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Greifsysteme Einfach und schnell programmierbare Greifsysteme für Cobots

| Redakteur: Jan Vollmuth

Kollaborative Robotik boomt. Kein Wunder: Cobots machen die Produk­tion flexibler. konstruktionspraxis sprach mit Björn Milsch, General Manager DACH & Benelux bei Onrobot, über intelligente Greifwerkzeuge, die Vorteile der Mensch-Roboter- Kollaboration und aktuelle Trends.

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Dank ausgefeilter Sensorik können End-of-Arm-Tools auch Tätigkeiten übernehmen, die Fingerspitzengefühl erfordern – beispielsweise Schleifen, Polieren oder Entgraten.
Dank ausgefeilter Sensorik können End-of-Arm-Tools auch Tätigkeiten übernehmen, die Fingerspitzengefühl erfordern – beispielsweise Schleifen, Polieren oder Entgraten.
(Bild: OnRobot)

Onrobot legt mit seinen intelligenten End-of-Arm-Tools (EoAT) den Schwerpunkt auf MRK-Applikationen. Was verstehen Sie unter intelligenten Tools?

Intelligente Tools besitzen die Fähigkeit, ihre Bewegungen selbst zu steuern und komplexe Bewegungs- und Schrittfolgen lernen zu können. Sie können sehen und tasten und bis zu einem gewissen Grad auch verstehen. Dies erfordert die richtige Kombination aus Software und Sensorik. Sensoren liefern den nötigen Input, die Software setzt diesen in die Bewegung um und steuert so den Roboter. Dies ist etwa bei der Oberflächenveredelung entscheidend: Nur durch eine sensorgestützte Kraftkontrolle ist es dem Cobot möglich, den Konturen des Objekts zu folgen und so ein Überpolieren zu vermeiden.

Für welche Cobots sind diese geeignet?

Kompatibilität haben wir uns groß auf die Fahne geschrieben. Wir präsentieren mitunter auf der diesjährigen Motek Onrobot-Tools an Cobots unterschiedlicher Hersteller. Unser System ist mit allen gängigen Robotern kompatibel. Aktuell funktioniert es z.B. mit Robotern von UR, Kuka, Fanuc, Yaskawa, Kawasaki, Nachi, Techman oder Doosan. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Nutzung unserer Tools für weitere Robotermarken zu ermöglichen, damit Anwender das Potenzial unseres Systems voll ausschöpfen können.

Welche Zielgruppe sprechen Sie an und wie profitiert diese von Ihren Produkten?

Durch die kurze Integrationszeit und die einfache Programmierung amortisieren sich die Kosten der EoAT sehr schnell. Sie sind damit insbesondere, aber nicht nur, für kleine und mittelständische Fertigungsbetriebe attraktiv. Für diese ist die Anschaffung eines herkömmlichen Industrieroboters oft zu komplex und unrentabel. Zudem profitieren Kleinserienfertiger von der Flexibilität, die ihnen Greifer, Werkzeugwechsler und Sensoren von Onrobot bieten. Die Werkzeuge lassen sich innerhalb von wenigen Minuten an eine neue Aufgabe anpassen. Mitarbeiter können dabei einzelne Anwendungen schnell und einfach programmieren, ohne selbst Programmierkenntnisse zu besitzen.

In welchen MRK-Anwendungen werden Ihre Tools typischerweise eingesetzt?

Dank Kraft-Drehmoment-Sensoren in seinen Fingerspitzen kann der RG2-FT auch äußerst anspruchsvolle Montageaufgaben übernehmen.
Dank Kraft-Drehmoment-Sensoren in seinen Fingerspitzen kann der RG2-FT auch äußerst anspruchsvolle Montageaufgaben übernehmen.
(Bild: OnRobot)

Der Hauptanwendungsbereich ist je nach Greifermodell sehr unterschiedlich. Vor allem kommen unsere Greifer in der Montage und Bestückung zum Einsatz, aber auch im Bereich Verpacken und Palettieren sowie in der Qualitätsprüfung. Der Markt entwickelt sich aber so rasant, dass wir in zwei Jahren Anwendungsgebiete haben werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Große Fortschritte haben wir ja bereits in der Fein- und Präzisionsmontage gemacht. Mit intelligenten Sensoren ausgestattete Greifer wie etwa der RG2-FT können ihre Kraft kontrollieren und Werkstücke greifen, ohne vorher die genauen Parameter zu kennen. Diese Kraftkontrolle und die dadurch entstehende Feinfühligkeit ermöglichen es, auch filigrane oder leicht zerbrechliche Gegenstände zu handhaben, etwa Reagenzgläser. Auch das Schleifen, Entgraten und Polieren sind durch die Kombination von Greifern mit geeigneten Sensoren möglich geworden.

