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Technik kurz erklärt

Die Entwicklung des Videorekorders

| Autor/ Redakteur: M.A. Bernhard Richter / Katharina Juschkat

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Der Videorekorder.

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(Bild: SABA VR6010 / Atreyu/Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Viele erinnern sich sicher noch an die Zeit der Videorekorder: Mit einem Videorekorder nahm man analoge Bild- und Tonsignale von TV-Geräten auf und spielte diese wieder ab. Das Speichermedium war eine aus dem Gerät herausnehmbare Kassette mit aufgerolltem, magnetisierbarem Kunststoffband. Zudem konnte man bereits bespielte Kassetten kaufen oder in Videotheken gegen Gebühr ausleihen.

Die verschiedenen Formate: VCR, VHS, Betamax und Video-2000

Das erste Kassettensystem führte 1971 Grundig und Philips mit VCR ein. Die Kassette hatte eine Spielzeit von rund einer Stunde und Zweikanalton. Technisch überboten wurde sie 1976 von der VHS-Kassette von JVC, die in Spielfilmlänge ohne Unterbrechung aufzeichnen konnte. Nachfolger des ersten, aber nicht erfolgreichen Videosystems VCR war Video-2000, das Ende der 70er von Grundig und Philips vorgestellt wurde.

Somit war in den 1980er Jahren der westdeutsche Heimvideomarkt von drei Systemen dominiert. Jedes System hatte eiserne Verfechter – und natürlich benötigte jedes System seinen ganz eigenen Videorekorder. Die Formate waren:

  • Betamax von Sony
  • Video-2000 von Grundig und Philips (Nachfolger von VCR)
  • „Video Home System“, besser bekannt unter VHS, von JVC

Der Formatkrieg der Videosysteme

Erbitterte Marketingscharmützel mündeten letztendlich im Formatkrieg: Sony hatte einen qualitativen Vorteil – musste das System aber gegen Piraterievorwürfe verteidigen.

Das europäische Video-2000 stand zwischen den Fronten der japanischen Großmächte und hatte anfangs mit Materialproblemen zu kämpfen. Obwohl das Kassettensystem technisch der Konkurrenz überlegen war, konnte es sich nicht durchsetzen. Mitunter daran Schuld war auch der holprige Start des neuen Formats, zu Beginn waren viele Rekorder von Grundig und Philips unzuverlässig und schnell defekt. Zudem verunsicherte Grundig und Philips ihre Kunden im Vorfeld durch verschiedene, nicht immer untereinander kompatible Videosysteme. 1986 bereits wurde die Produktion von Video-2000 eingestellt.

Und VHS, das pikanterweise auf einem Sony-Patent beruhte, betrieb im Vergleich zu den beiden Kontrahenten eine taktisch kluge Lizenzpolitik für bespielte Bänder: Während Beta und V-2000 keine explizit erwachsenen Inhalte zuließ, konnte VHS hiermit die Vorherrschaft erringen, die bis Ende der 1990er anhielt.

Das Ende der Videosysteme

Doch auch den VHS-Videosystemen war schon bald ein Ende gesetzt: Ab dem Jahr 2000 setzte sich nach und nach die digitale DVD durch, die bald auch über eine Aufnahmefunktion verfügten. Schon 2002 wurden mehr DVD- als VHS-Videos verkauft. Und im Jahr 2008 stellte JVC die Produktion von VHS-Geräten ein – obwohl man Geräte über andere Hersteller noch bis 2016 erwerben konnte. VHS-Kasetten werden bis heute vom japanischen Hersteller TDK vertrieben.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht