Virtuelle Inbetriebnahme MGA ermöglicht Inbetriebnahme mit dem digitalen Zwilling

Redakteur: Katharina Juschkat

Das Würzburger Unternehmen MGA will seine Kunden künftig bei der virtuellen Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen unterstützen. Auch wenn es eine echte Inbetriebnahme nicht vollständig ersetzen kann, bietet es sehr viele Vorteile.

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Die virtuelle Inbetriebnahme erfordert zwar viel Wissen, kann aber gleichzeitig viel Zeit einsparen.
Die virtuelle Inbetriebnahme erfordert zwar viel Wissen, kann aber gleichzeitig viel Zeit einsparen.
(Bild: MGA)

Das Würzburger Unternehmen MGA Ingenieurdienstleistungen GmbH will die virtuelle Inbetriebnahme umsetzen. Die virtuelle Inbetriebnahme soll bereits im Vorfeld einen Großteil möglicher Fehlerquellen aufspüren und wenn möglich auch beseitigen können. Basis ist ein Abbild der Maschine im dreidimensionalen, virtuellen Raum, dessen Bauteile in der Simulation Bewegungen ausführen, die der späteren Realität entsprechen. Je exakter dieser digitale Zwilling und die zugehörigen Parameter die reale Maschine abbilden, desto mehr Zeit lässt sich vor Ort einsparen.

Software-Qualität steigt

MGA-Geschäftsführer Lorenz Arnold sieht in der virtuellen Inbetriebnahme zudem die große Chance, die Qualität der für die Kunden erstellten Software zu erhöhen. Dabei verweist er auf die wesentliche Voraussetzung für eine hohe Software-Qualität: das Testen. „Der Reifegrad kann immer nur so hoch sein wie die Qualität der Testverfahren“, so Arnold. Mit der Übersetzung der Maschinenarchitektur in den virtuellen Raum schaffen die Programmierer dafür die Möglichkeit. Dieser Aspekt war für Lorenz Arnold der Auslöser, die virtuelle Inbetriebnahme auf die Agenda zu setzen.

Auch angesichts der aktuellen Situation mit unwägbaren Reise- und Aufenthaltsbedingungen entschied sich Inhaber und Geschäftsführer Lorenz Arnold, die virtuelle Inbetriebnahme als Projekt zu starten. „Die Verkürzung der Zeitdauer bei der Inbetriebnahme bedeutet nicht nur eine Kostenersparnis, weil man im Office besser arbeiten kann als auf der Baustelle, etwa am anderen Ende der Welt. Viel wichtiger ist für mich, dass man beim Produktentstehungsprozess der Maschine mehr parallel arbeiten kann“, erklärt er.

Virtuelle Inbetriebnahme kann keine echte ersetzen

Allerdings ist die Virtualisierung eine aufwändige Zusatzaufgabe, die ausgewiesenes Wissen sowohl aus dem Maschinenbau als auch der IT erfordert. Sie kann die reale Inbetriebnahme nicht vollständig ersetzen, wie MGA-Mitarbeiter Gerrit Jache erläutert: „Die virtuelle Inbetriebnahme kann nur so gut sein wie das Modell. Manche Dinge sind schwer zu implementieren. Je unspezifischer die Daten, desto schwieriger ist die Simulation.“

Tipp: Der MGA-Blog

MGA betreibt auf seiner Homepage einen Blog, der sich mit seinen fachlichen Einblicken hauptsächlich an Fachkräfte, aber auch erfahrene Experten und Spezialisten aus Maschinenbau, Elektrotechnik und verwandte Branchen wendet. Die Themen folgen einem roten Faden und schildern anschaulich die Arbeitsfelder und -weisen des Unternehmens.

Zum Blog

Geschäftsführer Arnold ergänzt: „Manches kann man ausschließlich an der Maschine testen und einstellen. Das kann mit Gegebenheiten vor Ort zu tun haben.“ Als Beispiele dafür führt er Briefsortier- und Verpackungsmaschinen an: „Wie das Papier zu handeln ist, hängt von der Feuchtigkeit ab und auch von der Beschaffenheit des Papiers, die wiederum von Lieferanten abhängig ist. Die Standortbedingungen sind in Sibirien anders als in der Südsee. Solche Einflussfaktoren können wir bei einer virtuellen Inbetriebnahme natürlich nicht vorwegnehmen.“

Auch wenn derzeit der Umsetzungsaufwand für die Virtualisierung noch relativ hoch ist, wird es vermutlich zeitnah immer schneller und auch kostensparender möglich sein, virtuelle Inbetriebnahmen zu erstellen. „Der Maschinenbau ist einerseits von der Methode der virtuellen Inbetriebnahme fasziniert, zugleich scheut man den Aufwand. Ich verstehe diese Bedenken durchaus. Wir haben aber gemerkt: Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto schneller geht es voran – mit klaren Kostenvorteilen für den Kunden“, resmüert Arnold. Der Geschäftsführer ist überzeugt, dass die Maschinenbauer in Zukunft ohne eine virtuelle Inbetriebnahme nicht mehr zurechtkommen werden.

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