Erfinder

Hololenses und Lego Mindstorm für Europäischen Erfinderpreis nominiert

| Redakteur: Katharina Juschkat

Der Brasilianer Alex Kipman hat die Mixed-Reality-Brille Hololense entwickelt und ist jetzt für den Europäischen Erfinderpreis nominiert worden.
Der Brasilianer Alex Kipman hat die Mixed-Reality-Brille Hololense entwickelt und ist jetzt für den Europäischen Erfinderpreis nominiert worden. (Bild: EPO / info@heinztrollphotography.com)

Sie haben innovative Wege gefunden, um Krankheiten zu bekämpfen, alternative Energien zu fördern und uns mit neuen Technologien auszurüsten: 15 Erfinder mit beeindruckenden Innovationen sind für den europäischen Erfinderpreis nominiert – wir stellen sie vor.

Die Bandbreite reicht von künstlichen Spinnweben, die stärker sind als Stahl, bis hinzu einem Impfstoff gegen Krebs: Das Europäische Patentamt EPA hat die 15 Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2018 bekannt gegeben. Mit der jährlichen Auszeichnung ehrt das EPA herausragende Wissenschaftler, Forscher und Ingenieure in fünf Kategorien: Industrie, Forschung, Nicht-EPO-Staaten, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Lebenswerk.

Alle Erfinder im Überblick:

Nominiert in der Kategorie Industrie: UV-Lithographie, Mindstorm-Lego und spritsparende Reifen

Nominiert für die extrem ultraviolette Lithographie sind Erik Loopstra aus den Niederlande und Vadim Banine (Niederlande/Russland). Diese Technologie ist notwendig, um Schalter für Microchips herzustellen, die nur wenige Nanometer groß sind. Die EUVL-Maschine ist seit 2017 auf dem Markt und ermöglicht es, neue Mikrochips herzustellen, die für Branchen wie Elektronik, Robotik, autonomes Fahren und künstliche Intelligenz entscheidend sind.

Gaute Munch, Erik Hansen und ihr Team aus Dänemark haben schon 1998 die programmierbaren Mindstorm-Roboter von Lego entwickelt und sind jetzt dafür nominiert. Mithilfe der Mindstorm-Roboter-Baukästen können sich Nutzer mit den Grundlagen der Computerprogrammierung, der Robotik und der interaktiven Problemlösung vertraut machen. In naher Zukunft könnten die Baukästen auch dazu beitragen, einen Mangel an qualifizierten Programmierern auf europäischer Ebene abzuwenden.

Die zwei französischen Reifenexperten Agnès Poulbot und Jacques Barraud haben bei Michelin Reifen entwickelt, die 20 Prozent länger halten und pro 100 Kilometer einen Liter Sprit sparen. Die Lösung beruht auf dem Aufeinanderschichten von Profilen, die bei Verschleiß jeweils eine neue Schicht freilegen. Das Reifenprofil-Design wird seit 2013 für schwere Nutzfahrzeuge und seit 2016 für Personenkraftwagen als RegenionTM Reifen-Technologie vermarktet. Dank der Erfindung sinken die CO2-Emissionen über die Lebensdauer eines Reifen im Vergleich zu herkömmlichen Modellen um rund 3.700 kg.

Nominiert für die Kategorie Forschung: MRT in Echtzeit, besseres Spendergewebe, Impfstoff gegen Krebs

Dank Jens Frahm gehört die Magnetresonanztomographie (MRT) zu den verbreitetsten Diagnosemethoden in der Medizin. Der deutsche Biophysiker entwickelte die FLASH-Technik (Fast Low Angle Shot). Sie beschleunigt MRT-Scans um den Faktor 100 und machte damit den heutigen Einsatz im klinischen Alltag möglich. Inzwischen hat Jens Frahm die MRT in das Videozeitalter gebracht: Er stattete die Technologie mit der Möglichkeit aus, bewegte Bilder von Organen und Gelenken in Echtzeit zu erfassen.

