Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Weckers

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: der Wecker.

Von schrillem Klingeln bis leisem Vogelgezwitscher: Die Bandbreite der Wecktöne ist ebenso breit wie die der Wecker, die im Laufe der Jahrhunderte im Einsatz waren.
Von schrillem Klingeln bis leisem Vogelgezwitscher: Die Bandbreite der Wecktöne ist ebenso breit wie die der Wecker, die im Laufe der Jahrhunderte im Einsatz waren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Möglicherweise nimmt er bei Ihnen gerade eine Auszeit, da Sommerzeit auch Urlaubszeit ist: der Wecker. Wenn er auch vielleicht nicht für Jedermann zur beliebtesten Erfindung der Menschheit zählt, so ist er doch ein Alltagsgegenstand, der sicherlich in jedem Haushalt zu finden ist. Seine Geschichte ist lang und bewegt, denn schon Platon wird die Erfindung eines Weckers zugeschrieben – etwa um das Jahr 400 v. Chr.

Und zwar funktionierte Platon, der wohl wenig schlafen und viel denken wollte, einfach eine Wasseruhr um. Das Gefäß der Wasseruhr, das Tropfen für Tropfen gefüllt wurde, entleerte sich dann bei einem bestimmten Wasserstand in ein drittes Gefäß. Die durch das einströmende Wasser verdrängte Luft strömte durch ein Pfeifventil – der Pfeifton weckte Platon.

Auch Kerzen wurden lange zur Zeitmessung und als Wecker verwendet. Die ältesten Varianten dieser Kerzen-Uhren verfügten über eine Skala und wurden in China verwendet, die europäische Variante enthielt Metallkugeln oder Nägel: Nach dem langsamen Abbrennen der Kerze fielen sie in eine Metalldose. Durch dieses Geräusch sollte man aus dem Bett getrieben werden.

Kuriose Wecktechniken

Auch Leonardo da Vinci (1452 - 1519) wird die Erfindung eines Weckers nachgesagt, der zwar leiser, aber keinesfalls sanfter gewesen sein soll: Da Vinci erfand eine Maschine, die dem Schlafenden nach einer bestimmten Zeit mit einem Hebel die Decke wegzog oder einfach sein Bett zum Wackeln brachte.

Ein deutscher Tüftler erfand schließlich einen Wecker, der statt zu klingeln den oberen Teil des Bettes nach oben schnellen ließ, damit der Schlafende plötzlich aufrecht sitzen musste, liest man. Ein anderer griff da Vincis Idee der weggezogenen Bettdecke wieder auf und ein dritter erfand eine Armbanduhr, die ihren Träger zur Weckzeit ins Handgelenk piekste.

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Die Erfindung des mechanischen Weckers

Der Augsburger Uhrmacher Elias Weckherlin fertigte um 1650 eine Uhr mit Weckwerk, die sich heute in der Uhrensammlung des British Museum befindet. Nahe liegend ist, dass der Name Weckherlin den Ursprung des heutigen deutschen Begriffes Wecker bildet. Als Luxusgut waren ab dem 17. Jahrhundert auch schon übergroße Taschenuhren mit Wecker verfügbar.

Die Erfindung eines der ersten mechanischen Weckers, wie wir ihn kennen, gebührt einem Mann namens Levi Hutchins aus den USA: 1787 konstruierte er ein Gehäuse aus Pinienholz, in das er eine seiner vorhandenen Messinguhren einbaute. Mithilfe eines Zahnrades löste die Uhr um vier Uhr morgens einen Schlag auf eine Glocke aus. Der Wecker besaß noch keine Möglichkeit, eine andere Weckzeit einzustellen. Dies gelang erst dem Franzosen Antoine Redier im Jahr 1847. Bei diesem war es nun möglich, individuelle Weckzeiten einzustellen.

Fabrikpfeifen und Fensterklopfer ersetzen Sonnenaufgang und Hahn

Wenngleich der Wecker damit erfunden war, so fand man ihn noch nicht in jedem Schlafzimmer. Doch man hatte andere Möglichkeiten als Sonnenverlauf und Hahn gefunden: Zu Beginn der Industrialisierung sorgten die Fabriken für den nötigen Weckruf der eigenen Mitarbeiter. Diese wohnten meist in der Nähe der Produktionsanlagen und konnten mit den Fabrikpfeifen an den Beginn der Arbeitszeit erinnert werden. Dieses dampfbetriebene Gerät weckte vom Werkdach aus die Bewohner der ganzen Gegend auf.

