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Digitalisierung Digital-vernetztes Denken bringt den Maschinenbau voran

Redakteur: Katharina Juschkat

Die Maschinenbau-Industrie ist bei digital-vernetzten Produkten und Services führend, das zeigt eine Studie des Instituts für Lernen und Innovation in Netzwerken der Hochschule Karlsruhe und des Fraunhofer ISI. In der Personalentwicklung besteht laut der Studie noch Nachholbedarf.

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Die Studie zeigt, dass Unternehmen die digitale Vernetzung in Angeboten und eigener Produktion mit hoher Dynamik verfolgen.
Die Studie zeigt, dass Unternehmen die digitale Vernetzung in Angeboten und eigener Produktion mit hoher Dynamik verfolgen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Industrie 4.0 ist in den Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus angekommen. „Vor allem als Anbieter digital-vernetzter Technologien und Services nehmen wir eine Führungsrolle im Verarbeitenden Gewerbe ein“, sagt Dr. Manfred Wittenstein, Aufsichtsratsvorsitzender der Wittenstein SE anlässlich der Veröffentlichung der Impuls-Studie „Digital-vernetztes Denken in der Produktion”.

Dr. Wittenstein, der auch im Kuratoriumsvorsitz der Impuls-Stiftung des VDMA ist, erklärt: „Die technologische Dynamik ist hoch und die Maschinenbauindustrie arbeitet als klassischer Technologie-Integrator intensiv an neuen Lösungen. Allerdings besteht in vielen Betrieben noch Nachholbedarf in der Personalentwicklung.“

Durchgeführt wurde die Studie vom Institut für Lernen und Innovation in Netzwerken (Ilin) der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Digitalisierungsstrategie in vielen Unternehmen bereits vorhanden

Ein Drittel der befragten Unternehmen hat bereits eine dezidierte Digitalisierungsstrategie, ein weiteres Viertel will in den nächsten drei Jahren eine Digitalisierungsstrategie einführen. „Das zeigt die hohe strategische Bedeutung der digitalen Vernetzung in den Unternehmen“, sagt Prof. Dr. Steffen Kinkel, Leiter des Ilin an der Hochschule Karlsruhe.

In der Personalentwicklung dagegen beschäftigt sich bislang nur jedes fünfte Unternehmen strategisch mit den Herausforderungen der Digitalisierung. „Digital-vernetztes Innovieren erfolgt im Grenzbereich von Disziplinen und Geschäftsbereichen. Dafür sind Offenheit und interdisziplinäres Verständnis notwendig“, erklärt Rainer Glatz, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Software und Digitalisierung.

„Für die weitreichende digitale Transformation sind zudem eine positive Fehlerkultur und der Mut zum schnellen Scheitern unumgänglich, um Dinge pragmatisch ausprobieren zu können und aus den gemachten Erfahrungen schnell zu lernen“, ergänzt Kinkel.

Hohe Entwicklungsdynamik bei datenbasierten Diensten

Als Wegbereiter für neue Geschäftsmodelle in der digital-vernetzten Welt dienen datenbasierte Dienste oder Predictive-Maintenance-Modelle. Hier zeigt sich zwar, dass diese Services bislang noch von recht wenigen Unternehmen angeboten werden. Dafür werden laut dem VDMA diese Technologien überwiegend selbst entwickelt und die Dynamik bezüglich der in den nächsten drei Jahren geplanten Einführungen ist sehr hoch.

Schlüsselkompetenzen für die digitale Vernetzung liegen in der Softwareentwicklung von modularen Applikationen (Apps), in der Programmierung der Maschinen- und Anlagensteuerungen sowie in der Analyse komplexer Daten und im Verständnis der Kundenprobleme. Von hoher Bedeutung sind auch Kompetenzen in der IT-Sicherheit und beim benutzerorientierten IT-Design.

Kompetenzaufbau ist eine zentrale Herausforderung

Da ein interdisziplinäres Vorgehen immer wichtiger wird, sollten Mitarbeiter der verschiedenen Ingenieur- und IT-Disziplinen sowie Facharbeiter bei Projekten konsequent zusammenarbeiten. „Wichtig ist, die Sichtweise der verschiedenen Welten besser verstehen zu lernen“, erklärt Kinkel. Eine große Herausforderung liegt daher im Auf- und Ausbau von Digitalisierungskompetenzen. Bei der Rekrutierung entsprechender IT- und Software-Spezialisten haben kleine Unternehmen eher Schwierigkeiten als große Unternehmen. Sie lagern daher häufiger ihre Softwareentwicklung an externe Dienstleister aus.

Eine weitere strategische Option ist die Ausgliederung eigener IT- und Softwareunternehmen für mehr Flexibilität und Entwicklungsgeschwindigkeit. Ein erstaunlich hoher Anteil (ein Fünftel) der befragten Unternehmen ist hier bereits aktiv.

Potenziale von agilen und designorientierten Entwicklungsprozessen heben

Zunehmend wichtig wird auch die Bereitschaft der Unternehmen zum raschen Experimentieren, Testen und Lernen. „Hier kommt agilen und designorientierten Entwicklungsprozessen eine Schlüsselrolle zu“, erläutert VDMA-Experte Glatz. Wie die Studie zeigt, können diese Methoden die Fähigkeit zur eigenen Entwicklung digitaler Produkte und Services signifikant befruchten. Bislang werden sie von relativ wenigen Unternehmen eingesetzt, hier besteht durchaus noch Potenzial. Weiterhin zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Lean-Konzepten und der Fähigkeit der Unternehmen zur Nutzung digital-vernetzter Technologien in den eigenen Produktionsprozessen. Schlanke, geordnete Prozesse nach Lean-Prinzipien sind demnach eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Technikadaption.

Interessierte Unternehmen haben die Möglichkeit, die im Rahmen der Studie generierte Datenbasis für eine Online-Selbstverortung zu nutzen. Das Online-Benchmarking kann hier genutzt werden. (kj)

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