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Lockout-Tagout Gefährliche Energien mit Lockout-Tagout-Programmen sicher beherrschen

| Autor / Redakteur: Niels Alpers* / Jan Vollmuth

Wird Energie unbeabsichtigt oder unkontrolliert freigesetzt, gefährdet dies Mensch und Maschine. Lockout-Tagout-Programme helfen, gefährliche Energien zu bändigen.

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Lock Out Tag Out ist die systemische Trennung von Maschinen sowie die Sicherung gegen Wiederanlauf. Zum LoTo-System gehören darüber hinaus die Entwicklung von Verfahren zur Maschinentrennung im Rahmen spezifischer Aufgabenstellungen sowie die Schulung von Maschinenbedienern.
Lock Out Tag Out ist die systemische Trennung von Maschinen sowie die Sicherung gegen Wiederanlauf. Zum LoTo-System gehören darüber hinaus die Entwicklung von Verfahren zur Maschinentrennung im Rahmen spezifischer Aufgabenstellungen sowie die Schulung von Maschinenbedienern.
(Bild: Pilz GmbH & Co. KG)

Wer hat schon Lust, eine Maschine zu warten, ohne sicher sein zu können, dass sie plötzlich startet? Daher muss eine Maschine nicht nur von allen Energiequellen getrennt sein, um sie bei der Wartung als sicher einstufen zu können; es muss auch sichergestellt sein, dass die Maschine durch gespeicherte Energie nicht unerwartet anläuft oder Maschinenteile sich nicht unerwartet bewegen. In Deutschland gelten für Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten an Maschinen (=Arbeitsmittel) die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Relevant ist §10 „Instandhaltung und Änderung von Arbeitsmitteln“. In Absatz 3 ist dort festgehalten, dass der Arbeitgeber alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen hat, damit Instandhaltungsarbeiten sicher durchgeführt werden können.

Freisetzen gefährlicher Energien ausschließen

Konkretere Vorgaben zur Umsetzung macht die BetrSichV nicht. Anders in den USA: Die Occupational Safety and Health Administration (OSHA), eine Abteilung des Arbeitsministeriums der USA, definiert gefährliche Energien und beschreibt, wie mit ihnen umzugehen ist. Im Detail bestimmt die US-amerikanische Bundesrichtlinie 29 CFR 1910.147, dass Maschinen und sonstige Arbeitsausrüstung in Betriebsarten wie Reinigung, Wartung und Instandhaltung von der Energiezufuhr getrennt werden und so gesichert sind, dass ein unerwartetes Einschalten oder ein unerwarteter Anlauf von Maschinen und Ausrüstungen oder die Freisetzung gefährlicher Energie ausgeschlossen ist. Die Vorgaben werden dort unter dem Begriff LoTo (Lockout Tagout; Wiedereinschaltsperre und Kennzeichnung) zusammengefasst. Das Ziel von LoTo ist ein Prozess, der unter normalen Betriebsbedingungen und vorhersehbaren Bedingungen den sicheren Umgang mit gefährlichen Energiequellen gewährleistet.

Anwendertreff Maschinensicherheit Die Maschinensicherheit ist ein wichtiges Thema: Die richtigen Normen müssen berücksichtigt und die Anforderungen der Maschinenrichtlinie müssen eingehalten werden. Der Anwendertreff Maschinensicherheit unterstützt Entwickler und Konstrukteure, die funktionale Sicherheit von Maschinen und Anlagen zu gewährleisten.
Mehr Infos: Anwendertreff Maschinensicherheit

Auch wenn LoTo häufig die Trennung von elektrischer Energie meint, muss für alle Energiearten untersucht werden, ob die Wiedereinschaltsperre/Kennzeichnung anzuwenden ist. Energie kann z.B. auch in mechanischen Teilen gespeichert werden, die sich aufgrund der Massenträgheit weiterbewegen (etwa bei vertikalen Achsen), in Kondensatoren, Akkumulatoren, in unter Druck stehenden Flüssigkeiten und Gasen sowie in Federn.