Das britische Forscher-Ehepaar Eileen Ingham und John Fisher hat „biologische Gerüste“ entwickelt – abstoßungsfreies Spendergewebe, aus dem DNA und Zellmaterial fast komplett „herausgewaschen“ wird und das vom Körper selbst mit eigenen Zellen besiedelt werden kann, ohne negative Reaktionen des Immunsystems hervorzurufen. Ingham und Fisher forschten mehr als zehn Jahre an der Universität Leeds daran und ihre Dezellularisierungsmethode eröffnet neue Wege in der regenerativen Medizin.

Die Entwicklung stabiler Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA)-Moleküle durch das polnische Forschungsteam um Jacek Jemielity, Joanna Kowalska und Edward Darżynkiewicz bietet ein verbessertes Übertragungssystem für Therapien mit personalisierter Medizin, ohne die DNA eines Patienten verändern zu müssen. Indem sie nur ein einziges der etwa 80.000 Atome der mRNA änderten, erhielten sie eine stabile Form, die fünfmal effektiver ist als ihr natürliches Gegenstück. Ihre Arbeit hat zu einem vielversprechenden Impfstoff gegen Krebs geführt und bereits jetzt gibt es Lizenzvereinbarungen im Wert von über eine Milliarde Euro.

Alle Erfinder im Überblick:

Nominiert für die Kategorie Nicht-EPO-Staaten: Bessere Rotorblätter, Hololens und Batterien für Herz-Stromstoß

Inspiriert von den Unebenheiten – sogenannten Tuberkeln – an der Vorderseite der Brustflossen von Buckelwalen entwickelte Stephen Dewar, Philip Watts und Frank Fish aus den USA/Kanada ein neues Konzept für Rotorblätter in Windturbinen und Ventilatoren. Es arbeitet effizienter und leiser als herkömmliche Modelle. Ausgestattet mit Unebenheiten, die den Tuberkeln nachempfunden sind, stellen die Rotorblätter die Gesetzmäßigkeiten der langsamen Aerodynamik infrage. Sie erhöhen die Luftzirkulation bei Industrieventilatoren um 25 % und steigern die Windenergieproduktion um ein Fünftel.

Der Erfinder des absatzstarken Spielsystem Microsoft Xbox Alex Kipman aus Brasilien hat die dort genutzte Bewegungssteuerung mit hochmoderner Hardware kombiniert und entwickelte so die Hololens – eine Mixed-Reality-Brille. Dieses computergesteuerte Headset vermischt die Realität und die virtuelle Welt vor den Augen des Trägers. Es wird heute bereits in Anwendungen wie holographischen Telefonkonferenzen oder chirurgischen Operationen genutzt. Dem Erfinder zufolge könnten solche Mixed-Reality-Geräte in Zukunft sogar Handys ersetzen.

Chemieingenieurin Esther Sans Takeuchi aus den USA hat Kompaktbatterien erfunden, die winzige, implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs) mit Energie versorgen. ICDs werden von Millionen Patienten verwendet und verringern das Auftreten von Herzinfarkten durch lebensrettende Schocks. So lässt sich die Häufigkeit von Operationen reduzieren, die Herzpatienten für den Batteriewechsel auf sich nehmen müssen. Die Li/SVO-Batterie war die perfekte Lösung und nur eines von Sans Takeuchis 150 Patenten, die sie zu einer der produktivsten Erfinderinnen der USA machen.

Nominiert in der Kategorie Kleine und Mittlere Unternehmen: Wassersparende Dusche, Formbarer Kleber und künstliche Spinnenseide

Die Kreislaufdusche ist ein von der Raumfahrt inspiriertes Duschsystem, das vom Industriedesigner Mehrdad Mahdjoubi aus Schweden entwickelt wurde. Das Duschsystem benötigt 80 % weniger Energie und 90 % weniger Wasser. Nur 5 l Wasser werden pro Duschvorgang verbraucht, weil sie während des Duschens wiederaufbereitet werden. Damit bietet sie überzeugende Vorteile für Regionen mit Wasserknappheit oder Sporthallen, Krankenhäuser und Schwimmbäder, in denen Duschen häufig genutzt werden.

Die irische Produktdesignerin Jane ní Dhulchaointigh und ihr Team haben einen formbaren Multifunktionskleber entwickelt, mit dem Alltagsgegenstände repariert und individuell modifiziert werden können. Der Klebstoff, der zu einem festen, beständigen Gummi aushärtet, lässt sich in nahezu jede erdenkliche Form bringen und klebt fast auf allen Materialien. Sugru bietet den Menschen einen praktischen Ansatz, um kaputte Gegenstände zu reparieren und die enorme Menge an Abfall zu reduzieren, die jedes Jahr produziert wird.

Sie ist eines der stärksten bekannten Materialien, gleichzeitig aber leicht und geschmeidig: die Spinnenseide. Bisher erwies es sich als extrem schwierig, sie nachzubilden oder herzustellen. Der deutsche Biochemiker Thomas Scheibel hat jetzt eine künstliche Seidenfaser entwickelt, die um ein Vielfaches stärker ist als Stahl und herkömmliche Kunstfasern. Die Spinnenseidenproteine werden von Bakterien produziert und zu Fasern „gesponnen“ mittels eines Verfahrens, das Jahre der Entwicklung bis zur Perfektion brauchte. Die Faser hält bereits Einzug in bio-tolerierbare medizinische Implantate, Textilien und Kosmetika.

Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2017 stehen fest

Online-Voting

Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2017 stehen fest

24.05.17 - Der Europäische Erfinderpreis wird in wenigen Tagen von einer Fachjury verliehen – zuvor hat die Öffentlichkeit noch die Möglichkeit, für den besten Erfinder abzustimmen. Wir stellen die Nominierten vor. lesen

Nominiert für ihr Lebenswerk: Ursula Keller, Jacques Lewiner und Henrik Stiesdal

Die Schweizer Physikerin Ursula Keller erfand den Sesam-Spiegel – die führende Technologie für kommerziell genutzte ultraschnelle Pulslaser, die vielfach in industriellen und medizinischen Verfahren zum Einsatz kommen. Im Laufe ihrer 30-jährigen Karriere entwickelte sie die Pulslasertechnologie durch kompaktere, effizientere und leistungsfähigere Designs weiter und eröffnete damit neue Möglichkeiten für Anwendungsfelder von der Telekommunikation bis zur medizinischen Diagnostik.

Hunderte Erfindungen – von Elektronik und medizinischen Sensoren bis hin zu Sicherheit und Telekommunikation – können dem französischen Physiker und Unternehmer Jacques Lewiner zugeschrieben werden. Als in fast 70 erteilten europäischen Patenten und mehr als 1.000 weltweiten Patentanmeldungen genannter Erfinder hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Wissenschaft und Technologie in reale technische Anwendungen zu übertragen. Er hat zahlreiche Start-ups gegründet und fördert als Dekan für Innovation und Unternehmertum an der PSL Universität Paris Innovationen auch weiterhin.

Henrik Stiesdal wurde bereits als Teenager ein Pionier der Windkraft-Industrie und somit ein wichtiger Teil der Windenergie-Revolution. Damals entwarf er ein Windrad für den Hof seiner Eltern. Er setzte seinen Werdegang fort, indem er das „Dänische Konzept“ entwickelte, das über Jahrzehnte hinweg als Konstruktionsstandard in der Windkraft-Industrie galt. Sein vielfältiges Erbe deckt Erfindungen vom Rotorblatt-Design bis hin zu Offshore-Plattformen ab, die auf Mooring-Konstruktionen basieren, und wird von mehr als 90 europäischen Patenten geschützt. Derzeit forscht er an weiteren grünen Energielösungen.

Alle Erfinder im Überblick:

Die Preisträger werden am 7. Juni in Paris, Saint-Germain-en-Laye, im Beisein von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Forschung und der IP-Branche bekannt gegeben. Bereits im Vorfeld der Zeremonie wird die Öffentlichkeit den Gewinner des Publikumspreises per Online-Abstimmung auf der Website des EPAwählen.Die 15 Finalisten wurden von einer unabhängigen internationalen Jury unter mehr als 500 Einzelpersonen und Erfinderteams ausgewählt, die von der Öffentlichkeit, von Patentprüfern der nationalen Patentämter und vom EPA vorgeschlagen worden sind – eine neue Rekordzahl.

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