Dichtung Reibungsarme und druckgesteuerte Hydraulik-Stangendichtung

Redakteur: Dipl.-Ing. Dorothee Quitter

Mit der Profilreihe HL bietet Parker-Prädifa Stangendichtungen mit völlig neuer Profilgeometrie und innovativem Wirkprinzip: Druckaktivierte, kaskadierende dynamische Dichtkanten führen in Verbindung mit dem ebenfalls neu entwickelten Werkstoff P6030 zu deutlich reduzierter Haft- und Gleitreibung.

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Reibungsoptimierte Dichtungen für hydraulische Zylinder senken nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch Stillstands- und Instandhaltungskosten. Hohe Reibung verursacht Verschleiß. Dieser kann zu vorzeitigem Ausfall der Dichtung und damit unter Umständen auch zu Umweltbelastungen führen. Ein entscheidender Einflussfaktor für die Reibung von Hydraulikdichtungen ist die Größe der Kontaktfläche zwischen der Dichtung und dem jeweiligen Gleitpartner: Je größer die Anlagefläche der Dichtung, desto höher die Haft- und Gleitreibung. Gerade bei niedrigen Systemdrücken oder in Differentialzylindern mit geringen Druckdifferenzen ist der Einfluss der Reibung nicht zu unterschätzen.

Funktionsprinzip der Dichtung: stufenweise Druckaktivierung

Bei herkömmlichen Nutringen kommt es in der Regel bereits bei geringen Systemdrücken zur erweiterten Anlage der dynamischen Dichtfläche an die Kolbenstangenoberfläche. Bei dem neuartigen Funktionsprinzip des HL-Profils legen sich die Dichtkanten der dynamischen Dichtlippen mit steigendem Druck nach und nach an die Gegenlauffläche an. Dies verringert die Reibung im drucklosen Zustand und bei kleinen Drücken deutlich. Die Dichtwirkung nimmt mit der Anzahl einwirkender Dichtkanten zu. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Anlagefläche die Gleitreibung leicht, bleibt insgesamt jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. Da im drucklosen Zustand lediglich die primäre Dichtkante im Eingriff ist, minimiert das neue Wirkprinzip die hohe Losbrechreibung nach längerer Stillstandszeit. Durch die geringe Anlagefläche verringern sich auch Wärmeentwicklung und Reibleistung. Dadurch sind höhere Verfahrgeschwindigkeiten realisierbar. Abhängig vom anliegenden Systemdruck werden die einzelnen Dichtlippen durch die Deformation des Dichtungsquerschnittes aktiviert. Dies führt zur Verringerung der beim Zylinderhub entstehenden Schleppölmenge und somit zur Erhöhung der Dichtfunktion. Bei langsamen Verfahrgeschwindigkeiten wird zudem das Risiko des Ruckgleitens („Stick-slip“) nahezu ausgeschlossen.

Neuer TPU-Dichtungswerkstoff P6030

Der speziell für reibungsarme Anwendungen in der Fluidtechnik konzipierte neue Werkstoff P6030 zeichnet sich durch erhöhte Temperatur-, Extrusions- und Verschleißbeständigkeit aus. Er besitzt gute Medienresistenz sowie einen niedrigen Druckverformungsrest. Er ist beständig gegen Hydrauliköle auf Mineralölbasis und PAO-Flüssigkeiten. Auch Werkstoffe für Bio-Flüssigkeiten (HEES und HETG) sind verfügbar. Die neue Ultrathan-Stangendichtung HL kann sowohl als Einzeldichtung mit Abstreifer als auch als Sekundärdichtung in einem Dichtsystem hinter einer Primär- oder Bufferdichtung eingesetzt werden. Die Dichtungen sind ausgelegt auf einen Betriebsdruck von max. 250 bar, bei Betriebstemperaturen zwischen -35 bis +110°C. Sie eignet sich für vielfältige Anwendungen in der Hydraulik, die minimale Reibung verlangen, wie Hebebühnen, Ladebordwände, Gabelstapler und Hubwagen. Auch Prüf- und Testzylinder, Automationszylinder, Zylinder in der Agrartechnik oder Türschließer und Gasfedern sind typische Anwendungsfelder.

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