Physikalischen Sperre plus persönliches Sicherheitsschloss

LoTo besteht zum einen aus einer physikalischen Sperre, etwa einem Hauptschalter oder einer Trenneinrichtung, mit der die Übertragung oder Freisetzung von Energie physikalisch verhindert wird. Hinzu kommt ein „persönliches“ Sicherheitsschloss, das einer Person übergeben wird, damit diese einen Hauptschalter in der Stellung „AUS“ oder ein Ventil in einer festen, geschlossenen Stellung sperren kann. Die Sperre stellt sicher, dass ein Bediener die Maschine nicht willkürlich wieder starten kann. Sie verhindert somit das Freisetzen von Energie oder das Auslösen einer Bewegung. Die Maschine kann nur nach dem ordnungsgemäßen Lösen der Sperre wieder betrieben werden.

LoTo umfasst zudem die Kennzeichnung der Trenneinrichtung mittels Schild oder einem Schlossanhänger: Warum sind die Ausrüstungen gegen Wiedereinschalten gesichert bzw. entsprechend gekennzeichnet? Wer hat LoTo genehmigt? Wer hat LoTo durchgeführt? Wie lange dauert die Sperrung? Bei wem sind weitere Informationen erhältlich?

Die verschiedenen Schritte einer LoTo-Prozedur

Im ersten Schritt erfolgt eine Beurteilung der vorhandenen Maschinen und Energien. Dies umfasst das Ermitteln und Beurteilen von Risiken und Gefährdungen, das Ermitteln der Quellen gefährlicher Energie und Bestimmen der Trennpunkte sowie das Festlegen zusätzlicher Maßnahmen (wie z.B. entlüften oder bremsen). Zudem wird festgelegt, welche Personen für LoTo verantwortlich und an LoTo beteiligt sind. Außerdem ist zu klären, welche Erlaubnisse und Freigaben für die Arbeiten erforderlich sind. Anschließend wird ein auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnittener LoTo-Prozess erstellt.

Eine LoTo-Prozedur umfasst meist folgende Schritte:

  • 1. Beurteilen und vorbereiten der an der Maschine durchzuführenden Aufgabe/Arbeit.
  • 2. Übergabe der Ausrüstung: Die Ausrüstung (Lock & Tag) kann zentral (Meister) oder auch dezentral (Instandhalter) verwaltet werden.
  • 3. Energie trennen und Wiedereinschaltsperre plus Kennzeichnung anbringen.
  • 4. Punkt 3 prüfen.
  • 5. Durchführen der Aufgabe, z.B. Wartung.
  • 6. Genehmigung zur Freigabe und Aufhebung der Trennung
  • 7. Aufhebung der Trennung durch Entfernen der Wiedereinschaltsperre sowie der Kennzeichnung.
  • 8. Prüfung.
  • 9. Rückgabe der Ausrüstung.

Bei der Dokumentation von Lockout-Tagout-Prozessen helfen Software-Tools wie PASloto von Pilz, mit dem Tätigkeitsbeschreibungen für den Umgang mit gefährlichen Energiequellen einfach generiert und dokumentiert, LoTo-Berichte erstellt und die unternehmenseigenen LoTo-Regeln geprüft werden können. Mit PASloto lässt sich ein Plakat zur Dokumentation der gesamten LoTo-Prozedur einer Anlage erzeugen oder Fotos der Maschine und der Energiequellen zum Lockout-Tagout-Plakat hinzuzufügen.

Alle Mitarbeiter müssen geschult werden

Niels Alpers, Projekt Manager International Services im Customer Support, Pilz GmbH & Co. KG
Niels Alpers, Projekt Manager International Services im Customer Support, Pilz GmbH & Co. KG
(Bild: Pilz GmbH & Co. KG)

Entscheidend ist, dass das Personal in diesem Verfahren geschult wird – unabhängig von der Rolle des jeweiligen Mitarbeiters, da alle verstehen müssen, wofür LoTo steht. Das System muss laufend überwacht werden, um seine ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen, und überprüft, ob alle Elemente erfasst sind. Zusätzlich sollte die Reaktionsfähigkeit bei Vorfällen ermittelt werden, und in welcher Beziehung diese Vorfälle zu organisatorischen Veränderungen stehen. Das Feedback aller Beteiligter zur Effektivität und Zweckmäßigkeit des Prozesses sollte in die kontinuierliche Prozessverbesserung einfließen.

Pilz bietet ein zweistufiges Komplettpaket für eine LoTo-System bestehend aus Lockout-Tagout-Analyse und einer individuellen Lockout-Tagout-Verfahrensentwicklung. Safety-Experten von Pilz unterstützen Unternehmen zudem bei der Beurteilung bestehender LoTo-Programme.

* Niels Alpers, Customer Support Pilz GmbH & Co. KG

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