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Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Schraubenziehers

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Der Schraubenzieher.

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Der Schraubenzieher wurde schon im Spätmittelalter für Ritterrüstungen verwendet.
Der Schraubenzieher wurde schon im Spätmittelalter für Ritterrüstungen verwendet.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die frühesten dokumentierten Schraubenzieher stammen aus dem Spätmittelalter – es ist unklar, ob sie in Deutschland oder in Frankreich erfunden wurden. Die ursprünglichen Namen des Werkzeugs lauten „Schraubendreher“ bzw. französisch „Tournevis“. Obwohl heute in Normen nur der Begriff Schraubendreher Verwendung findet, ist nach wie vor die Benennung Schraubenzieher gebräuchlich. Schraubendreher konnte sich nicht durchsetzen.

Schrauben für die Ritterrüstung

Die erste urkundliche Erwähnung des Werkzeugs findet sich im mittelalterlichen Hausbuch von Schloss Wolfegg, einer Handschrift aus der Zeit zwischen 1475 und 1490. Diese ersten Schraubendreher hatten birnenförmige Griffe und waren für Schlitzschrauben bestimmt. Diese wurden im 15. Jahrhundert zur Befestigung von Brust- und Rückenpanzern und Helmen an mittelalterlichen Ritterrüstungen und schließlich für mehrere Teile der aufkommenden Feuerwaffen, insbesondere des Lunten- bzw Steinschlosses, verwendet.

Zehn Schrauben pro Minute führt zur Popularität

Der Schraubendreher hing ganz von der Schraube ab, und es brauchte mehrere Fortschritte, um Schrauben so günstig herzustellen, dass sie populär wurden. Denn vor der industriellen Revolution waren Schrauben sehr schwer zu produzieren und erst mit der Massenproduktion der Schraube wurde auch der Schraubenzieher allgegenwärtig.

1760 fanden die englischen Brüder Wyatt einen Weg, eine Schraube auf einer neuartigen Maschine herzustellen, die zuerst den Schlitzkopf und dann die Spirale fräste. Damit schafften sie bis zu zehn Schrauben pro Minute. Obwohl ihr Geschäft letztendlich scheiterte, führte ihre kostengünstige Herstellungsmethode schließlich zu einem enormen Anstieg in der Nachfrage nach Schrauben und damit der Beliebtheit des Schraubendrehers.

Das Schraubenprofil wird verbessert

Zufriedenstellend war die klassische Schlitzschraube jedoch nicht, da sie mit dem korrespondierenden Schraubenzieher weder besonders effizient noch sicher in der Handhabung war. Zu oft rutschte die Klinge des Schraubenziehers beim Festdrehen aus dem Schlitz und in das Werkstück oder unangenehmer – in die Hand. Der kanadische Erfinder P.L. Robertson war deshalb nicht der erste, der sich sichere Schraubenköpfe und -dreher ausgedacht hat, aber er war der erste, der daraus Profit schlagen konnte.

Die sogenannten Robertson-Schrauben haben ein quadratisches Innen-4-Kant-Schraubenprofil und setzten sich 1908 mit der boomenden Automobilindustrie durch. Das neue Schraubenprofil vereinfachte die Benutzung mit Bohrschraubern wesentlich. In einem Ford Model T wurden über 700 Robertson-Schrauben verbaut.

Kreuzschlitz setzt sich durch

Bis heute bekannt und verbreitet ist das kreuzförmige Schraubenprofil des Amerikaners Henry Phillips. Das Profil konnte sich dank eines schlauen Schachzugs und dem 2. Weltkrieg endgültig als „die Schraube“ etablieren: Philips bot seine Idee genau zur richtigen Zeit der American Screw Company an – einer der ersten Kunden war General Motors, der die Schraube erfolgreich in den Cadillac verbaute. Aufgrund der enormen Nachfrage nach Schrauben für die Fahr- und Flugzeug-Industrie im 2. Weltkrieg verbreitete sich die Phillips-Schraube und mit ihr der Kreuz-Schraubenzieher weltweit.

Auch wenn der Kreuzschlitz die bekannteste Form ist, gibt es noch etwa 125 andere Schraubenkopfantriebe in allen möglichen Formen.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht