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Gleitlager Gleitlager vom Prototypen in die Serie bringen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

KS Gleitlager baut zunehmend den Geschäftbereich Industrie aus. Wie es vom Prototypen zur Serienfertigung kommt und welche Trends es in der Gleitlagertechnik gibt, erklären Steffen Schieszl und Mark Erlwein.

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Im Kompetenzzentrum Industrial Bearings werden bei der KS Gleitlager GmbH speziell Gleitlager für den Industriebedarf gefertigt.
Im Kompetenzzentrum Industrial Bearings werden bei der KS Gleitlager GmbH speziell Gleitlager für den Industriebedarf gefertigt.
(Bild: KS Gleitlager GmbH)

konstruktionspraxis: Wir sprechen heute über den Industriesektor von KS, den Sie mit einem eigenen Kompetenzzentrum ausgebaut haben. Mit welchen Anforderungen kommen Kunden aus der Industrie auf Sie zu?

Steffen Schieszl: Meistens geht es um die Performance. Um Leistung zu steigern, können wir Empfehlungen bezüglich der Werkstoffe oder des Designs eines Bauteils machen.

Mark Erlwein: Im Vergleich zur Automobilindustrie werden viel geringere Stückzahlen und kleinere Losgrößen benötigt, der Qualitätsanspruch bleibt hingegen genauso hoch. Des Weiteren benötigt der Produktentstehungsprozess bei Industrieprojekten nur einen Bruchteil der Zeit als bei vergleichbaren Automobilprojekten. Anfragen müssen extrem schnell bearbeitet und Musterbauteile viel schneller erstellt werden. Auch die Entscheidung zur Serie wird kundenseitig oft viel schneller getroffen. Die Arbeitsweise, Systematik und Struktur der Prozesse ist daher ganz anders als in der Automobilbranche. Das Kompetenzzentrum Industrial mit integrierter Industriezelle und die Protoypenfertigung helfen dabei, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Mark Erlwein ist Chief Engineer Sales and Applications Engineering bei der KS Gleitlager GmbH.
Mark Erlwein ist Chief Engineer Sales and Applications Engineering bei der KS Gleitlager GmbH.
(Bild: Atelier Lünig, Bad Friedrichshall)

konstruktionspraxis: Wie sieht denn der Prozess aus, der nach einer Kundenanfrage folgt?

Schieszl: Nachdem eine Anfrage bei uns eingegangen ist, machen wir im Team ein Kalkulationsgespräch. Dabei wird die Machbarkeit abgesteckt. Wichtig ist, dass zu diesem Zeitpunkt erste Zeichnungen oder Handskizzen vom Kunden vorliegen. Dann legen wir die Prozessschritte fest, die später in der Serie umgesetzt werden müssen, um so einen ersten Preis ermitteln zu können. Technisch prüfen wir natürlich, ob das Bauteil für die Anwendung richtig ausgewählt wurde. Falls nötig, machen wir auch Empfehlungen zur Ausführung hinsichtlich des Werkstoffs oder des Designs.

konstruktionspraxis: Gehen wir davon aus, dem Kunden gefällt das Angebot, wie geht es dann weiter?

Schieszl: Im nächsten Schritt bestellt der Kunde entsprechende Prototypen. Die Werkzeugauslegung und -fertigung erfolgt bei den internen Fachabteilungen. Dabei sammeln wir sämtliche technische Informationen, die wir für die Serienfertigung verwenden können. Anschließend gehen die fertigen Prototypen zum Kunden und werden dort validiert. Nach der Freigabe bereiten wir die Serienfertigung vor. Allerdings liegen dazwischen mehrere Rückläufe mit modifizierten Bauteilen. Nicht selten werden hierfür zwei bis drei Iterationsschleifen gedreht.

Ergänzendes zum Thema
Prototypenfertigung und Kompetenzzentrum Industrial

Die KS Gleitlager GmbH fokussiert neben dem Automobilsektor zunehmend auch Industriebereiche. Dazu entstand aus der Prototypenfertigung heraus vor zwei Jahren das Kompetenzzentrum Industrial für Beratung und Service zur Gleitlagertechnik in der Industrie.

konstruktionspraxis: Wie viele der Prototypen enden schließlich in der Serienfertigung?

