CAD-Bibliothek

inCAD Library im Praxistest

| Autor / Redakteur: Heinz-Joachim Imlau / Bernhard Richter

Misumi bezeichnet seine Library als „Inspirationsquelle für Konstrukteure“ – und so ist sie auch gedacht.
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Misumi bezeichnet seine Library als „Inspirationsquelle für Konstrukteure“ – und so ist sie auch gedacht. (Bild: © contrastwerkstatt – stock.adobe.com / Misumi)

Als Technikjournalist ständig auf der Suche nach Neuigkeiten aus Industrie und Technik, ist Heinz-Joachim Imlau auf die „inCAD Library“ von Misumi gestoßen. Anlass für den Test war ein Tipp aus dem Kollegenkreis. Ein paar Startschwierigkeiten hatte er als Nicht-Konstrukteur dann doch.

Misumi ist ein japanisches Unternehmen und beliefert über 100.000 Kunden aus dem Maschinenbau weltweit mit mechanischen Komponenten. Bestellen lassen sich die Teile und Baugruppen sowohl per Katalog als auch online. Ich bin zwar kein reinrassiger Konstrukteur, arbeite aber seit vielen Jahren mit CAD- und 3D-Programmen und verfasse darüber unter anderem Ratgebertexte. Eine Bibliothek mit „fertigen“ CAD-Modellen hat mich somit sofort interessiert.

Erster Eindruck: Misumi bezeichnet seine Library als „Inspirationsquelle für Konstrukteure“ – und so ist sie auch gedacht. Die aktuell über 200 fix und fertig aufgebauten Modelle und Baugruppen sollen lediglich als Basis für eigene Entwicklungen dienen. Im Text unter dem Info-Button „inCAD Library“ heißt es denn auch: „Sparen Sie Entwicklungszeit und lernen Sie neue Entwicklungsanwendungen kennen, wenn Sie neue Maschinen-Konzepte entwerfen.“ Ohne eigenes Know-how, ohne tiefgreifende Kenntnisse im konstruktiven Maschinenbau (entsprechende Software eingeschlossen) geht’s also nicht.

Auf den zweiten Blick auffallend ist die Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten, gestützt durch ausgefeilte Suchfunktionen. Eine Direktwahl nach Verwendung bzw. Verfahren oder Kategorie ist ebenso möglich. Wer erst einmal im Katalog nur „blättern“ will, sieht auf insgesamt fünf Browserseiten aussagekräftige Baugruppen in isometrischer Darstellung.

Handpresse als Testobjekt

Zum Test habe ich mich für das Modell „Nr. 000070“ entschieden, ein „leichtes Presspassungswerkzeug“ mit Schnellspanngleiter. Benötigt werden solche Geräte zum präzisen manuellen Einsetzen von Teilen in ein Kunststoffgehäuse, also eine Art Klassiker in der Fertigung. Angelegt sind die Teile der Konstruktion – sowie wie bei allen Modelle der Library – in drei Farben: Gelb, Blau und Grau. Während Blau das Werkstück kennzeichnet, steht Grau für Komponenten von Drittanbietern und Gelb für die Metallteile, die direkt von Misumi kommen. Im vorliegenden Fall sind lediglich die Grundplatte sowie der Sockel für den Schnellspanner von Drittanbietern. Sichtbar ist hier das Misumi-Prinzip: Konstruieren, Daten in den Warenkorb legen, bestellen, anliefern lassen, aufbauen. Das dies in der Praxis seit Jahrzehnten in kurzer Zeit funktioniert, ist nach eigenen Angaben einem logistischen System zu verdanken, dass die Fertigung und Lieferung der Bauteile in kurzer Zeit möglich macht. Insgesamt sollen sogar rund 10 Millionen Bauteile bestellbar sein.

Zurück zu unserem Werkzeug: Zum Bearbeiten muss ich natürlich über Konstruktionsdaten verfügen, hilfreich wäre auch eine Teileliste. Beides stellt die inCAD Library zum Download zur Verfügung. Vorher ist allerdings eine Anmeldung nötig, entweder als „CAD User“ oder sofort als „Corporate User“ mit Bestellberechtigung. Ich habe mich für den „CAD User“ entschieden, da ich dann sofort die Konstruktionsdaten kostenlos herunterladen kann. Bei den Formatoptionen steht (wen wundert’s) Solid Works an erster Stelle, und zwar in 2010er-Version. Das ist kein Problem, da auch das aktuelle Release 2017SP3 abwärtskompatibel aufgebaut ist. Weitere CAD-Formate sind STEP, IGES, Parasolid (binär oder als Text) sowie SAT. Selbst das altehrwürdige DXF wird angeboten, naturgemäß als 2D-Modell.

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Im Downloadfenster weist Misumi noch einmal darauf hin, dass die Daten lediglich die Struktur und Funktionalität der Baugruppe erklären sollen und man diese nicht als „endgültigen Entwurf“ betrachten solle. Ein – aus rechtlicher Sicht – verständlicher wenn auch im Profi-Umfeld nicht unbedingt erforderlicher Hinweis. Man will sich offenbar davor schützen, dass jemand leichtsinnig die Daten 1:1 übernimmt und die je nach ausgewähltem Material doch relativ teuren Teile bestellt. Und hinterher feststellt, dass nichts zusammenpasst.

Universell einsetzbare Datenformate

Als Testdateien habe ich das „Modell Nr. 70“ im Solid Works- sowie im IGES-Format heruntergeladen, beides ging recht flott, da jeweils eine ZIP-Datei versendet wurde. Zunächst testete ich die IGES-Datei, und zwar in einer 3D-Software, die eigentlich nicht zum Kanon der Maschinenbauer gehört: in Cinema4D. Dennoch ging das Laden problemlos über die Bühne, ich musste das Modell lediglich noch um 90⁰ um die X-Achse drehen. Einziges Manko war die hierarchische Anordnung: Es gab nur ein einziges Null-Objekt, darunter waren die 31 „Parts“ als einzelne Polygon-Objekte gleichwertig angeordnet. Dafür wurden aber die Farben ordnungsgemäß übernommen.

Nächster Schritt: Laden der Daten in SolidWorks. Schon nach dem Entpacken der ZIP-Datei fiel mir auf, dass mein Presspassungswerkzeug in 27 einzelnen Dateien statt lediglich in einer Datei (IGES) angeliefert wurde, darunter allein fünf Assembly-Dateien (.sldasm). Nach dem Laden zeigte sich unser Werkzeug im Solid-Works-üblichen Bild: Alles schön aufgeräumt, jedes Einzelteil ließ sich problemlos auswählen und verändern. Nach der Individualisierung – und vorausgesetzt, man ist als „Corporate User“ registriert – lässt sich die CAD-Datei in den Warenkorb legen und schließlich als komplette Baugruppe inklusive der Teile von Drittanbietern bei Misumi bestellen.

Fazit meines Tests: Die inCAD Library von Misumi ist eine wahre Fundgrube für Konstrukteure, die nicht immer das Rad neu erfinden wollen. Allerdings sollten die Erwartungen nicht allzu hoch geschraubt sein, da es sich bei jeder Baugruppe nur um Vorschläge handelt, die von fachkundiger Hand an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden müssen.

(br)

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