Lineartechnik Ideenschmiede für Linearsysteme

Autor / Redakteur: Ute Drescher* / Ute Drescher

Mit dem richtigen Team geht vieles: Als Ideenschmiede hat sich die HSB Automation einen Namen gemacht. Heute rangiert das Reutlinger Unternehmen unter Europas größten Herstellern von Linearsystemen. Unterstützt wird der Hersteller von starken Vertriebspartnern – wie der ANT Antriebstechnik.

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(Bild: ANT-Antriebstechnik)
(Bild: ANT-Antriebstechnik)

Kompliziert kann jeder – die Kunst steckt aber im Weglassen!" So knapp fasst Uwe Heißel die Firmenphilosophie der HSB Automation GmbH zusammen. Und demonstriert das allein mit seinem Auftreten. Denn weggelassen hat der Ingenieur trotz vereinbarten Termins gleich einmal den unbequemen Business-Anzug. Auch nach seiner Funktion im Unternehmen sucht der Besucher vergebens auf seiner Visitenkarte – dort sind nur Name und Adresse vermerkt.

Uwe Heißel ist Gründer und Geschäftsführer des Reutlinger Unternehmens. 1993 gegründet, konzipiert und realisiert HSB seit 1995 Mechanische Lineareinheiten, Lineartische, Kompakt- sowie Portal-Lineareinheiten und Handlingsysteme. Im Mittelpunkt stehen Sonderanfertigungen, die die speziellen Anforderungen der Kunden erfüllen. HSB-Komponenten kommen überall dort zum Einsatz, wo Teile linear bewegt werden, unter anderem in der Energie-, Medizin- und Automobiltechnik sowie im Maschinen- und Anlagenbau.

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"Unsere Stärke sind Lösungen, an die viele andere sich gar nicht erst trauen", erklärt Heißel. Dazu greift das Unternehmen auf die selbst entwickelten und konstruierten Standardeinheiten zurück. Basierend auf der Produktvielfalt lassen sich nahezu beliebig viele Varianten generieren. Das Unternehmen produziert sowohl Einzelstücke als auch größere Serien. Dazu gehören auch Kreuztische, Doppelhubeinheiten, Mehrachssysteme, Atex- und Reinraumausführungen.

Entwicklung, Produktion und Vertrieb sind unter einem Dach in Reutlingen konzentriert. Das garantiert kurze Wege und schnelle Abwicklung. Auf 2400 m2 Produktions- und 600 m2 Bürofläche sind 74 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 2006 ist das Unternehmen Partner der Schunk-Gruppe, die zu 29 Prozent an der HSB Automation beteiligt ist. Uwe Heißel selbst ist durch und durch Techniker. So konzentriert er sich ganz auf Entwicklung und Produktion neuer Produkte und Produktverbesserungen. "Aus dem Tagesgeschäft halte ich mich nahezu vollständig heraus", erklärt der Entwickler. Zwar stammt die Mehrzahl aller HSB-Produkte von ihm, doch die Detailkonstruktionen überlässt er lieber seiner Konstruktionsabteilung. Und auch um den Vertrieb kümmern sich hauptsächlich andere. Wie die ANT Antriebstechnik GmbH.

Ideenreichtum und Vertriebs-Know-how ergänzen sich

Mit dem Schweinfurter Vertriebspartner verbindet HSB eine jahrelange Zusammenarbeit. Schon 1995 hat der heutige geschäftsführende Gesellschafter Hans Szczecina den Vertrieb für die Reutlinger in Bayern übernommen – mit Einführung der ersten Lineareinheiten von HSB. Nicht ganz grundlos, kannten sich doch Uwe Heißel und Hans Szczecina noch aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Neff, einem Unternehmen, das in den 80-er Jahren führend in der Lineartechnik war.

Die ANT Antriebstechnik ist heute ein vertriebsorientierter mittelständischer Betrieb mit den Produktschwerpunkten Lineareinheiten, Spindelhubgetriebe, Gewindespindeln und Linearführungen. Auf etwa 2000 m2 Produktions- und Bürofläche veredeln die rund 40 Mitarbeiter die Produkte des Katalogprogramms. Im Zentrum der Kundenbetreuung stehen dabei für ANT vor allem die Anwendungsberatung und die Konstruktionsunterstützung. Zum Angebotsspektrum gehören die Lineareinheiten nach Katalog sowie die Realisierung kompletter Handlingsysteme für den Kunden.

