Kunststoff Klimaneutrales Polycarbonat aus Bioabfällen

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Mit Makrolon RE hat Covestro einen klimaneutralen Polycarbonat-Kunststoff entwickelt, der aus Rohstoffen aus massenbilanzierten Bio-Abfällen und -Rückständen hergestellt wird. Diese Materiallösung fördert nicht nur die Kreislaufwirtschaft.

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Das Makrolon Polycarbonat wird aus massenbilanzierten Bioabfällen und Reststoffen hergestellt.
Das Makrolon Polycarbonat wird aus massenbilanzierten Bioabfällen und Reststoffen hergestellt.
(Bild: Covestro)

Der zunehmende Ressourcenverbrauch der wachsenden Weltbevölkerung und der damit verbundene Klimawandel machen nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsformen unumgänglich. Lineare Muster in Konsum und Produktion, die auf einmalige Nutzung ausgerichtet sind, haben ausgedient. Kurzum: die Welt muss sich auf die Kreislaufwirtschaft umstellen.

Auch das Polymer-Unternehmen Covestro hat sich der Kreislaufwirtschaft verpflichtet. Ihre Vision ist, „fully circular“ zu werden. „Das erreichen wir durch den Einsatz innovativer Recyclingtechnologien, alternativer Rohstoffe, erneuerbarer Energien und nicht zuletzt durch Partnerschaften“, sagt Jochen Hardt, verantwortlich für Marketing Mobility in der Geschäftseinheit Engineering Plastics bei Covestro.

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Dabei will das Unternehmen insbesondere alternative Rohstoffe wie Abfall, Pflanzen und CO2 einsetzen. Zudem sollen erneuerbare Energien genutzt, innovative Recyclingtechnologien und gemeinsame Lösungen mit Partnern entlang der Wertschöpfungsketten entwickelt werden. „Seit Jahrzehnten unterstützen wir unsere Kunden-Industrien wie die Automobil-Hersteller mit innovativen Lösungen“, so Hardt.

Leistungsstark wie fossiler Rohstoff

Mit den Makrolon RE hat Covestro den weltweit ersten klimaneutralen Polycarbonat-Kunststoff auf den Markt gebracht. Makrolon besteht aus Rohstoffen aus massenbilanzierten Bio-Abfällen und -Rückständen. Für die Herstellung wurden erneuerbare Energien wie z.B. Wind genutzt. Damit sind die Polycarbonate „von der Wiege bis zum Werkstor“ klimaneutral. Dabei bedeutet klimaneutral, dass in der Bilanz von der Wiege bis zur Anlagengrenze über die verschiedenen Prozesse kein Kohlendioxid emittiert wird.

Bei der Entwicklung dieses klimaneutralen Polycarbonat-Kunststoffes war die Anforderung, ein Produkt zeitnah anzubieten, das in der Chemie und in der Leistung identisch zu dem auf fossilen Rohstoffen basierenden „Zwillings-Produkt“ ist und einen belegbaren Beitrag für den Klimaschutz bietet. Gleichzeitig sollten alle bestehenden Spezifikationen im Sinne einer Drop-In Solution erfüllt werden. Die Lösung musste zukunftstauglich und skalierbar sein. „All diese Anforderungen haben wir mit unserem Makrolon RE erfüllt“, sagt Hardt stolz.

Entscheidend: die Massenbilanzierung

Der gesamte Produktzyklus für Polycarbonat kann zurzeit noch nicht klimaneutral dargestellt werden. Dennoch hat Covestro mit dieser Lösung für einen Teil des Zyklus einen wichtigen Schritt in Richtung Klimaschutz erreicht. Voraussetzung dafür ist eine massenbilanzierte Lieferkette. Das bedeutet, die ursprünglich eingesetzten Bioabfälle und Rückstände lassen sich direkt den Rohstoffen wie Phenol und Aceton zuordnen, die Covestro verwendet.

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„Unser Makrolon RE ist ein ISCC-Plus-zertifiziertes Polycarbonat; unter Verwendung von grüner Energie erreichen wir Klimaneutralität für ausgewählte Typen. Wir werden weitere Produkte dieser Serie auf den Markt bringen, die ebenfalls ISCC-Plus-zertifiziert sind und einen sehr niedrigen CO2-Fußabdruck aufweisen“, verrät Hardt.

So hat Covestro gemeinsam mit Partnern auch Polyurethan-Rohstoffe entwickelt, in denen bis zu 20 Prozent der bisher verwendeten erdölbasierten Rohstoffe durch CO2 ersetzt sind. Aktuell werden auch Anwendungen solcher Polyole, wie das Produkt Cardyon, im Automobil entwickelt. So leisten teilweise biobasierte Vernetzter für Automobil-Klarlacke aus der Desmodur N Familie als alternative Rohstoffe ebenfalls einen Beitrag zur Zirkularität.

Kunststoff-Rezyklate im Automobil

Der Einsatz von sogenannten Kunststoff-Rezyklaten ist ein wichtiger Baustein, um den CO2-Fußabdruck eines Autos von der Rohstoff- und Komponentenherstellung über die Nutzungsphase bis zur Wiederverwertung deutlich zu senken. Denn die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen: Sie muss ihren Beitrag leisten, um die verschärften Klimaziele der Europäischen Union zu erreichen, natürliche Ressourcen zu schonen und die Lebensdauer von Fahrzeugen zu erhöhen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen von Verbrauchern an Design, Komfort und Funktionalität von Automobilen. „Neben den angedachten zukünftigen regulatorischen Anforderungen haben viele unserer Kunden bereits eigene ambitionierte Nachhaltigkeitsziele kommuniziert“, betont Hardt.

Chemisches Recycling entwickeln

Covestro setzt sich verstärkt dafür ein, chemische Recycling-Technologien zu entwickeln. So unterstützt das Unternehmen das mechanische und chemische Recycling von Kunststoffen unter anderem als Mitglied der Projektgruppe Circularise Plastics.

Diese Projektgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, einen neuen Standard für die Rückverfolgbarkeit von Kunststoffen bis zum Rohstoff zu etablieren. „Die Industrie benötigt Technologie-Offenheit bei der Ausgestaltung zukünftiger Regularien. Beispielsweise werden komplementäre Lösungen des chemischen und mechanischen Recyclings zusammen mit geschlossenen und offenen Kreisläufen die Industrie von morgen prägen“, begründet Hardt die Notwenigkeit für einen solchen Standard. So können diese Ziele nur durch konzertierte Zusammenarbeit der gesamten Industrie und der regulierenden Behörden erreicht werden.

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