Gasfedern

Gasdruckfedern erobern Spritzguss

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Vorteile gegenüber konventionellen Aktuatoren

Auch im Vergleich mit Luftdruck- und Hydraulikzylindern haben die Gasdruckfedern seiner Ansicht nach die Nase vorn: „Luftdruckzylinder verbrauchen viel Druckluft und damit teure Energie“, so Hoppstein. Hydraulikzylinder wiederum seien anfällig für Leckagen. „Kommt es zum Ausfall, verursachen sie einen hohen Reinigungsaufwand am gesamten Werkzeug.“ Zudem sei austretendes Öl bei Produkten für die Kosmetik und Pharmaindustrie extrem kritisch. Aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen können sich die Werkzeugspezialisten von RPC Wiko die Gasdruckfedern auch als Ersatz von Klinkenzügen vorstellen. „Klinkenzüge sind meist sehr wartungsintensiv“, weiß Frank Pesch aus eigener Erfahrung. „Wenn am Klinkenzug etwas nicht passt, funktioniert das ganze Werkzeug nicht.“

Hingegen überzeugen die Gasdruckfedern in entscheidenden Punkten: „Es gibt kein Verschmutzungsrisiko wie bei Hydraulikzylindern, sie verbrauchen keine Druckluft, sie ermüden quasi nicht und sie schonen die Werkzeuge deutlich stärker als alle anderen Lösungen.“ Aufgrund ihrer kompakten Maße ließen sie sich zudem mit minimalem Aufwand in vorhandene Werkzeuge einbauen. Dazu seien lediglich Distanzstücke notwendig, die die Höhendifferenz ausgleichen.

Kraft der Gasdruckfedern bleibt absolut konstant

Bei keiner der eingesetzten Gasdruckfedern ist es bisher zu Ermüdungserscheinungen gekommen. „Die Kraft bleibt absolut konstant“, bestätigt Uwe Hoppstein, der die Werkzeuge regelmäßig optischen Prüfungen un-terzieht. Die ältesten Federn hätten mittlerweile rund zwei Millionen fehlerfreie Zyklen hinter sich. Für Norbert Reinmuth, Produktmanager bei Fibro in Hassmersheim, ist dieser Wert nicht überraschend. Verglichen mit dem Schnitt- und Stanzbereich, wo sich Gasdruckfedern von Fibro seit über 25 Jahren bewährt haben, würden die Gasdruckfedern im Spritzguss deutlich weniger beansprucht. Daher sei die Lebensdauer bei Spritzgussanwendungen extrem lang. Verschleißerscheinungen gäbe es allenfalls bei den Dichtungen. Tritt ein solcher Fall auf, können Anwender die Federn bei Fibro prüfen und warten lassen. Sind Zylinder und Zylinderrohr intakt und beispielsweise nicht durch einen Crash beschädigt, genügt es in der Regel, die Dichtungen zu tauschen. Bereits standardmäßig eingebaut sind in jeder FML Gasdruckfeder eine Überhubschutzfunktion, eine Sicherheitskolbenstange sowie ein Überdruckschutzsystem. So können Schäden am Werkzeug von vornherein vermieden werden – ein deutlicher Vorteil beispielsweise gegenüber Klin-kenzügen, die im Fall einer Blockade unnachgiebig ziehen, bis ein Bauteil bricht. Um die Prozesssicherheit noch weiter zu erhöhen, lassen sich FML Gasdruckfedern zusätzlichen mit einer Druckabfrage ausstatten.

Damit RPC Wiko alte Gewohnheiten über Bord wirft und die Gasdruckfe-dern testet, hat Fibro die ersten Systeme mit einer Rückbau-Option geliefert. Wäre man nicht zufrieden gewesen, hätte FIBRO die Gasdruckfedern kostenfrei zurückgenommen. Im Nachhinein ist Frank Pesch froh, dass er gemeinsam mit seinem Team den Versuch gewagt hat. „Es war viel einfacher als gedacht“, so Pesch. Anfängliche Befürchtungen, ob der Feder-druck ausreiche oder möglicherweise zu hoch sei, waren schnell zerstreut. Zudem wurden die Mitarbeiter durch den technischen Berater Hartwig Hennemann geschult, wie die Gasdruckfedern zu handhaben, zu kontrollieren und zu befüllen sind. Mittlerweile werden durchgängig Federn mit 30 bar eingesetzt. Zusätzlich zu den bisherigen Einsparungen sieht Frank Pesch sogar noch weiteres Potenzial: „Dank der hohen Pro-zesssicherheit ist es künftig vielleicht sogar denkbar, bei neuen Projekten komplette Ersatzwerkzeuge einzusparen.“ . (qui)

*

(ID:28200400)