Entwicklung und Fertigung der Lineareinheiten erfolgt bei HSB. Mit vier Baureihen haben die Reutlinger in den letzten 15 Jahren eine Modulfamilie mit über 100 Typen- und Größenvarianten entwickelt. Für 80 Prozent aller Fälle können die Kunden für ihre Anwendung die passenden Standardprodukte aus dieser Palette auswählen. Nach Fertigstellung in Reutlingen liefert HSB die Lösungen dann direkt an die ANT-Kunden aus.

Benötigt der Kunde Zwei- oder Mehrachssysteme mit angebauten Motoren oder Komplettlösungen mit Steuerungen, erfolgt die Planung und teilweise auch die Montage in Schweinfurt bei ANT. Die Schweinfurter arbeiten mit erfahrenen Elektromaschinenbauern vor Ort zusammen, die Schaltschrankplanung, Steuerungsaufbau und Inbetriebnahme für ANT-Kunden übernehmen. Verantwortlicher und alleiniger Ansprechpartner für den Kunden bleibt aber ANT.

Weitere Schwerpunkte der Schweinfurter Fertigung sind die Konfektionierung von Kugelgewindetrieben, die auf CNC-Maschinen bearbeitet und direkt an die Endkunden ausgeliefert oder in die ANT-Spindelhubgetriebe verbaut werden.

Spindelhubgetriebe sind Hubelemente mit Hubkräften zwischen 1 bis 50 Tonnen, die ein Schneckengetriebe oder Kegelradgetriebe als Basis haben und etwa 25 Prozent des ANT-Umsatzes ausmachen. Die in den Hubgetrieben und teilweise auch in den Lineareinheiten verbauten Kugelgewindespindeln und Führungsschienen werden als Halbfabrikate in Walzwerkslängen von Bosch Rexroth bezogen.

Um die eigene Fertigung bei den ständig schwankenden Lieferzeiten der Zulieferer sicherzustellen, hat ANT die Lagerkapazität deutlich gesteigert und im Neubau auch ein Hochregallager integriert. Investiert wird auch im laufenden Jahr weiter in CNC-Technik um den konventionellen Maschinenpark zu entlasten und die Fertigungskapazität zu erhöhen.

"Aufgrund unserer Produktvielfalt zählen wir bei den Lineareinheiten zu den Marktführern", betont Hans Szczecina. "Diese Auswahl bietet kein anderer Wettbewerber. Auch gibt es keinen Zweiten, der wahlweise Kugelgewindespindel, Trapezgewindespindel und Zahnriemen in seinen Modulen als Antrieb mit integrierten Rollen- oder Schienenführung anbietet", erklärt der ANT-Geschäftsführer.

"Es gibt immer wieder Entwicklungen, mit denen wir uns deutlich vom Wettbewerb unterscheiden", beschreibt Szczecina die Zusammenarbeit mit HSB. "So hat HSB beispielsweise eine spezielle Rollenführung für die Lineareinheiten entwickelt, die einzigartig am Markt ist".

Die Antriebssysteme sind untereinander austauschbar

Entstanden ist in der Vergangenheit auch das integrierte Abdeckbandsystem in den Linearmodulen. Oder die integrierten Spindelabstützungen, mit denen eine relativ dünne Spindel mit 3000 Umdrehungen pro Minute drehen kann, ohne in die kritische Drehzahl zu geraten. Oder die beiden Befestigungskonzepte durch Befestigungsleisten entweder von außen oder aber über Nutensteine von unten. "Diese Antriebssysteme sind untereinander austauschbar und in nahezu allen Lineareinheiten bis zu einer Länge von acht Metern lieferbar", führt Hans Szczecina aus.

Zu den aktuellen Produkteinführungen von HSB gehören die Gamma-Einheiten. Diese Aluminium-Profile ermöglichen den Bau preiswerter Portale bis zehn Meter Länge an einem Stück (zusammengesetzt sogar bis über 30 Meter) und halten Belastungen bis 25.000 Newton stand.

Die geschlossenen Profile mit seitlich angebauten Schienenführungen sind verdrehsteif und mit Zahnstangen- oder Zahnriemenantrieben lieferbar. Integrierte Hochleistungsgetriebe mit unterschiedlichen Übersetzungen erleichtern die Motorauswahl.

Für Handhabungsaufgaben eignen sich diese Portaleinheiten optimal, auch wenn der Vertrieb den Bedarf zunächst nicht sah, wie Uwe Heißel sich erinnert: "Ich hab's einfach trotzdem gemacht". Und jetzt ist auch der Vertrieb zufrieden. (ud)

* *Ute Drescher ist Redakteurin bei der konstruktionspraxis.

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