Solar Impulse 2

Erste Weltumrundung im Solarflugzeug vollendet

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Kommerzielle solare Luftfahrt noch weit entfernt

Factsheet zur Reise der Solar Impulse 2: Auf der etwa 42.000 km und insgesamt 510 Flugstunden währenden Weltumrundung stellte das Solarflugzeug 19 Weltrekorde auf.
Factsheet zur Reise der Solar Impulse 2: Auf der etwa 42.000 km und insgesamt 510 Flugstunden währenden Weltumrundung stellte das Solarflugzeug 19 Weltrekorde auf.
(Bild: Solar Impulse)

Heißt das, wir können in absehbarer Zeit quasi mit der Sonne in den Urlaub fliegen, und der Kerosin-Zuschlag fällt weg? Nein. Denn was Reiseveranstalter wohl als netten Werbeslogan aufgreifen würden, bleibt trotz der eindrucksvollen „Si2“-Rekorde nach Einschätzung der meisten Experten auf lange Zeit Utopie.

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Dass Flugzeuge von Elektromotoren durch die Lüfte getragen werden, halten Forscher zwar für realistisch. Aber aus Solarzellen könne die erforderliche Antriebsenergie für Passagierflugzeuge einfach nicht gewonnen werden. Schon um mit nur einer Person zu fliegen, brauchte „Si2“ mehr als 200 Quadratmeter Fläche für Solarzellen auf den Flügeln. Für 100 Passagiere und hohe Fluggeschwindigkeiten wären jedoch mehrere Quadratkilometer nötig.

Die Lösung auf dem Weg zum emissionsarmen Fliegen mit Elektromotoren seien Hybride aus Gasturbinen oder Wasserstoffbrennzellen und Hochleistungsbatterien, sagt Josef Kallo. „Speziell mit Wasserstoffbrennstoffzelle funktioniert ein viersitziges Flugzeug namens "HY4", das wir beim DLR entwickelt haben. Ende September soll es in Stuttgart zum offiziellen Erstflug starten.“

Bis zur Serienreife dieses deutschen Elektro-Viersitzers sei „noch Fleißarbeit von fünf bis sieben Jahren erforderlich“, sagt Kallo. Dann könne „HY4“ zum Beispiel als Lufttaxi auf kurzen Strecken eingesetzt werden. „Bis 20-Sitzer mit Wasserstoffbrennzellen unterwegs sind, dürften noch 15 Jahre vergehen, bei 70-Sitzern etwa 20 Jahre“, schätzt der DLR-Forscher.

Auch in den USA und anderen Ländern wird an der Entwicklung solcher Flugzeuge gearbeitet. Überall wird aber nur mit kleineren Maschinen und geringen Reichweiten gerechnet. Der Mittel- und Langstreckenverkehr bleibt auf lange Zeit den Kerosin-Fliegern vorbehalten - und er wird noch zunehmen.

Die Flugzeugbauer Airbus und Boeing erklärten kürzlich, dass sie mit starken Zuwächsen im Luftverkehr rechnen - vor allem in aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie Indien, China oder Brasilien. Nach ihren Schätzungen werden Airlines weltweit in den nächsten 20 Jahren zwischen 33.000 und 40.000 neue Flugzeuge mit jeweils mindestens 100 Sitzplätzen anschaffen.

Der Gesamtwert liegt laut Schätzungen bei über fünf Billionen Euro. Wenigstens ein kleiner Teil davon könnte mit umweltschonenden Technologien verdient werden, meint DLR-Forscher Böswald. Die Schweizer hätten für „Si2“ Innovationen geschaffen, die bei der Konstruktion herkömmlicher Flugzeuge verwendbar wäre. Denkbar sei zum Beispiel, dass eines Tages mit Solarzellen auf den Tragflächen ein Teil der für die Bordversorgung benötigten Energie gewonnen wird.

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