DIN 2304-1

Kleben fängt vor dem Kleben an (Teil II)

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Prozessvalidierung als letzte Aufgabe

Am Ende steht die Prozessvalidierung, d.h. der Nachweis, dass der konzipierte Prozess in seiner Gesamtheit geeignet ist, das Produkt in der erforderlichen Qualität und Stückzahl gleichbleibend gut herzustellen. Bei Klebungen der Sicherheitsklassen S1 und S2 sind u.a. die einzelnen Schritte der Fertigung vorab zu überprüfen und auch die Schnittstellen zwischen den einzelnen Teilprozessen (Lagerung, Transport, Einfluss von Stillstandszeiten, etc.) zu berücksichtigen. Für S1-Klebungen ist ein Nachweis hinsichtlich der Einhaltung der konstruktiv vorgegebenen Kennwerte, wie Festigkeit oder Verformungsverhalten, z.B. anhand von regelmäßig durchgeführten Prüfungen an Bauteilen oder an Arbeitsproben erforderlich.

Darüber hinaus erfordern Klebungen der Sicherheitsklassen S1 oder S2 eine regelmäßige Wiederholung der Prozessvalidierung.

Ganzheitlicher Standard für Klebungen

Die modernen, am Markt verfügbaren Industrie-Klebstoffe sind hochwertige Qualitätsprodukte, deren Herstellungsverfahren im normgerechten Sinne beherrschte Prozesse sind. Ein – von der Planung bis zum fertigen geklebten Produkt – fachgerechter Einsatz müsste zu einer Null-Fehler-Fertigung führen. Dass dennoch Ausfälle auftreten, die meist auf Anwendungsfehler zurückzuführen sind, unterstreicht die Bedeutung der Qualitätssicherung. Mit der DIN 2304-1 wurde von Experten aus Industrie und Wissenschaft ein ganzheitlicher Standard geschaffen, der die Anforderungen an eine qualitätsgerechte Ausführung von lastübertragenden Klebverbindungen festlegt. Die Norm zeigt, dass dies Prozessschritte, die zeitlich weit vor dem eigentlichen Klebprozess liegen, genauso betrifft wie solche, die zeitlich nachgelagert sind.

Die DIN 6701, die dieser neuen Norm inhaltlich sehr ähnlich ist, regelt seit gut zehn Jahren Klebungen an Schienenfahrzeugen. Erfahrungen mit ihr zeigen, dass sich die Anforderungen mit einem leistbaren finanziellen Aufwand realisieren lassen und sich bereits mittelfristig sowohl technologisch als auch ökonomisch auszahlen.

Kleben fängt also in der Tat vor dem Kleben an und hört danach auch noch nicht auf! (qui)

[1] Delo, Bond It, Nachschlagewerk zur Klebtechnik, DELO Industrie-Klebstoffe, 5. Auflage 2015

* Prof. Dr. Christian Dietrich ist Klebfachingenieur (EAE) Fachgebiet Fertigungstechnik, Kunststofftechnik und Klebtechnik Fakultät Produktionstechnik und Produktionswirtschaft an der Hochschule Ulm und Dr. Hartwig Lohse ist Inhaber der Klebtechnik Dr. Hartwig Lohse e.K. in Breitenberg

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