Mit Nupano will Lenze Maschinenbauern den Anschluss an die rasante Entwicklung in der IT-Industrie verschaffen – auch ohne Programmierwissen. Nur so wird es gelingen, digitale Services in Maschinen und Anlagen zu integrieren, erklären Frank Maier und Dr. Lutz Steiner im Interview.
Frank Maier (li.), Mitglied des Vorstands und Dr. Steiner, Senior Vice President Innovation bei der Lenze SE im Interview mit konstruktionspraxis.
(Bild: C. Müller/Lenze)
Lenze spricht im Zusammenhang mit der offenen Automatisierungsplattform Nupano von der Digitalisierung auf Maschinenebene. Was ist damit konkret gemeint?
Frank Maier: Ein Beispiel für die Digitalisierung in der Maschine ist die Überwachung einer Riemenspannung. Diese Spannung messen wir nicht mithilfe eines Sensors. Da wir viele Informationen und Daten im Antriebsregler haben, können wir diese dort auch auswerten. Darüber gewinnen wir so viele Informationen, dass wir nur in selten Anwendungsfällen zusätzliche Sensorik benötigen. In diesem konkreten Beispiel ist es so, dass der Strom im Antriebsregler überwacht wird. Diese Daten kommen aus der OT, die Plc übergibt sie an ein neuronales Netz, das den Gut-Zustand kennt. Im Betrieb detektiert dieses neuronale Netzwerk dann Abweichungen gegenüber dem Normalzustand.
Frank Maier, Dr. Lutz Steiner
Frank Maier (li.) ist als Mitglied des Vorstands bei der Lenze SE für Innovation und Prozessmanagement zuständig. Seit seinem Eintritt bei Lenze bis heute hat Maier die digitale Transformation des Unternehmens aktiv begleitet und vorangetrieben. Dr. Lutz Steiner ist seit April 2022 Senior Vice President Innovation bei Lenze. Steiner hat verschiedene Stationen in der Industrie durchlaufen. Zuletzt war er für Innovation bei ABB verantwortlich und leitete die Asia Pacific Entwicklung für Gebäudeautomatisierung in China.
Dafür sind IT-Kenntnisse sowie IT-Hardware nötig, vor allem aber IT-zentrische Software, weil es völlig unrealistisch ist, in einer Plc im Codesys-Environment ein neuronales Netz aufzubauen und zu trainieren. Die Idee unserer offenen Automatisierungsplattform Nupano ist, eine parallele Plattform zu schaffen mit IT-zentrischen Services. Solche Services lassen sich auf einer IT-Plattform viel schneller, leichter und effizienter umsetzen als auf einer Plc, und zwar ohne über IT-Skills zu verfügen.
Es ist unrealistisch, in einer Plc ein neuronales Netz aufzubauen und zu trainieren.
Frank Maier, Mitglied des Vorstands der Lenze SE
Lutz Steiner: Setzt der Maschinenbauer Nupano ein, kann er seine Maschine über den gesamten Lebenszyklus mit digitalen Services aus einem mandantenspezifischen App-Store ausstatten. Die Plattform übernimmt das Management über beliebig viele Apps, samt deren Versionen, auf einer wachsenden installierten Basis.
Worin unterscheidet sich Nupano von anderen offenen Automatisierungsplattformen?
Steiner: Jeder Hersteller bietet mit seiner Plattform Vorteile. Wir fokussieren mit Nupano auf den Serienbau von Maschinen. Unsere Kunden haben nicht nur eine Maschine, sondern viele. Uns geht es darum, genau die Spezifika dieser Maschinen auf unserer Plattform herauszuarbeiten und zu bedienen, sodass der Kunde einfach seine Software auf sämtliche Anlagen verteilen kann. Das erleichtert auch das Versions-Management.
Maier: Im Mittelpunkt steht die Interkompatibilität von Maschinen und Anlagen. Uns geht es in der Factory Automation darum, den Maschinenbauer zu befähigen, digitale Services in die Maschine und damit natürlich in Anlagenarchitektur zu integrieren. Dabei handelt es sich um einen maschinenzentrierten Ansatz. Wir verwenden natürlich auch Public Apps, aber maschinenzentriert. Kein Einkäufer wird 15 Apps one by one herunterladen und sie mit der Kreditkarte zahlen, um sie dann auf die Maschine zu laden. Deswegen ist das machine-inventory-, digital-twin-zentrierte Management der Apps über den gesamten Life-Cycle und über viele Maschinen hinweg ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Wir sprechen hier von kleinen und mittleren Maschinenbauern, die Serienmaschinen bauen und dieses Problem nicht einmal im Leben, sondern 500 Mal im Jahr haben.
Das maschinenzentrierte Life-cycle-Management ist also das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Nupano?
Maier: Und die Tatsache, dass wir uns auf keine Hardware festlegen. Wir nehmen das Thema offene Automatisierungsarchitektur ernst. Aber eben maschinenzentriert und eben auch Maschinenbauer-zentriert. Wir denken nicht in Apps, sondern in Maschinen. Und wir denken auch nicht nur in IT-Lösungen, sondern vor allem daran, womit sich unser Kunden von seinem Wettbewerb differenziert. Diese Funktionen gilt es, proprietär zu halten. Das ist das Kernthema: IT-Methoden in die Maschine zu integrieren ohne IT-Skills zu benötigen und zwischen protected und public IP zu trennen.