Bis in das 20. Jahrhunderts existierte deshalb immer noch ein nun ausgestorbener, damals sehr gut bezahlter Beruf: die Fensterklopfer. Mit einem Stock klopften sie an das Schlafzimmerfenster der Leute, bis diese sich zeigten. Es soll auch Fensterklopfer gegeben haben, die mit einem Rohr trockene Bohnen an das Schlafzimmerfenster schossen.

Babywecker: Aus den USA in den Schwarzwald

1871 fuhr der junge Schwarzwälder Arthur Junghans in die USA, um sich dort über den Stand der amerikanischen Uhrenproduktion zu informieren. Die amerikanische Uhrenindustrie fertigte zu diesem Zeitpunkt bereits preisgünstige Uhren maschinell. Zurück im Schwarzwald, setzte er das erworbene Wissen in seiner Fabrik in Schramberg um. Junghans übernahm nicht nur das Design – ein dosenförmiges, rundes Gehäuse aus Blech, dazu ein Uhrwerk mit einer Unruh – , sondern auch den Namen: Babywecker.

  • Das Unternehmen entwickelte für seine Wecker ein robustes Werk, das günstig in großen Mengen hergestellt werden konnte.
  • Im Innern der Blechwecker tickte ein Werk mit durchbrochenen Messingplatinen, damit ja nicht zu viel des teuren Rohmaterials verbraucht wurde.
  • Auch die Montage sollte möglichst leicht und schnell vonstattengehen. Insgesamt steckte nicht mehr als eine halbe Stunde Arbeitskraft in einem solchen Wecker. So waren Wecker verglichen mit anderen Uhrentypen konkurrenzlos günstig.
  • Die Werke dieser „Amerikaneruhren“ unterschieden sich von denen der traditionellen Uhrmacherei, denn die Konstruktion dieser Uhren war auf die industrielle Serienfertigung abgestimmt: Die meisten Einzelteile wurden aus gewalztem Messing auf Spezialmaschinen ausgestanzt. Der Gehäusekörper bestand nur noch aus einem Stück, ein runder Blechzuschnitt wurde dazu tiefgezogen.
  • Dennoch hatten die Uhren einen Vorteil: Sie konnten von Uhrmachern repariert werden.
  • Junghans selbst produzierte von seinem W10 genannten Weckwerk über ein halbes Jahrhundert hinweg viele Millionen für die unterschiedlichsten Weckergehäuse, meist mit rundem Blechgehäuse, das von Pressen in die passende Form gezogen worden war. Oben drauf thronte eine Glocke. Zudem kopierten zahlreiche Uhrenhersteller das W10.

Die Grundform des Babyweckers mit einer Glocke wurde in unzähligen Varianten abgewandelt. Teils wurde das Ticken von beweglichen Figuren begleitet, die auf dem Zifferblatt zu sehen waren. Es gab auch Modelle mit seitlich angebrachter Kerze und Streichholzhalter. Diese Ergänzungen waren praktisch, denn bis zum Ersten Weltkrieg hatten nur wenige Haushalte elektrisches Licht. Wer nachts wissen wollte, wie spät es war, musste erst ein Streichholz finden und die Kerze anzünden. 1907 mischte man bei Junghans dann Zinksulfid mit Radium und erfand damit die Leuchtmasse für Ziffern und Zeiger. So war die Zeit auf Junghans-Weckern auch nachts ohne Lichtquelle ablesbar. Ab den 1920er-Jahren wurde die Glocke eingespart: Beim Rückwandglockenwecker schellte das Gehäuse.

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Quellen:

https://blog.deutsches-uhrenmuseum.de/2022/07/01/eine-sehr-spezielle-kerzenuhr/#more-5649

www.manifatturafalomo.de/blog/schlaf-tipps/was-weckte-menschen-vor-erfindung-wecker/

www.minott-center.com/blog/inside-minott-wir-stellen-uns-vor/die-geschichte-des-weckers/

watch-wiki.org

https://junghansarchiv.de/?chash=66497b93be473d7583ab6d3f43667e80&tx_kesearch_pi1%5Bpage%5D=25&cHash=33018a5902e86311dd9a36dbb9f8ffc3

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