Was verstehen Sie unter kollaborativ?

Kollaborativ bedeutet für uns, dass Mensch und Maschine sicher Seite an Seite zusammenarbeiten können. Für unsere Produkte im Speziellen bedeutet das aber auch, dass sie einfach und schnell programmierbar sein müssen sowie dem Anwender ein Höchstmaß an Flexibilität bieten. Flexibel auch in dem Sinne, dass wir die Werkzeuge, Sensoren und Software für verschiedene Aufgaben zur Verfügung stellen. Auf der Motek können sich die Besucher von der leichten Programmierbarkeit unserer kollaborativen Tools überzeugen: Dort haben sie die Möglichkeit, einmal selbst Hand anzulegen und eine Anwendung zu programmieren.

Welche Trends sehen Sie in Ihrem Marktsegment?

Wenn wir die aktuelle Situation auf dem Cobot-Markt betrachten, dann sehen wir ein starke Entwicklung auf uns zukommen. Die Prognosen schreiben diesem eine jährliche Wachstumsrate von 50 Prozent zu, so eine aktuelle Studie von Markets and Markets. Im Jahr 2025 wird der Markt für kollaborative Robotik dadurch ein Volumen von knapp 11 Milliarden Euro erreicht haben. Zudem prognostiziert der Wirtschaftsverband Robotics Industries Association, dass Cobots bis dahin mehr als ein Drittel aller eingesetzten Industrieroboter ausmachen werden.

Allgemein beobachten wir weiterhin den Trend zur Individualisierung in der Produktion. Für uns bedeutet das, unsere flexiblen Lösungen weiterzuentwickeln und die Automatisierung neuer Anwendungsbereiche voranzutreiben. So können wir Unternehmen auf diesem Weg am besten unterstützen.

Ein weiteres spannendes Thema ist „Robots as a service“. Es gibt bereits einige Unternehmen, die sich auf den Verleih von kollaborativen Applikationen spezialisiert haben. Dies bedeutet, Unternehmen mieten Automatisierung, in der Regel für einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten. Dass ein solches Geschäftsmodell überhaupt entsteht, ist alleine schon bezeichnend für die aktuelle Nachfrage nach Automatisierungslösungen.

Was plant Onrobot für die Zukunft, gibt es neue Produkte?

Björn Milsch ist seit April 2019 General Manager DACH & Benelux bei OnRobot.
Björn Milsch ist seit April 2019 General Manager DACH & Benelux bei OnRobot.
(Bild: OnRobot)

Unser Ziel ist es, der globale One-Stop-Shop für intelligentes End-of-Arm-Tooling (EoAT) zu sein, damit möglichst viele Unternehmen, egal welcher Größe, von den Vorteilen der Automatisierung profitieren. Der Begriff End-of-Arm-Tooling schließt jegliche Komponente ein, die ein Cobot benötigt. Dazu zählen sowohl Greifer, Sensoren, Werkzeugwechsler als auch Software und Vision-Systeme. Um unser Ziel zu erreichen, werden bis zum nächsten Sommer unser Produktportfolio auf mindestens 40 Produkte erweitern. So können wir unseren Kunden eine Lösung für alle Herausforderungen der Automatisierung bieten.

Vielen Dank Herr Milsch.

Motek 2019: Halle 7, Stand 7303 und 7515

Buchtipp

Das Buch Industrieroboter ist ein Handbuch für KMU mit Tipps und Tricks zum Thema Robotereinsatz. Es werden die wichtigsten Grundlagen der Robotertechnik vermittelt und Methoden erläutert, wie bewertet werden kann, ob sich ein Produkt oder Prozess durch Robotereinsatz automatisieren lässt.

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