Stand: 08.12.2025
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Steiner: Nupano ist eine No/Low-Code-Plattform; der Kunde muss lediglich seine Apps so gestalten, wie er sie für seine Anlagen braucht.
Wie versteht Lenze seine Rolle als Automatisierungsanbieter?
Maier: Wir wissen, wie man Automatisierungssysteme für Maschinen baut und wir wissen natürlich, wie Maschine funktionieren. Wir haben ein Verständnis für die Applikation. Wir sind aber kein Maschinenbauer und wollen das auch nicht sein. Deswegen legen wir auch Wert darauf, dass der Maschinenbauer die Hoheit über 20 Prozent proprietäres Wissen behält. Der Maschinenbauer muss sich allerdings darüber im Klaren sein, welche 80 Prozent Standard und welche 20 Prozent proprietär an seiner Maschine sind.
Auch Lenze hat eine grundlegende Transformation durchlaufen, vom Getriebebauer zum Automatisierer. Wie ist das gelungen?
Maier: Lenze hat sich dieses Ziel schon sehr früh gesetzt, deswegen bin ich eingestellt worden. Schon 2005 war klar, das Unternehmen kann zwar Maschinenbau und Getriebe, aber nicht Elektronik und Software. Als ich 2005 kam, musste ich feststellen, dass das absolut stimmt (lacht). Diese Weitsicht bewundere ich noch heute – ein enorme Leistung. Sie ist der Grund, warum wir für die Größe des Unternehmens eine solche Reise hingelegt haben. Industrie 4.0 war für mich auch nie eine Zäsur oder Revolution, sondern nur die Anerkennung der Tatsache, dass sich die Automatisierungspyramide auflöst. Nach meiner Lesart befinden wir uns immer noch in der Ära des Transistors und die wird noch bis 2030 andauern, bis Moore’s Law bricht, das stabilste technologische Gesetz der letzten 2000 Jahre. Meines Erachtens nach beruht die dritte industrielle Revolution auf der Integrationsfähigkeit des Transistors. Was danach kommt, wird spannend.
Wie wird die Automatisierungswelt in 15 Jahren aussehen?
Maier: Unsere Generation meint, viel digitalisiert zu haben. Nichtsdestotrotz, eine große Quelle digitaler Inspiration ist meine 15-jährige Tochter. Wir müssen jetzt die Geschicke in die Hände der jüngeren Generation legen, die anders denkt, anders arbeitet und anders an Herausforderungen herangeht. Der Anspruch, als weißer Babyboomer wüsste ich, wohin die Reise geht, stimmt nicht mehr, außer natürlich in meinem Fall (lacht). Für diese neue Generation bauen wir heute Systeme. Diese neue Welt, die wir als Babyboomer zum Teil gar nicht mehr verstehen oder deren Notwendigkeit wir gar nicht mehr einsehen, ist für die Gen Z essenziell.
Buchtipp
Das Buch „Strukturierte Automatisierungssysteme“ ist ein praktischer Leitfaden für alle Anwender, die nach individuellen Lösungen in der Prozessautomation suchen. Beginnend mit der Erstellung von Lasten- und Pflichtenheft über die Komponentenauswahl bis hin zu Faktoren wie Echtzeit-Kommunikation und Maschinensicherheit widmet sich das Buch rundum allen Aspekten der Automatisierungstechnik.[HS1]
Maier: Es muss uns gelingen, die Real-time-Welt in die neue Welt zu holen. Das müssen wir schon allein deswegen tun, weil 2023+ keiner mehr eine Plc bedienen will. Jedes Unternehmen hat heute Software im Haus, von der es nicht mehr weiß, wie sie funktioniert. So lange nichts passiert, ist das in Ordnung. Aber man muss natürlich daran arbeiten, diese Teile immer wieder aus dem System zu lösen. Die Aufgabe für die nächsten 10 Jahre wird es meines Erachtens nach sein, nicht nur die IT-Welt in die Maschine zu bringen, sondern auch die OT-Welt in die IT zu holen. Für sich betrachtet ist die OT vermutlich in 15 Jahren allein gar nicht mehr überlebensfähig. Kühne These, sie ist aber Teil meines Weltbilds, wenn ich mir überlege, wie die Welt in 15 Jahren aussehen wird.
Worin liegt Ihrer Meinung nach die größte Transformationsleistung im Maschinenbau?
Maier: Meiner Meinung nach in der Entwicklung von Business-Modellen. Maschinenbauer müssen sich überlegen, welche digitalen Services sie anbieten wollen und wie sie den Wert, den sie durch Innovation schaffen, in Gewinn umwandeln. Mit Nupano ist die Integration der digitalen Services in die Maschine ein Klacks. Die heikle Frage ist aber: Wie nutze ich die technischen Möglichkeiten, die ich habe, um Mehrwert zu generieren und wie vermarkte ihn? Darin – und nicht in der Technologie – liegt die Transformationsleistung des Maschinen- und Anlagenbaus.
Vielen Dank Herr Maier und Herr Steiner.
Wie sich Maschinenbauer mithilfe bewährter IT-Technologie und ohne spezifische Software- und Programmierkenntnisse neue Möglichkeiten im digitalen Zeitalter erschließen können, zeigt Lenze auf der Hannover Messe 2023: Halle 7, Stand D28.