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Jubiläum Meilensteine der Klebstoffindustrie

| Redakteur: M.A. Bernhard Richter

Der Industrieverband Klebstoffe wird 70 Jahre alt. Ziel war und ist: die gemeinsamen Interessen der Mitglieder zu vertreten, zu fördern und zu schützen.

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Klebstoffe spielen in der verarbeitenden Industrie seit jeher eine wichtige Rolle.
Klebstoffe spielen in der verarbeitenden Industrie seit jeher eine wichtige Rolle.
(© PRILL Mediendesign/Fotolia.com)

Ein früher Meilenstein in der Geschichte der Klebstoffindustrie war die Etablierung bundesweit gültiger Klebstoff-Normen Anfang der 1950er-Jahre. Sie lieferten erstmals eine einheitliche Regelung im Umgang mit Klebstoffen, die von der gesamten Fachwelt anerkannt und getragen wurde. In enger Zusammenarbeit mit dem IVK veröffentlichte das Deutsche Institut für Normung (DIN) in der Folgezeit weitere wegweisende Regelungen. Soweit diese nicht zurückgezogen oder durch Europäische Normen ersetzt wurden, besitzen sie weiterhin nationale Geltung. Ein aktuelles Beispiel ist die DIN 2304 „Klebtechnik – Qualitätsanforderungen an Klebprozesse“. Sie beschreibt den Stand der Technik für eine fachgerechte Umsetzung klebtechnischer Prozesse bei der Herstellung struktureller bzw. lasttragender Klebverbindungen für definierte Sicherheitsbereiche. Betriebe, die nach dieser Norm fertigen, dokumentieren, dass diese Unternehmen klebtechnisch nach dem aktuellen Stand der Technik arbeiten.

Der Industrieverband Klebstoffe e. V. vertritt nicht nur die Interessen seiner Mitglieder. Er engagiert sich ebenso für den Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutz – und das seit seiner Gründung vor 70 Jahren. Angefangen mit 1946 eingeführten Warntexten für lösemittelhaltige Klebstoffe über Klebstoffempfehlungen für den Lebensmittelbereich in den 1960er-Jahren bis hin zu den aktuellen Klassifizierungssystemen und verbindlichen Branchenlösungen:

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Arbeitsschutz

Um Handwerker vor Lösemittel-Emissionen zu schützen, hat der IVK Anfang der 1990er-Jahre gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) das Gefahrstoff-Informations-System Giscode entwickelt. Der Giscode fasst bauchemische Produkte mit vergleichbaren Gefährdungsmerkmalen zu Gruppen zusammen. Verarbeiter erhalten so einen geordneten Überblick über Ersatzprodukte mit weniger Gefährdungspotenzial.

Für die hohe Akzeptanz und Wirkungskraft der freiwilligen Branchenvereinbarung Giscode sprechen Zahlen: Während die Produktionsmenge an Klebstoffen sich seit 1995 nahezu verdoppelt hat, halbierte sich die pro 1000 t Klebstoff eingesetzte Menge an Lösemitteln im gleichen Zeitraum. Aktuell beträgt der Anteil lösemittelhaltiger Klebstoffe für die Verlegung von Fußböden und Parkett deutlich weniger als 1 %.

Verbraucherschutz

Weitere Klassifizierungssysteme, die nach dem Vorbild des Giscode entstanden, haben zu dem rückläufigen Lösemittelverbrauch der Klebstoffindustrie beigetragen. Ein Beispiel ist der Emmicode. Dieser teilt Verlegewerkstoffe, wie Spachtelmassen, Klebebänder, Parkettlacke oder Grundierungen, hinsichtlich ihrer Belastung der Raumluftqualität in die Emissionsklassen „sehr emissionsarm“ und „emissionsarm“ ein. Vergeben wird das Prüfzeichen für Umwelt- und Innenraumlufthygiene seit 1997 durch die vom IVK gegründete Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV). Die Prüfungen der Emicode-lizenzierten Produkte erfolgen durch externe, industrieunabhängige Prüfinstitute.

Ansgar van Halteren, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Klebstoffe e. V.
Ansgar van Halteren, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Klebstoffe e. V.
(Bild: Industrieverband Klebstoffe)

Umweltschutz

Klebstoffe spielen in der verarbeitenden Industrie seit jeher eine wichtige Rolle. Doch vor allem in den vergangenen Jahren hat die Klebtechnik im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion noch einmal massiv an Bedeutung gewonnen. Hochenergetische Fügetechnologien und umweltbelastende Herstellungsprozesse sind längst nicht mehr zeitgemäß. Ob in der Automobil-, Elektronik- oder Logistikbranche – gefragt sind Produkte sowie Verfahren, die ökologisch, ökonomisch und sozial im Einklang mit den Forderungen der Nachhaltigkeit stehen.

Der Industrieverband Klebstoffe hat sich früh mit dieser Entwicklung beschäftigt und Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit entwickelt. In einem Gemeinschaftsprojekt mit anderen Branchenverbänden beispielsweise hat der IVK in den vergangenen Jahren für unterschiedliche Klebstoffsysteme Umwelt-Produktdeklarationen erarbeitet. Als umfassendes, international gültiges und neutrales Informationsformat beschreibt die EPD alle umweltrelevanten Eigenschaften eines Bauprodukts. Damit liefert sie für Gebäudezertifizierer, Planer und Architekten die Datengrundlage für die Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden.

Beispiele wie der Giscode oder die Produktdeklarationen zeigen: der IVK setzt sich auch für die Belange der gesamten Wertschöpfungskette ein, wodurch Unternehmen, Verbraucher und die Umwelt gleichermaßen profitieren sollen. (br)

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