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Technik kurz erklärt

Die Entwicklung des Telefons

| Autor/ Redakteur: M.A. Bernhard Richter / Katharina Juschkat

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Das Telefon.

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der Fernsprechapparat revolutionierte die Kommunikation weltweit und ist bis heute die schnellste Möglichkeit, jemanden zu kontaktieren. Wer für diese bahnbrechende Erfindung verantwortlich ist, ist jedoch bis heute schwer zu rekonstruieren. Gemeinhin wird der US-Amerikaner Alexander Graham Bell als Erfinder des Telefons genannt, da es ihm 1876 als erster gelang, ein Patent für sein Telefon einzutragen. Doch das macht ihn nicht zum alleinigen Vater des Telefons, die Spuren der Erfindung reichen bis nach Deutschland.

Der sprechende Telegraph des Antonio Meucci

Eines der ersten Telefone erfand der Italiener Antonio Meucci, der schon seit Jahren als Theatermechaniker daran forschte, dass Schall auch über elektrische Schwingungen in Kupferdraht übertragen werden kann. Er forschte an einer Fernsprechverbindung, die er den „sprechenden Telegraphen“ nannte, um seine kranke und deshalb bettlägerige Frau von seinem Arbeitszimmer im Keller im ersten Stock erreichen zu können. Doch als Meucci bei einem Arbeitsunfall mit einem Dampfkessel 1866 schwer verletzt wurde und drei Monate nicht arbeiten konnte, war seine Frau aus Geldnot dazu gezwungen, all seine Arbeitsmodelle, darunter auch das Telefon, zu verkaufen.

Doch Antonio Meucci gab nicht auf: Er entwickelte seine Erfindung weiter und wollte sie 1871 patentieren lassen, doch die Gebühren für den Patentantrag wurden nie bezahlt und er verfiel. Zudem wollte Meucci sein Telefon auf den Leitungen der Western Union Telegraph Company testen lassen und schickte seine Unterlagen dort ein. Während er zwei Jahre lang nichts mehr von seiner Erfindung hörte, stieß Alexander Graham Bell auf die Unterlagen und nutzte sie, um „sein“ Telefon zu patentieren. Ein darauf folgender jahrelanger Rechtsstreit blieb ohne Ausgang, als Meucci als verarmter Mann 1889 verstarb. Doch Bells Patent basierte auf einer weiteren Erfindung, die nicht von ihm selbst stammte.

Das Telephon aus Deutschland

Die zweite Spur des Telefons führt nach Deutschland, genauer gesagt nach Frankfurt am Main. Dort forscht der Bäckersohn Johann Philipp Reis, Lehrer für Physik und Mathematik, an Prototypen seines Fernsprechers, dem er den Namen „Telephon“ gab. Die Idee kam dem Erfinder in seinem Physikunterricht, für den er ein menschliches Ohr nachbaute.

Im Jahr 1861 konnte er bei der ersten öffentlichen Vorführung vor Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt nachweisen, dass sein Fernsprecher funktionierte. Die historischen ersten Worte, die jemals über ein Telefon gesprochen wurden, waren übrigens: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“

In Deutschland war man zu dieser Zeit nicht besonders an wissenschaftlichen Neuerungen interessiert, und da Reis darüber hinaus eine Reputation in der Fachwelt fehlte, wurde das Telefon nicht ernst genommen, es wurde als physikalisches Spielzeug abgetan. Im Jahr 1874 verstarb Philipp Reis, ohne dass seine Erfindung die Aufmerksamkeit bekam, die sie verdient hätte.

Das erste Patent

Das Telephon von Reis lebte jedoch weiter – Demonstrationsobjekte für die Wissenschaft fanden ihren Weg in die ganze Welt, wo auch Graham Bell darüber stieß. Zusammen mit dem Ingenieur Thomas Wattson verbesserte Bell die Grundlagen, die er hatte – also das Reis'sche Telefon sowie den sprechenden Telegraphen von Meucci.

Am 14. Februar 1876 meldete Bell schließlich ein funktionierendes Modell des Telefons als Patent an. Nur zwei Stunden später meldete sein größter Konkurrent und Erfinder Elisha Gray sein Telefon zum Patent an – daraufhin entbrannte ein großer Patentstreit, der Bells Anteil an der Erfindung des Telefons in Frage stellte. Doch Bell setzte sich durch. Er erkannte das Potential der Erfindung und gründete 1877 die Bell Telephone Company, was ihn gemeinhin als den Erfinder des Telefons bekannt werden lies – obwohl er letztlich nur die Vermarktung des Gerätes vorantrieb.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht