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Technik kurz erklärt

Die Entwicklung des Schlosses

| Autor/ Redakteur: M.A. Bernhard Richter / Katharina Juschkat

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Das Schloss.

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Schlösser werden seit vielen Jahrhunderten von Menschen genutzt, um vor unbefugtem Zugang zuschützen.
Schlösser werden seit vielen Jahrhunderten von Menschen genutzt, um vor unbefugtem Zugang zuschützen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Schlösser sollen Unbefugte davon abhalten, Zugriff oder Zugang zu Orten oder Gegenständen zu bekommen und sind bis heute erfolgreich im Einsatz. Es gibt sie in zahlreichen Varianten und Bauarten – vom Vorhängeschloss über das Kasten- und Zündschloss bis zum Türschloss. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte man ganz unterschiedliche Arten, um Türen und mehr zu verschließen.

Als das erste Schloss der Menschheit gilt das Fallriegelschloss, das auf einer Abbildung aus dem 3. Jahrtausend v.d.Z. gefunden wurde. Ein erstes physisches Fallriegelschloss aus dem Jahr 750 v.d.Z. wurde in Ägypten entdeckt. Es bestand aus einem Bolzen, einer Türbefestigung und einem passenden Schlüssel – wird dieser eingeführt, heben sich die Stifte aus ihren Bohrlöchern innerhalb des Riegels und das Schloss öffnet sich. Wird der Schlüssel entfernt, fallen die Stifte durch ihr Eigengewicht nacheinander zurück in den Bolzen und verriegeln das Schloss.

Von Sperrfeldschlössern und Stiftschlössern

Vorhängeschlösser wurden erstmals um 500 v.d.Z. in Rom nachgewiesen. Die Schlösser wurden aus Bronze, Messing oder Silber gefertigt. Damals nutzte man sogenannte Sperrfederschlösser, die bis heute gefertigt werden: Das Schloss besteht aus zwei Teilen. Drückt man beide Teile zusammen, schiebt sich eine Sperrfeder durch ein Loch und spreizt sich dort auf. Dadurch werden beide Teile zusammengehalten. Der Schlüssel drückt die Feder wieder zusammen, womit man die Teile wieder trennen kann.

Das Stiftschloss ist das heute am weitesten verbreitete Schloss und wird hauptsächlich als Türschloss eingesetzt. Erfunden wurde es 1865 von Linus Yale in New York. Federn drücken mehrere Stiftpaare im Schloss nach unten und blockieren damit den Mechanismus. Der passende Schlüssel drückt alle Stiftpaare in das Gehäuse, bis sich der Kern des Schlosses vom Gehäuse trennt und das Schloss geöffnet werden kann.

Vorhängeschlösser – von der Kistenverriegelung zum Liebesschloss

Häufig als Vorhängeschloss eingesetzt wird auch das Ziffernkombinationsschloss. Das mechanische Schloss funktioniert, indem drehende Metallscheiben mit Einkerbungen in die richtige Position gedreht werden müssen, bis der Funktionsriegel in die Kerbe greift und das Schloss entsperrt werden kann.

Liebesschlösser sind ein großer Trend – können aber zur echten Belastungsprobe für die Brückenkonstruktion werden.
Liebesschlösser sind ein großer Trend – können aber zur echten Belastungsprobe für die Brückenkonstruktion werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Genutzt werden Vorhängeschlösser heute in zahlreichen Anwendungen – teilweise wie in römischer Zeit, um Kisten und Riegel abzuschließen oder für Fahrradschlösser, Tresore oder Schließfächer. Neu ist, dass das Vorhängeschloss als „Liebesschloss“ umfunktioniert von Verliebten an Brücken angebracht wird, um symbolisch ihre ewige Liebe zu besiegeln. In einigen Städten ist das Anbringen an Brücken strikt verboten, da das Gewicht der Schlösser – 40.000 Schlösser wiegen bis zu 15 Tonnen – die Statik mancher Konstruktion beeinflussen kann.

Faszinierende Zahlen der Konstruktion

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht