Ingenieurgeschichten

Neue Energie aus Altholz gewinnen

| Redakteur: Katharina Juschkat

„Durch die Kraftwärmekopplung können wir Ressourcen so effzient wie möglich nutzen”, erklärt Böcker-Riese sein Projekt.
„Durch die Kraftwärmekopplung können wir Ressourcen so effzient wie möglich nutzen”, erklärt Böcker-Riese sein Projekt. (Bild: Fabian Stürtz / VDI)

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Der Agraringenieur Bernhard Böcker-Riese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Altholz als Energieträger massentauglich zu machen. Ein von ihm entwickeltes Heizkraftwerk in der Schweiz versorgt rund 2000 Haushalte mit sauberem Strom.

Sonne, Wind oder Wasser – diese drei Energieträger verbinden die meisten mit erneuerbaren Energien. Doch es gibt noch einen weiteren nachhaltigen Energieträger mit viel ungenutztem Potenzial: Altholz. Also Holz, das bereits für andere Zwecke, wie beispielsweise den Haus- oder Möbelbau, verwendet worden ist. Bernhard Böcker-Riese hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Maximum aus diesem Rohstoff herauszuholen. Das von ihm entwickelte Heizkraftwerk im Schweizer Kanton Nidwalden versorgt über 2000 Haushalte mit sauberer Energie. Der VDI stellt Böcker-Rieses Geschichte in einem Video in seiner Kampagne Ingenieurgeschichten vor.

Bereits während seiner früheren Ausbildung zum Landwirt war der studierte Agraringenieur von dem kleinen Blockheizkraftwerk begeistert, das den Hof dezentral mit Strom und Wärme versorgte. „Da habe ich mich mit den Themen Bioenergie, Kraftwärmekopplung und Nachhaltigkeit infiziert.”

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Kaskadische Nutzung eines Rohstoffs

Sein erstes Großprojekt verwirklichte Bernhard Böcker-Riese 2007 mit dem Heizkraftwerk im Schweizer Kanton Nidwalden. Nach dem Prinzip der Kraftwärmekopplung (KWK) wird dort mit Altholz zunächst sauberes Gas erzeugt, aus dem völlig CO2-neutral Wärme gewonnen wird. Mit dem Gas werden darüber hinaus Motoren angetrieben, die Strom und nochmals Wärme erzeugen. Böcker-Riese spricht in diesem Zusammenhang von kaskadischer Nutzung. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der zuerst als vielseitiges Baumaterial dient und dann zur sauberen Energieerzeugung. Beim Einsatz von Waldholz kann aus dem Rest zudem hochwertiger Dünger gewonnen werden. Ein nachhaltiger Kreislauf.”

Vom Landwirt zum Ingenieur

Heute bringt es das Heizkraftwerk Nidwalden auf eine Nennleistung von 1,2 MW und 8000 Betriebsstunden pro Jahr. Damit können über 2000 Haushalte mit Energie versorgt werden. Größenordnungen, die verdeutlichen, warum die dezentrale Biomasseverstromung im Energiemix der Zukunft für Bernhard Böcker-Riese inzwischen eine ernstzunehmende Alternative darstellt. „Und auch der Gesamtwirkungsgrad des Kraftwerkes kann sich sehen lassen”, berichtet Böcker-Riese, „der liegt inzwischen bei nahezu 80 %. Ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass der Wirkungsgrad herkömmlicher Grundlastkraftwerke ohne Wärmenutzung oft nicht mehr als 40 % beträgt.”

Den Landwirt und den Ingenieur beruflich unter einen Hut zu bringen, war für Bernhard Böcker-Riese kein Spagat, sondern die logische Konsequenz aus seiner Liebe zur Natur und seiner Begeisterung für erneuerbare Energien. So studierte er nach seiner Ausbildung zum Landwirt zunächst Agrarwissenschaften in Bonn und im Anschluss daran Agrartechnik in Stuttgart Hohenheim. Inzwischen hat er sein eigenes Ingenieurbüro mit Sitz in Luzern. Die Holzverstromung Nidwalden betreut er auch heute noch. „Das Kraftwerk ist sozusagen mein Baby. Ich kenne jede Schraube der Anlage, bin der direkte Ansprechpartner für alle technischen Fragen und freue mich, wenn das auch in Zukunft so bleibt.”

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