Industrielle Kennzeichnung Kennzeichen gesteigerte Aufmerksamkeit widmen

Redakteur: Jan Vollmuth

Digitalisierung bietet Unternehmen die Chance, bei der industriellen Kennzeichnung mit relativ wenig Aufwand beträchtliche Mittel einzusparen. Marc Christopher Held, Geschäftsführer von Printolux, erklärt im Gespräch mit konstruktionspraxis, wie dies erreicht werden kann.

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Sicherheitshinweise sind auch künftig nicht als 2D-Code zu gestalten. Schnelle und klare Hinweise müssen durch Symbole, Schriften und Signalfarben erfolgen.
Sicherheitshinweise sind auch künftig nicht als 2D-Code zu gestalten. Schnelle und klare Hinweise müssen durch Symbole, Schriften und Signalfarben erfolgen.
(Bild: Michael Seemeier/FRIMO Group GmbH)

konstruktionspraxis: Wie schätzen Sie die Bedeutung von Kennzeichnung im Maschinen- und Anlagenbau ein?

Marc Christopher Held: Unser Verfahren zur Kennzeichnungsherstellung ist seit 2008 auf dem Markt. Wir erleben somit seit mehr als zehn Jahren, welchen Stellenwert das Kennzeichnen in unterschiedlichen Unternehmen und verschiedenen Unternehmensgrößen einnimmt. Oft steht die Organisation der Kennzeichnungsaufgaben nicht im Fokus der Projektplanung und -abwicklung, was in vielen Fällen zu höheren Kosten führt, da die Beschilderung ‚so nebenbei‘ realisiert wird.

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konstruktionspraxis: Warum sollten Maschinen- und Anlagenbauer dem Kennzeichnen mehr Aufmerksamkeit widmen?

Held: Da das Kennzeichnen unter dem Aspekt Industrie 4.0 immer mehr zu einer Planungsaufgabe wird und gut organisierte Kennzeichnungsbeschaffung am Ende auch Kosten einspart, erscheint es ratsam, diesem Thema gesteigerte Aufmerksamkeit zu widmen. Das stellt die Unternehmen als Kennzeichnungsnutzer vor die Aufgabe einer stärkeren Systematisierung und Zentralisierung der Kennzeichnungsthematik. Bei dieser Neuausrichtung begleiten wir unsere Kunden beratend und geben dabei unsere Erfahrungen gerne weiter. Dadurch werden etwa unnötige Schnittstellen ebenso abgebaut, wie kleinteilig paralleles Agieren in unterschiedlichen Bereichen. Bei fortschreitender Automatisierung sorgen insbesondere 2D-Codes wie der Data-Matrix-Code und unterschiedliche Ausführungen der RFID-Technik dafür, dass Materialflüsse maschinell vorgenommen werden. Ermöglichten Kennzeichen bisher die Kommunikation von Maschine zu Mensch, so erlauben 2D-Codes und Chips die Kommunikation von Maschine zu Maschine.

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Das Seminar „CE-Kennzeichnung praxisgerecht und effizient“ erklärt, welche konkreten Maßnahmen, Aufgaben und Pflichten mit der CE-Kennzeichnung verbunden sind und wer diese erfüllen muss.

konstruktionspraxis: Ist damit zu rechnen, dass 2D-Codes die konventionellen Kennzeichen mit Schriften, Zeichen und Zahlen ablösen?

Held: Nein, damit ist nicht zu rechnen. 2D-Codes finden überall dort Einsatz, wo große Informationsvolumen auf Kennzeichen sinnvoll sind oder Prozesse unterstützt werden. Zudem werden Bereiche, in denen das schnelle Erfassen einer Information durch das menschliche Auge wichtig ist, weiterhin mit Schriften, Symbolen und Zahlen arbeiten. Auch eine umfassende Funktionserhaltung, zum Beispiel die Übermittlung von Inhalten bei Störungen wie Beschädigung der Oberfläche oder Ausfall des RFID-Chips, bewegt immer mehr Kunden dazu, Kombinationen aus direkt visuell erfassbarem Inhalt, 2D-Codes und RFID-Technik einzusetzen.

konstruktionspraxis: Gibt es für industriell eingesetzte Kennzeichen bestimmte Anforderungen?

Held: Von industriell eingesetzten Kennzeichen wird häufig erwartet, dass sie beständig gegenüber chemischen, physikalischen und thermischen Belastungen sind, also auch unter Strapazen möglichst lange gut lesbar bleiben. Weiterhin sollen auch sehr kleine Schildformate gut lesbar bleiben. Dies erfordert ein Druckbild mit hohem Kontrast.

konstruktionspraxis: Welcher Kostenaufwand verbindet sich mit dem Kennzeichnen?

Held: Das kommt vor allem auf den jeweils konkreten Kennzeichnungsbedarf an. Zudem werden die Kennzeichnungskosten von den einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich berechnet. Oft stehen dabei nur die Kosten für Kennzeichen zu Buche, die über Dienstleister bezogen werden. Manchmal sind auch die Arbeitskosten für die Schildmontage einbezogen, selten hingegen sind Kosten für Kennzeichnungsplanung, Angebots-, Bestell- und Abrechnungsvorgänge oder Lagerhaltung aufgeführt. Was uns sehr häufig auffällt, wenn wir mit unseren Kunden über dieses Thema sprechen, ist, dass oft nur Kosten aus einzelnen Projekten oder Teilbereichen des Unternehmens dargestellt werden können. Eine Gesamtübersicht über Jahreskosten gibt es nur sehr selten. Deshalb verstehen wir es als eine unserer Aufgaben, mit dem Kunden erst einmal die Ist-Situation der gesamten Kennzeichnungskosten zu erfassen, bevor man sich über eine effiziente Umsetzung der Kennzeichnungssystematik unterhält.

konstruktionspraxis: Was lässt sich abschließend empfehlen, wenn das Thema effiziente Kennzeichnung umgesetzt werden soll?

Held: Wir empfehlen unseren Kunden immer, möglichst den gesamten Kennzeichnungsbedarf mit dessen Anforderungen an Inhaltsabbildung und Funktion zu erfassen, um daraus einen einheitlichen Standard zu generieren. Da in Unternehmen oftmals das interne Wissen über die Umsetzungsmöglichkeiten nur begrenzt vorhanden ist, lohnt es sich, für diese Aufgabe einen externen Berater hinzuzuziehen. Sobald der Kennzeichnungsbedarf erfasst ist, gilt es, ihn so zu strukturieren, dass Komplexität abgebaut wird und Standardisierungen ermöglicht werden. Außerdem ist zu überlegen, unter welchen Umständen sich beim Kunden eine Inhouse-Fertigung der eingesetzten Kennzeichen anbietet, oder wie der effizienteste externe Bezug realisiert werden kann. Das Ziel orientiert sich dabei immer an einer Kostenersparnis, sowohl bei den Stückkosten als auch bei den Prozesskosten.

konstruktionspraxis: Vielen Dank Herr Held.

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