Faszination Technik Licht ohne Strom: Algen leuchten minutenlang

Quelle: University of Colorado Boulder 2 min Lesedauer

In unserer Rubrik „Faszination Technik“ stellen wir Konstrukteuren jede Woche beeindruckende Projekte aus Forschung und Entwicklung vor. Heute: wie Forschende Biolumineszenz auf Knopfdruck zur Verfügung stellen und was Tomatensaft damit zu tun hat. 

Saure (oben) und basische (unten) Umgebungen lösen bei Algen unterschiedliche biolumineszente Verhaltensweisen aus.(Bild:  Giulia Brachi/CU Boulder)
Saure (oben) und basische (unten) Umgebungen lösen bei Algen unterschiedliche biolumineszente Verhaltensweisen aus.
(Bild: Giulia Brachi/CU Boulder)

Ein Meer aus eisblauen Lichtpunkten, das auf Berührung reagiert – was in der Natur als Biolumineszenz fasziniert, könnte künftig technische Anwendungen finden. Ein Forschungsteam der CU Boulder zeigt, wie sich das kurzzeitige Aufblitzen biolumineszenter Algen gezielt auslösen und über Minuten aufrechterhalten lässt. Der Weg führt über zwei einfache Chemikalien und ein 3D-druckbares, natürliches Hydrogel.

Was ist Biolumineszenz – und warum Algen?

Viele Organismen, von Glühwürmchen bis zu Tiefseefischen, erzeugen ihr eigenes Licht. Die marine Mikroalge Pyrocystis lunula ist dafür bekannt: Sie leuchtet blau, wenn Wellen oder Boote sie mechanisch anregen. Bisher hielt dieses Licht jedoch nur Millisekunden – für technische Anwendungen zu kurz. 

Ein chemischer „Lichtschalter“

Die Forschenden testeten zwei Umgebungen: eine saure Lösung (pH 4, vergleichbar mit Tomatensaft) und eine basische Lösung (pH 10, ähnlich milder Seife).
Das Ergebnis: Beide Milieus lösten das Leuchten von P. lunula aus. Im Sauren leuchteten die Algen bis zu 25 Minuten hell und fokussiert. Im Basischen fiel das Licht diffuser und kürzer aus.

Vom Organismus zum Material

Damit die Leuchtkraft praktisch nutzbar wird, bettete das Team die Algen in ein natürlich gewonnenes Hydrogel ein und formte es per 3D-Druck zu definierten Strukturen – etwa zu Mustern oder Logos. Wird die fertige Struktur mit der sauren oder basischen Lösung benetzt, sendet das eingebettete P. lunula Licht aus; die gesamte Form erscheint in blauem Schein. Die Algen überleben in den gedruckten Strukturen über Wochen. Im sauren Milieu blieben nach vier Wochen noch rund 75 Prozent der ursprünglichen Leuchtintensität erhalten.

Mögliche Anwendungen der Technologie

  • Batterielose Orientierungshilfen und Markierungen: passive, chemisch aktivierbare Leuchtelemente für dunkle Umgebungen.
  • Robotik in Tiefsee und Weltraum: leuchtende, energieautarke Bauteile als Sicht- oder Statusindikatoren.
  • Lebende Sensoren: Reagiert P. lunula auch auf weitere Chemikalien, könnten die Strukturen als Indikatoren für Wasserqualität dienen und bei Toxinen aufleuchten.
Neben ihrer Fähigkeit, Räume zu beleuchten, bietet P. lunula auch einen ökologischen Nutzen: Als photosynthetische Organismen binden die Algen CO₂ im Meerwasser – Licht entsteht, während Kohlenstoff gespeichert wird.

Die Technologie steht am Anfang, doch die Bausteine sind vielversprechend: einfache Chemie als Auslöser, 3D-druckbare Hydrogele als Träger und robuste Organismen, die wochenlang aktiv bleiben. Der nächste Schritt ist die Prüfung weiterer chemischer Trigger und die Skalierung zu praxistauglichen, langlebigen Bauteilen.

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