen entsteht: Auf der 3D-Experience-World stellte Dassault Systèmes seine neue Plattformstrategie vor, die auch kleinen Unternehmen ein ganzes Anwendungsportfolio eröffnen soll.
(Bild: Dassault Systèmes/Narrative Images)

Rund 6.000 Ingenieure, Konstrukteure, Fertigungsspezialisten und Studenten kamen zur neuen Tagung von Dassault Systèmes nach Nashville/Tennessee. „3D-Experience World“ heißt die Nachfolgeveranstaltung zur ehemaligen „Solidworks World“. Der neue Name steht für eine neue Ära der einstigen CAD-Software und der engen Verzahnung der Produkte im Dassault-Portfolio.

Eindrücke von der 3D-Experience-World 2020:

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CAD-Software auf dem Weg in die Zukunft

Viele Anbieter von PLM-Software verändern inzwischen ihr Geschäftsmodell: Siemens etwa entwickelt seine CAD-Software inzwischen „versionslos“ weiter, das heißt, es gibt keine festen Versionszyklen mehr. Dassault Systèmes geht in dieser Hinsicht noch konsequenter voran. Wahrscheinlich ist es hier nur noch eine Frage der Zeit, wie lange man an Versionen wie „Solidworks 2020“ festhält. Denkbar ist, dass es bald nur noch „Plattformversionen“ gibt, wie es bei Catia, Enovia etc. mit V4, V5, V6 schon seit längerem üblich ist. Auf der diesjährigen Konferenz fehlte dementsprechend auch der übliche „Ausblick“ auf die nächste Version 2021.

Ein neues Zeitalter

Die Art der Produktentwicklung sowie die Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Simulationen waren früher beispielsweise sehr stark von den technischen und finanziellen Möglichkeiten der Unternehmen abhängig. Schnelle Rechner und professionelle Software konnte sich nicht jeder leisten. Heute steht auch kleinen Unternehmen Rechenleistung auf der eigenen Hardware zur Verfügung, von der man früher nur träumen konnte. Reicht dies immer noch nicht aus, können Rechenkapazitäten bei IT-Dienstleistern hinzugekauft werden. Für einzelne Projekte oder Aufgaben müssen keine riesigen Hardware-Investitionen getätigt werden.

Kleine und mittelständische Unternehmen sind mit einem solchen Werkzeugkasten nun in der Lage auch Produkte zu entwickeln, deren Umfang oder Komplexität früher nicht möglich waren. Auf Solidworks-Konferenzen wurden beispielsweise schon Projekte von Kleinunternehmen vorgestellt, die Flugzeuge oder Autos entwickelt haben. Das war vor einigen Jahren noch undenkbar.

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Portfolio rund um Solidworks neu geordnet

Dassault Systèmes trägt dieser Entwicklung mit seinen Produkten Rechnung und hat sein Portfolio neu geordnet: Die Solidworks-Produkte wurden in „3D-Experience Works“ eingeordnet. Dies ist ein Portfolio von industrienahen Anwendungen auf der 3D-Experience-Plattform. Es sei auf die Bedürfnisse von Solidworks-Kunden beziehungsweise kleinen und mittelständischen Unternehmen zugeschnitten, betonte der Solidworks-CEO Gian Paolo Bassi in seiner Konferenz-Rede.

Das neue Portfolio kombiniert teamübergreifende Zusammenarbeit (PDM/PLM) mit ERP-Funktionen für Konstruktion, Simulation und Fertigung in einer gemeinsamen digitalen Umgebung. Dies soll es wachstumsorientierten Unternehmen ermöglichen, innovativer, effizienter und reaktionsschneller zu agieren.

Per App zum individuellen Funktionsportfolio

Laut Bassi nutzt der typische Solidworks-Anwender nur 60 % der Solidworks-Funktionen, aber jeder Anwender eben andere 60 %. Das „monolithische Solidworks“ sei zudem inzwischen mit sehr vielen Funktionen ausgestattet. Man werde deshalb in Zukunft einen anderen Weg einschlagen. Dieser orientiert sich an den App-Stores von Google oder Apple. Hier könne sich jeder sein Funktionsportfolio selbst zusammenstellen. Bassi wies in diesem Zusammenhang auf die Option „Pay-per-Use“ und kontinuierlichen Updates hin, um die Vorteile der 3D-Experience darzustellen.

Maßgeschneiderte Rollen für Anwender

Wie dies in der Praxis aussehen wird, erklärte Uwe Burk, Vice President Customer Role Experience Euro Central: Da die Aufgabenbereiche von Mitarbeitern oder deren Funktionen im Unternehmen sehr unterschiedlich sind, wird die Software von Dassault Systèmes nun auch rollenbasiert angeboten. Innerhalb einer Rolle benötigt ein Mitarbeiter beispielsweise bestimmte Werkzeuge für das 3D-Modellieren, Simulieren oder 3D-Drucken. Zudem sei etwa in kleinen Unternehmen der Konstrukteur oft auch für andere Bereiche wie beispielsweise die Dokumentationen zuständig. Im Marketing hingegen benötigt man zwar Zugriff auf 3D-Modelle, brauche aber keine CAD-Funktionalitäten.

