Interview Vakuumtechnik

Digitalisierung als Vorteil in der Vakuumautomation?

| Redakteur: Bernhard Richter

Walter Dunkmann, Leiter Geschäftsfeld Vakuum-Automation, J. Schmalz GmbH
Walter Dunkmann, Leiter Geschäftsfeld Vakuum-Automation, J. Schmalz GmbH (Bild: J.Schmalz)

Auch im Bereich der Vakuumtechnik bleibt das Thema Digitalisierung nicht aus. Welche nutzbaren Vorteile gehen damit für die Vakuumautomation einher? Antworten gibt Walter Dunkmann, Leiter des Geschäftsfeldes Vakuum-Automation bei der J. Schmalz GmbH, im Interview mit der konstruktionspraxis.

Alle sprechen über die Digitalisierung. Oft scheint es aber so, dass das Thema trotzdem nicht so richtig Fahrt aufnimmt. Warum?

Das Thema Digitalisierung wird nun schon länger über alle Ebenen diskutiert. Und obwohl inzwischen technisch vieles möglich ist und es zahlreiche Lösungen am Markt gibt, ist dem Anwender oft nicht klar, welchen konkreten Nutzen er aus der Digitalisierung ziehen kann. Das heißt, er braucht mehr als universelle Versprechen und Worthülsen wie „Effizienzsteigerung“ oder „Marktwachstum“.

Letztlich geht es doch darum, gemeinsam mit dem Kunden dessen Anwendungen zu analysieren und die für ihn nutzbaren Vorteile der Digitalisierung aufzuzeigen. Beispielsweise Informationen zum aktuellen Status wie dem momentanen Leistungsstand oder dem Zustand der Anlage, Prognosen zur Lebensdauer von Komponenten oder Empfehlungen zur nächsten Wartung. Und genau das fehlt bislang häufig. Zudem reicht es nicht, dem Anwender die Daten nur zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss er möglichst einfach und ortsungebunden Daten erfassen und übertragen können.

Wir rüsten daher inzwischen alle unsere mechatronischen Komponenten wie Vakuum-Erzeuger oder Schalter mit Nahfeldkommunikation (NFC) aus. Das bedeutet, dass der Anwender wichtige Prozess- oder Anlagendaten per Smartphone oder Tablet direkt aus dem Prozessor des Feldgerätes auslesen kann. Zudem programmieren wir Apps, mit denen unsere NFC-fähigen Geräte nicht nur lesbar, sondern auch beschreibbar sind.

Ich kann sie also per Smartphone in Betrieb nehmen oder auch parametrieren. Der nächste Schritt für uns wird sein, diese Daten in die Cloud zu laden. So kann ich von überall, also unabhängig von Ort und auch Zeit, abfragen wie meine Maschine oder Anlage am anderen Ende der Welt läuft. Und ich kann Anlagen miteinander vergleichen. Drei Merkmale sind meiner Meinung nach entscheidend dafür, dass ein Kunde das Produkt einsetzt: Die Digitalisierungsmöglichkeit des Gerätes an sich, die Konnektivität und die Verwendbarkeit der Daten in der Cloud mittels Apps.

Warum tun sich Unternehmen so schwer, ihren Kunden den Mehrwert von digitalisierten Prozessen aufzuzeigen?

Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern sollte für den Anwender immer mit einem Mehrwert verbunden sein. Wenn ich Daten nicht aufbereitet und nicht verdichtet bereitstelle – quasi nach dem Gießkannen-Prinzip – hat der Kunde nichts davon. Im Gegenteil: Er trägt dann beispielsweise hohe Kosten der Datenbevorratung. Dies gilt sowohl hard- wie auch softwareseitig. Und selbst wenn Lösungen bereitstehen, die dem Anwender die richtigen Daten sinnvoll aufbereitet zur Verfügung stellen, steht immer noch die Frage im Raum, worin der daraus resultierende Nutzen für den Anwender besteht.

Ergänzendes zum Thema
 
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Sprich: Was ist der Anwender letztlich bereit zu zahlen? Für viele Anbieter von Digitalisierungslösungen ist dieser Spagat zwischen „Aufwand“ und „Nutzen“ noch nicht ausreichend definiert. Für uns bei Schmalz ist es wichtig, genau aufzuzeigen, was unsere Produkte leisten können und wie sie dann dem Anwender weiterhelfen. Nehmen wir beispielsweise unseren Vakuum-Erzeuger, die „Cobot Pump“: Über eine Datenschnittstelle liefert sie dem Nutzer Energie- und Prozessdaten. Aus diesen Daten leiteten sich konkrete Handlungsempfehlungen für eine nächste Wartung ab und helfen ungewollte Stillstände zu vermeiden.

Welchen Weg geht das Unternehmen J. Schmalz denn nun konkret?

Wir zeigen beispielsweise wie die „digitale Version“ von Predictive Maintenance aussieht. Dazu braucht es nicht einmal eine große Infrastruktur: Vakuum-Komponenten in Verbindung mit einer App und einem Smartphone liefern eine Menge an Daten, um den Prozess weiter zu optimieren, Fehler im System frühzeitig zu erkennen oder den Energieverbrauch einer Anlage zielgerichtet zu reduzieren.

Mit der App als „Leitstand to Go“ kann der Anwender seine Geräte per Smartphone oder Tablet installieren, parametrieren und bedienen.

Was hat der Anwender davon?

Nun, wenn ein Greifsystem oder eine Anlage stillsteht, liefert die App eindeutige Hinweise auf die Fehlerquelle – und keine kryptischen Fehlercodes. Um das Ausfallrisiko des Gerätes zu minimieren, ermöglicht die App eine vorausschauende Verschleißüberwachung: So kann eine Erinnerung für eine vorausschauende Wartung und eine Liste möglicher Verschleißteile hinterlegt werden.

Der Anwender kann dann schnell eingreifen – wenn es nötig sein sollte – und die Servicezeiten können sich dadurch um bis zu 80 % reduzieren. Diese Möglichkeiten, die der Kunde damit hat, sind dann ein für seinen Anwender ein wirklich messbarer Mehrwert und Nutzen, der erst durch die Digitalisierung möglich gemacht wird.

Vielen Dank Herr Dunkmann.

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