Steckverbinder „Nachhaltigkeit schließt wirtschaftlichen Erfolg nicht aus“

Von Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein | Angela Unger-Leinhos 4 min Lesedauer

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Mit Steckverbindern nachhaltige Akzente setzen, die Produktentwicklung verantwortungsvoll gestalten und dank neuer Übertragungstechnologien deutlich Energie einsparen – bei Harting denkt man grün. konstruktionspraxis hat genauer nachgehakt.

V.l.: Norbert Gemmeke, Geschäftsführer Harting Electric; Dr. Stephan Middelkamp General Manager Quality & Technologies; Ralf Klein, Geschäftsführer Harting Electronics.(Bild:  Harting)
V.l.: Norbert Gemmeke, Geschäftsführer Harting Electric; Dr. Stephan Middelkamp General Manager Quality & Technologies; Ralf Klein, Geschäftsführer Harting Electronics.
(Bild: Harting)

konstruktionspraxis: Herr Gemmeke, Sie haben einmal gesagt, man könne mit Steckverbindern nachhaltige Akzente setzen. Können Sie erläutern, was Sie damit meinen?

Norbert Gemmeke: Harting hat bereits eine Fülle von Anwendungen und Projekten zur energieorientierten Transformation mit seinem Know-how und seinen Produkten begleitet. Als zentral für den Erfolg stellte sich jeweils Folgendes heraus:

  • 1. Wir müssen die Effizienz der Übertragung erhöhen, indem wir Verluste verringern. Zudem sorgen kleinere und leichtere Schnittstellen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Lebensdauer für Einsparungen bei den Betriebskosten.
  • 2. Die neue Anschlusstechnik muss leichter installierbar sein als die bisherige, um die Skalierung von Erneuerbaren-Energie-Anlagen, Wasserstoff-Anwendungen und Brennstoffzellen zu beschleunigen.
  • 3. Wir müssen Optionen für eine höhere Wiederverwertungsquote der eingesetzten Materialien und Applikationen eröffnen.

Die drei Punkte bilden die Basis unseres Connectivity+-Konzepts in der Nachhaltigkeit.

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Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Produktentwicklung?

Gemmeke: Eine nachhaltige Produktentwicklung muss immer zuerst auf den Bedarf der Anwender bzw. der Anwendung eingehen. Wir arbeiten die Anforderungen an unsere Verbindungstechnik gemeinsam mit dem Kunden auf Augenhöhe ab. Harting hat den Megatrend der Nachhaltigkeit zusammen mit dem demographischen Wandel und der (De-)Globalisierung in das Konzept Connectivity+ übersetzt: Wir zeichnen damit Produktentwicklungen aus, die für den Anwender einen besonderen Zusatznutzen bereithalten, etwa, indem sie Energie sparen, eine effiziente Nutzung regenerativer Quellen ermöglichen oder durch höhere Kapazität und geringeres Gewicht die Energiedichte erhöhen.

Dr. Stephan Middelkamp: Darüber hinaus bilden wir für jedes neue Produkt ein Projektteam mit Vertretern der unterschiedlichen Fachbereiche. Ein Ziel ist, ein nachhaltiges Produkt- und Prozessdesign mit optimalem Energie- und Materialverbrauch, hohem Recycling-Anteil und hoher Recycling-Fähigkeit zu entwickeln. Zudem berücksichtigen wir im Lastenheft, für welche Applikation das Produkt entwickelt wird und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Beispiele hierfür sind ein reduziertes Gewicht bei Produkten, die häufig beschleunigt werden oder optimierte Widerstände bei Produkten, die kontinuierliche Energie übertragen.

Aktuell wird oft Greenwashing betrieben. An welchen Stellen lebt Harting Nachhaltigkeit, auch wenn es sich aktuell noch nicht amortisiert?

Middelkamp: Für mich sind Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit kein Widerspruch. Es gibt natürlich Maßnahmen, die Mehrkosten verursachen wie der Bezug von grüner Energie. Ein Großteil der Maßnahmen rechnet sich jedoch mittel- bis langfristig. Die höheren Investitionen in Maschinen, Anlagen oder Infrastruktur mit reduzierten Material- und Energieverbräuchen führen zu reduzierten Betriebskosten. Ein zukunftsfähiges Design, welches heute schon Eco-Design-Kriterien berücksichtigt, verhindert aufwendige Re-Design-Projekte. Hier haben wir als inhabergeführtes Unternehmen Vorteile, da bei uns die langfristige Betrachtung immer im Vordergrund steht.

In einer Rechenzentrums-Anwendung hat Harting es geschafft, 50 Prozent der Energie für Schnittstellen einzusparen, indem der Übertragungswiderstand reduziert wurde. Könnten Sie näher erläutern, wie Sie das geschafft haben?

Gemmeke: Unsere Steckverbinder bilden eine Alternative zu gängigen CEE-Steckverbindern – in erster Linie, weil sie kleiner, handlicher und effizienter sind. Deshalb haben viele Betreiber großer Rechenzentren mittlerweile auf Harting-Steckverbinder umgestellt. Die möglichen Einsparungen stammen aus Modellrechnungen, die auf unabhängigen Labor-Tests basieren. Demnach ist der Übergangswiderstand der von uns verwendeten Kontakte nur etwa halb so groß wie beim CEE-Typ. Das liegt an den verwendeten Materialien und der besseren Kontaktgeometrie. Der geringe Widerstand macht sich in der thermischen Bilanz bemerkbar und ist wirtschaftlich attraktiv: Die erforderliche Kühlleistung für die Computer reduziert sich. Durch die höhere Kontakteffizienz ergeben sich für ein großes Rechenzentrum jährliche Einsparungen von mehreren 10.000 Euro.

Sie bauen auch ihr Portfolio rund um Single Pair Ethernet (SPE) zunehmend weiter aus. Inwieweit trägt die SPE-Technologie zu mehr Nachhaltigkeit in der deutschen Industrie bei?

Ralf Klein: Die Einsparung von Energie in der Industrie ist eng mit neuen Konzepten der Digitalisierung verbunden. Es ist nötig, einen lückenlosen Überblick zu erhalten, wo welche Energieaufwände von der Feldebene bis zur Cloud nötig sind. Dafür müssen mehr Daten erhoben, weitergeleitet und bearbeitet werden. SPE schließt die „Ethernet-Lücke“ ins Feld und erlaubt ressourcensparend den Einsatz von leistungsfähiger Dateninfrastruktur für bessere Sensorik/Aktorik. OT wächst mit IT zusammen und smarte Software hilft den Energieverbrauch sichtbar zu machen und zu optimieren.

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Auf der Hannover Messe wird Harting eine neue Anschlusstechnik präsentieren, die über das gesamte Portfolio ausgerollt werden soll. Würden Sie unseren Lesern etwas mehr darüber verraten?

Gemmeke: Es handelt sich um die Push-in-Technologie, eine der Käfigzugfeder verwandte Anschlusstechnik. Sie nutzt eine Metallklemme am Boden einer Kontaktkammer, die sich automatisch spannend um den Leiter legt, wenn dieser eingeführt wird – falls er mit einer Aderendhülse versehen ist. Bei Leitern ohne Aderendhülse müssen Sie einen Betätiger an der Anschlussseite des Isolierkörpers mit einem Schraubendreher nach unten drücken, ehe Sie den Leiter in die Kontaktklemme einführen. Anschließend müssen Sie den Schraubendreher nur noch zurückziehen und die Verbindung ist zugfest.

Vielen Dank für das Gespräch.

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