Werkzeugkasten für die verschiedenen Rollen

Diese Aufgabenbereiche lassen sich in Rollen definieren und können nun mit Apps (Applikationen) besser abgedeckt werden. Eine Person kann eben auch mehrere Rollen innehaben – wie es oft in kleinen Unternehmen der Fall ist – und benötigt dann die entsprechenden Funktionalitäten. „Wir haben momentan etwa 50 Rollen definiert, die alle wichtigen Funktionsbereiche in den Firmen abdecken“, sagt Burk. Für diese Rollen werde nun ein definierter Werkzeugkasten in Form von Apps angeboten.

Vorteilhafte Kombination

Neu ist, dass Anwendungen aus dem 3D-Experience-Works-Portfolio mit den Anwendungen aus dem Dassault-Systèmes-Regal kombiniert werden können. Das bedeutet, dass sich CAD-Funktionen aus der klassischen Solidworks-Software mit Delmia-, Enovia-, Catia-Apps verbinden lassen. Der immense Funktionsumfang eines CAD-Systems wird auf viele Rollen verteilt. Die Basis hierfür – ein gemeinsames, kompatibles Datenmodell – sei verfügbar, betont der französische Software-Konzern.

Funktionalitäten on Demand

Dies sei insbesondere für kleine Unternehmen interessant, die sich die Funktionalitäten von High-End-Software bislang nicht leisten konnten. Sie haben nun die Möglichkeit, Funktionalitäten per App nach Bedarf zuzukaufen. Aber auch für größere Unternehmen ist dies ein Vorteil, denn nicht immer wird die vollumfassende Funktionalität eines Paketes gebraucht. Zudem soll nun der Betrieb von gemischten Installationen (beispielsweise von Solidworks CAD und Catia) „nahtlos“ ermöglicht werden.

Auf virtuellen Wegen gegen die Corona-Krise

Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus werden reihenweise Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Digitalen Plattformen, die diese Entwicklung kompensieren können, kann die Zukunft gehören. Die Vogel Communications Group präsentiert mit „Industrial Generation Network“ eine Lösung für Professionals in der Industrie. Die Plattform ermöglicht als digitale Ergänzung eine umfassende Vernetzung: Digitale Begegnung und Kontaktanbahnung sowie Produktpräsentation und thematischer Austausch stehen im Zentrum. Tools wie Terminvereinbarung und Videokonferenzen ermöglichen es Professionals, sich zu vernetzen, Termine zu vereinbaren und nah an der jeweiligen Branche zu recherchieren. Damit ersetzt die Plattform die aktuell stark eingeschränkte Face-to-Face-Kommunikation vor allem auf Messen.

Wie kann die Plattform mir helfen?

3D-CAD-Software lokal, hybrid oder aus der Cloud nutzen

Die Solidworks-3D-CAD-Software ist grundsätzlich in drei Versionen verfügbar:

  • Als Cloudlösung, die vollkommen ohne lokale Installation auskommt.
  • Als Hybridversion, bei der die Anwendung lokal installiert ist, die Daten aber in der Cloud gespeichert werden sowie als
  • bekannte Desktopversion.

Um höchstmögliche Sicherheit der Daten zu gewährleisten und auch Cloud-Kritiker zu überzeugen, betreibt Dassault Systèmes in jedem Land eine Cloud-Infrastruktur nach den lokalen (beziehungsweise EU-) Gesetzesrichtlinien. Ab Sommer 2020 sind unter dem Namen 3D-Experience-Works drei neue Bundles verfügbar (Standard, Professional und Premium). Sie enthalten neben einer Solidworks-Lizenz der jeweiligen „Packungsgröße“ auch verschiedene Ausschnitte des Plattformangebots.

Allen drei Paketen gemeinsam ist die Basisanbindung an die Plattform mit der Bezeichnung „Collaborative Business Innovator“, die grundlegende Kommunikationsfunktionen wie beispielsweise Chats oder Dashboard beinhaltet. Die Funktion „Collaboration Industry Innovator“ bindet Solidworks an die Datenverwaltung Enovia in der 3D-Experience an und ermöglicht es, direkt aus CAD heraus auf die Daten in der Plattform zuzugreifen und CAD-Daten in der Plattform zu speichern.

Verzahnt Konstruieren und Produzieren

Weiter ausgebaut wurde auch das Portfolio für die Fertigung: Mit der Übernahme der ERP-Software IQMS in 2018, ihrer Umbenennung in Delmia Works und Weiterentwicklung, hat Dassault Systèmes die Tür in die Fertigung weiter geöffnet. Dies unterstützt auch der digitale Marktplatz „Marketplace“, der Nachfrager und Anbieter im Bereich Produktentwicklung/Fertigung zusammenbringen soll. Die cloudbasierte Handelsplattform für digitale Design-, Engineering- und Fertigungstransaktionen ermöglicht das Anfragen von Fertigungsleistungen aus der CAD-Software heraus.

Im Marktplatz-Angebot sind sowohl Komponenten von Zulieferern als auch Fertigungsdienstleistungen. Er verwaltet alle Aspekte einer Transaktion zwischen Käufer und Verkäufer, wie beispielsweise Zahlungen, Währungen und Rechnungsstellung. Das bedeutet: Für jede Transaktion gibt es eine Aufzeichnung, die vollständig zurückverfolgt werden kann. Für einen Konzern wie Dassault Systèmes ist dies ein logischer Schritt, um seine Palette an Konstruktionslösungen mit dem Angebot von Komponentenherstellern oder Fertigern zu verbinden.

* Stefan Graf, Fachjournalist, Darmstadt

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