Schieszl: In absoluten Zahlen ist das schwierig zu beantworten, die Erfolgsquote liegt bei uns auf dem branchenüblichen Niveau von 10 % bis 15 %.

konstruktionspraxis: Und wie viel Zeit vergeht von der Prototypen­fertigung bis zum Serienlauf?

Schieszl: Prototypen müssen bei uns schnell fertig sein. Da vergehen nur einige Tage bis ein paar Wochen. Die Validierung beim Kunden dauert dann meist länger, das kann ganz unterschiedlich sein.

Steffen Schieszl ist Director Industrial Engineering bei der KS Gleitlager GmbH.
Steffen Schieszl ist Director Industrial Engineering bei der KS Gleitlager GmbH.
(Bild: KS Gleitlager GmbH)

konstruktionspraxis: Zurück zum Abblauf: was folgt nach der erfolgreichen Validierung?

Schieszl: Geht es in die Serienbestellung, fordert der Kunde zunächst PPAP-Muster. Der Begriff kommt aus dem Automobilsektor, im Industriebereich möchte man solche Muster aber auch zunehmend haben. PPAP bedeutet Produktionsteil-Freigabeverfahren. Darin sind alle Prozessabläufe und Regelungen bezüglich der Serienfertigung definiert, die wir erfüllen müssen. Parallel dazu gehen wir an die Werkzeugkonstruktion und -fertigung. Beides bleibt meist bei uns im Haus. Es kommt auch vor, dass wir eine Gegenüberstellung machen, ob die Erstellung eines Werkzeugs oder das manuelle Bearbeiten der Bauteile wirtschaftlicher ist – dies hängt natürlich immer vom Auftragsvolumen und der Kundenanforderung ab. Manchmal können wir auch bereits vorhandene Werkzeuge aus vorherigen Projekten nutzen und diese entsprechend modifizieren. Daneben stoßen wir auch die Materialfertigung an.

konstruktionspraxis: Halten Sie nach all diesen Schritten noch den zu Beginn genannten Preis?

Schieszl: Wenn im Laufe des Prozesses das Design oder Werkzeug geändert wird oder ein anderes Material ins Spiel kommt, kann sich natürlich auch der erst genannte Preis aus der Entwicklungsphase ändern. Daher sind ein enger Kundenkontakt und transparente Abläufe während des gesamten Prozesses wichtig.

konstruktionspraxis: Welche Trends sehen Sie künftig im Bereich der Lagertechnik für die Industrie?

Erlwein: Was unsere Kunden schon immer umtreibt und auch in Zukunft umtreiben wird, ist die Performance­steigerung in der Anwendung zum bestmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn Effizienzsteigerung und Kostensensibilität stehen immer mehr im Vordergrund.

konstruktionspraxis: Verraten Sie uns Details?

Erlwein: Konkret arbeiten wir z.B. an einem Zweikomponentenwerkstoff – genauer gesagt einem Metall-Kunststoffverbund – bei dem wir auf die übliche Bronzeschicht verzichten. So können wir für spezifische Anwendungen, je nach Performanceanforderungen, eine maßgeschneiderte, noch wirtschaftlichere Alternative anbieten. Unser Ziel ist es, dem Kunden die genau für seine Anwendung ideale Gleitlagerlösung anzubieten, mit größtmöglichem wirtschaftlichen Vorteil und bestmöglicher Performance.

konstruktionspraxis: Vielen Dank Herr Schieszl und Herr Erlwein.

Anwendertreff mechatronische Antriebstechnik

Im Fokus des Anwendertreffs mechatronische Antriebstechnik stehen die mechanischen Komponenten Getriebe, Kupplungen und Bremsen sowie deren Auslegung, Dimensionierung und Zusammenspiel im mechatronischen Gesamtsystem.

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