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Industriestandort Schweiz

Die Schweiz setzt auf Innovation

| Redakteur: Ute Drescher

Schweizer Unternehmen gehören zu den innovativsten in Europa. Das belegen ganz unterschiedliche Beispiele.

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Das Swissloop-Team beim diesjährigen Hyperloop-Wettbewerb.
Das Swissloop-Team beim diesjährigen Hyperloop-Wettbewerb.
(Bild: Swissloop)

Im neunten Jahr in Folge hat die Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) die Schweiz zum innovativsten Land der Welt gekürt. Die Schweiz investiert nicht nur besonders viel in Innovation, sondern kann auch gute Ergebnisse vorweisen – etwa bei den Patentanmeldungen. So war die Schweiz 2018 erneut das Land mit den meisten europäischen Patentanmeldungen pro Million Einwohner. Mit 956 Patentanmeldungen erreichte die Zahl 2018 einen neuen Höchstwert. Der EU-Durchschnitt lag bei 139 Anmeldungen pro Million Einwohner, so Zahlen des Europäischen Patentamtes. Gleichzeitig sind die Jahresgebühren für Schweizer Patente am 1. Juli 2019 gesenkt worden. Damit werden Patentschutz und Kosten für Innovationen günstiger.

SeminartippIm Seminar Patentrecht für Ingenieure und Konstrukteure lernen Teilnehmer, wie sie Patente richtig lesen und auslegen. Zudem geht es um die Möglichkeiten, Innovationen schützen zu lassen, den Ablauf von der Idee bis zum Patent, strategische Entscheidungen zu Kosten und Nutzen sowie die Verletzung eigener Schutzrechte und Schutzrechte Dritter bei Produktneueinführungen.
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Zürich ist innovativste Region Europas

Auch der Innovationsanzeiger der EU bewertet die Innovationsleistung der Schweiz sehr hoch. Besonders stark seien das Forschungssystem und die hohen Forschungsausgaben. In einem einem zusätzlichen Bericht der EU-Kommission zur Innovationsleistung einzelner europäischer Regionen belegen zwei Schweizer Regionen die Spitzenplätze: Zürich ist demnach die innovativste Region in ganz Europa, auf Platz zwei folgt das Tessin.

Swissloop erreicht zweiten Platz bei der Hyperloop Pod Competition

Beispiele belgen diese Zahlen: So beschleunigte die Transportkapsel von Swissloop auf 252 km/h beim Finale der Hyperloop Pod Competition in Los Angeles. Die Studierenden der ETH Zürich und anderer Schweizer Hochschulen sicherten sich damit den zweiten Platz. Mit diesem Geschwindigkeitswettbewerb möchte Space-X-Gründer Elon Musk die Hyperloop-Technologie fördern. So sollen mit Gütern oder Personen beladene Kapseln, sogenannte Pods, mit bis zu 1200 km/h durch Vakuumröhren fahren. Swissloop trat auf der 1,25 km langen Teststrecke auf dem Space-X-Gelände gegen die Teams der TU München, der TU Delft und der EPFL an. Geschlagen wurde Swissloop nur von dem Team der TU München, deren Pod mit 463 km/h ihren eigenen Rekord aus dem Vorjahr brach.

Atomare Vibrationen steuern Wärmeleitfähigkeit

Zwei Lagen Galliumphosphid, die gegeneinander um 60° verdreht sind.
Zwei Lagen Galliumphosphid, die gegeneinander um 60° verdreht sind.
(Bild: Departement Physik, Universität Basel)

Ein weiteres aktuelles Beispiel stammt aus der Forschung. In der Elektronik- und Computerindustrie werden die Komponenten immer kleiner und leistungsfähiger. Problematisch ist dabei die Wärmeentwicklung, die durch mechanische Wellen zustande kommt. Daher ist es wichtig, diese Wellen – sogenannte Phononen – genau zu untersuchen und ihr Verhalten im Material zu verstehen.

Die Forschung geht heute sogar noch einen Schritt weiter und entwirft ganz gezielt Materialien, mit denen sich die Ausbreitung der Phononen steuern lässt. Zum einen, um Materialien herzustellen, die Wärme sehr schnell abgeben und sich daher nur wenig aufheizen. Zum anderen, um Wärmeunterschiede möglichst lange aufrecht zu halten und zur Stromerzeugung zu nutzen.

Forschende der Universität Basel haben in einer internationalen Zusammenarbeit gezeigt, dass sich allein durch die Anordnung von Atomen in Nanodrähten atomare Vibrationen steuern lassen, welche die Wärmeleitfähigkeit bestimmen.

Gute Beziehungen zu den Nachbarn

Neben der hohen Innovationskraft ist die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall (MEM)-Industrie eng mit den Nachbarregionen verflochten: Der Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie Swissmem hat beim BAK Economics dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Danach exportierte die MEM-Industrie letztes Jahr insgesamt Güter im Wert von 13,4 Mrd. SFR. Der größte Anteil daran entfällt auf Baden-Württemberg und Bayern.

Die Nachbarregionen sind aber nicht nur wichtige Abnehmer von Schweizer Produkten, sie spielen auch eine zentrale Rolle als Beschaffungsmarkt. Rund ein Viertel der Importe tätigt die Schweizer MEM-Industrie in den angrenzenden Ländern. Die Nachbarregionen sind damit für die Schweizer MEM-Industrie von deutlich größerer Bedeutung als für die Schweizer Gesamtwirtschaft.

Darüber hinaus beschäftigt die MEM-Industrie außerhalb der Schweiz über 500.000 Mitarbeiter, deutlich mehr als im Land selbst. Jedes zweite Unternehmen, das eine Betriebsstätte im Ausland führt, hat auch einen eigenen Betrieb in der unmittelbaren Nachbarschaft. Diese Betriebe sind eng in die Wertschöpfungsketten integriert: Zwischenprodukte werden bei rund einem Drittel der Betriebe mindestens einmal über die Grenze und wieder zurück transportiert, bis das Endprodukt fertig ist.

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