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Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Schlosses

Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Das Schloss

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Ein modernes Türschloss – ein Zylinderschloss nach Linus Yale Junior.
Ein modernes Türschloss – ein Zylinderschloss nach Linus Yale Junior.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die früheste bekannte Schloss- und Schlüsseleinrichtung wurde in den Ruinen von Ninive, der Hauptstadt des alten Assyriens, entdeckt. Schlösser wie dieses wurden später zum ägyptischen Holzstiftschloss weiterentwickelt, das aus einem Riegel, einem Türbeschlag oder einer Befestigung und einem Schlüssel bestand. Wenn der Schlüssel eingeführt wurde, wurden die Stifte in der Befestigung aus den Bohrlöchern im Bolzen herausgehoben, so dass sich der Bolzen bewegen konnte. Beim Abziehen des Schlüssels fielen die Stifte teilweise in den Riegel, wodurch eine Bewegung verhindert wurde.

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Das Bart-Schloss war ebenfalls schon in der Antike vorhanden und ist nach wie vor das erkennbarste Schloss-Schlüssel-Modell in der westlichen Welt. Die ersten Ganzmetallschlösser tauchten zwischen den Jahren 870 und 900 auf und werden englischen Handwerkern zugeschrieben.

Säuferschloss

Ein spezieller Schlosstyp, der auf das 17. bis 18. Jahrhundert zurückgeht, obwohl möglicherweise älter, da ähnliche Schlösser aus dem 14. Jahrhundert stammen, sind die sogenannten Säuferschlösser. Diese Schlösser, oft mit Laub verziert haben eine V-Form um das Schlüsselloch herum. Sie werden oft als Schlösser für Betrunkene bezeichnet, da diese Schlösser so konstruiert wurden, dass eine Person das Schlüsselloch auch im Dunkeln noch finden kann.

Mit dem Beginn der Industriellen Revolution im späten 18. Jahrhundert und der damit einhergehenden Entwicklung der Feinmechanik und der Standardisierung von Komponenten wurden Schlösser und Schlüssel zunehmend komplexer und damit auch sicherer.

Das Hebel-Zuhaltungsschloss, bei dem eine Reihe von Hebeln verwendet wird, um zu verhindern, dass sich der Riegel im Schloss bewegt, wurde 1778 von Robert Barron erfunden. Bei seinem doppeltwirkenden Hebelschloss musste der Hebel auf eine bestimmte Höhe angehoben werden um zu entriegeln. Wird der Hebel zu weit gehoben, entriegelt das Schloss auch nicht. Diese Art von Schloss wird noch heute verwendet.

Einbrecher fördern die Schlossentwicklung

Das Hebel-Zuhaltungsschloss wurde 1818 stark verbessert, nachdem ein Einbruch in der Portsmouth Dockyard die britische Regierung veranlasste einen Wettbewerb zur Herstellung eines Schlosses auszuschreiben, das nur mit dem zugehörigen Schlüssel geöffnet werden konnte.

Das von Jeremia Chubb entwickelte Detektorschloss konnte unbefugte Zutrittsversuche vereiteln und dem Besitzer des Schlosses anzeigen, wenn es manipuliert worden war. Der Erfinder erhielt 100 Pfund, nachdem ein erfahrener Schlossknacker das Schloss nach drei Monaten nicht aufgebrochen hatte.

Risszeichnung des von Jeremia Chubb entwickelten Detektorschlosses.
Risszeichnung des von Jeremia Chubb entwickelten Detektorschlosses.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Chubb nahm im Laufe der Zeit weitere Verbesserungen an seinem Schloss vor: Sein verbessertes Design von 1824 erforderte keinen speziellen Regulatorschlüssel zum Zurücksetzen des Schlosses; 1847 benutzten seine Schlüssel sechs statt vier Hebel; und später führte er eine Scheibe ein, die den Schlüssel passieren ließ, aber das Sichtfeld verengte und die Hebel vor jedem verbarg, der versuchte, das Schloss zu knacken.

Die Entwürfe von Barron und Chubb basierten auf der Verwendung beweglicher Hebel, aber der Erfinder Joseph Bramah entwickelte schon 1784 eine alternative Methode. Sein Schloss verwendete einen Zylinderschlüssel mit präzisen Kerben entlang der Oberfläche; diese bewegten Metallschlitten, die das Drehen des Riegels behinderten – in einer exakten Ausrichtung kann sich das Schloss öffnen.

Das Schloss war an der Grenze der damaligen Präzisionsfertigungsmöglichkeiten und wurde von seinem Erfinder als unknackbar bezeichnet. Im selben Jahr stellte Bramah sein sogenanntes „Challenge Lock“ im Schaufenster seines Geschäfts aus und schrieb eine Belohnung i.H.v. 200 £ aus für denjenigen der das Schloss knacken konnte.

Auf der Londoner Industrieausstellung von 1851 war Hobbs, der Konstrukteur des Protector-Schlosses, der Erste, der das bis dato „unknackbare“ Chubb-Detektorschloss knackte.
Auf der Londoner Industrieausstellung von 1851 war Hobbs, der Konstrukteur des Protector-Schlosses, der Erste, der das bis dato „unknackbare“ Chubb-Detektorschloss knackte.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Die Herausforderung überdauerte 67 Jahre, bis der amerikanische Schlosser Alfred Charles Hobbs auf der Londoner Industrieausstellung von 1851 das Schloss öffnen konnte und nach einigen Auseinandersetzungen über die Umstände, unter denen er es geöffnet hatte, den Preis erhielt. Auch knackte er Chubbs Detektorschloss und zwang die Hersteller damit ihre Konstruktionen zu überdenken.

Zurück zu den Wurzeln

Die Mehrzahl aller heutigen Schlösser sind Stiftschlösser. Sie wurden von Linus Yale Junior 1865 in New York erfunden. Dabei griff er das alte Prinzip des Fallriegelschlosses der Ägypter wieder auf:

Mehrere durch Federkraft in den Kern gedrückte Stiftpaare – unterteilt in Gehäuse- und Kernstift – blockieren den Kern, bis alle durch den Schlüssel so weit in das Gehäuse gedrückt werden, dass die Unterteilung an der zwischen Kern und Gehäuse liegenden Scherung liegt. Handelsübliche Stiftschlösser haben fünf oder sechs Stiftpaare. Zusätzliche Unterteilungen sorgen in Schließanlagen dafür, dass verschiedene Schlüssel dasselbe Schloss aufsperren können.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht