Formel-1-erprobt Modulares Filtersystem für Straßenabläufe besteht Härtetest

Quelle: TU Berlin 2 min Lesedauer

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Wie lassen sich Reifen- und Bremsabrieb direkt am Entstehungsort auffangen, ohne bei Starkregen das Abfließen des Wassers zu blockieren? Ein Projektteam der TU Berlin hat dafür ein modulares Filtersystem entwickelt. Die Prototypen kamen nun unter Extrembedingungen bei der Formel 1 in Zandvoort zum Einsatz.

Beim Dutch Grand Prix 2026 kamen Ende August erstmals zwei Filtersysteme der TU Berlin im Spitzenmotorsport zum Einsatz.(Bild:  Audi Revolut F1 Team)
Beim Dutch Grand Prix 2026 kamen Ende August erstmals zwei Filtersysteme der TU Berlin im Spitzenmotorsport zum Einsatz.
(Bild: Audi Revolut F1 Team)

Wenn es auf Straßen und Rennstrecken regnet, wird eine hochkomplexe Mischung aus Reifenabrieb, Bremsstaub, Mikroplastik und Straßenschmutz weggespült. Um diese Partikel nicht erst aus der Kanalisation filtern zu müssen, hat die TU Berlin (Fachgebiet Wasserwirtschaft) im Projekt Urbanfilter ein Konzept entwickelt, das den Schmutz direkt im Straßenablauf zurückhält. Am 22. und 23. August 2026 wurde das System gemeinsam mit dem Motorsport-Weltverband FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) beim Formel-1-Grand-Prix im niederländischen Zandvoort auf Herz und Nieren getestet. 

Die konstruktive Herausforderung: Filterleistung vs. Volumenstrom

Das an der TU Berlin entwickelte Urbanfilter-Konzept filtert Verunreinigungen wie Reifenabrieb sowie Bremsstaub, Mikroplastik und andere Schadstoffe, die sich auf der Straßenoberfläche ablagern.(Bild:  Fédération Internationale de l’Automobile (FIA))
Das an der TU Berlin entwickelte Urbanfilter-Konzept filtert Verunreinigungen wie Reifenabrieb sowie Bremsstaub, Mikroplastik und andere Schadstoffe, die sich auf der Straßenoberfläche ablagern.
(Bild: Fédération Internationale de l’Automobile (FIA))

Die zentrale Aufgabe bei der Entwicklung eines solchen Systems ist der klassische Zielkonflikt der Fluidtechnik: Ein Filter muss feine Partikel zuverlässig abscheiden, darf aber bei starken Niederschlägen den Volumenstrom des abfließenden Wassers nicht blockieren – andernfalls droht Aquaplaning. Zudem sind die Belastungen durch Verkehrsaufkommen, Straßenführung und Niederschlagsmengen je nach Standort höchst unterschiedlich.
Die Entwickler setzten daher auf ein modulares Konzept, das sich flexibel konfigurieren lässt. Das System besteht aus verschiedenen Filterstufen – von groben Rückhaltesystemen bis hin zur Feinfiltration im unteren Bereich des Schachts. Durch dieses Stufenprinzip und intelligente Bypass-Lösungen wird gewährleistet, dass das Regenwasser auch bei extremen Wetterereignissen weiterhin zuverlässig abfließen kann. Bei bisherigen Labor- und Feldtests konnten je nach Konfiguration Rückhalteraten von bis zu 99 Prozent erzielt werden.

Prototypenbau in Rekordzeit


Für den Einsatz im Spitzenmotorsport mussten die Ingenieure die Spezifikationen der Filter exakt an die Gegebenheiten der Rennstrecke anpassen. Bereits im Vorfeld nahmen die Forschenden Proben am Circuit Zandvoort, um die Partikelgrößenverteilung unter Motorsportbedingungen zu analysieren. Auf Basis dieser Daten wurden innerhalb von etwas mehr als einem Jahr zwei spezifische Filtersysteme konstruiert und gefertigt.
Die beiden Prototypen wurden in das Entwässerungssystem der Strecke eingebaut und erfassten gemeinsam das Regenwasser einer rund 3.300 Quadratmeter großen Fläche im Bereich der Boxengasse und der ersten Kurve (Tarzanbocht).„Aus wissenschaftlicher Sicht bietet uns die Zusammenarbeit mit der FIA eine einzigartige Gelegenheit, Partikelemissionen im Motorsport unter realen Bedingungen zu untersuchen und zugleich zu sehen, wie sich unser Urbanfilter-Konzept bei einem Formel-1-Rennen bewährt“, erklärt Dr. Johannes Neupert, Projektleiter an der TU Berlin.

Auswertung der Betriebsdaten für die Serienentwicklung

Die Grundlagen für Urbanfilter wurden an der TU Berlin mit Unterstützung der Audi Stiftung für Umwelt und Partnern aus der Industrie, wie etwa dem Filtertechnik-Spezialisten GKD, entwickelt.
Nach dem Rennwochenende werten die Entwickler nun die gesammelten Partikel sowie die Betriebsdaten der Prototypen aus. Diese Erkenntnisse zu Leistungsfähigkeit und Wartungsfreundlichkeit unter stark wechselnden Belastungen sollen direkt in die weitere Optimierung der Filtermodule fließen, um das System künftig flächendeckend in kommunalen Straßenabläufen einsetzen zu können.

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