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Technik kurz erklärt Die Entwicklung des mechanischen Webstuhls

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: der mechanische Webstuhl

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Arbeiten an den Webstühlen der industriellen Revolution war alles andere als gefahrlos – kontemporäre Berichte erzählen von Skalpierungen und abgerissenen Gliedmaßen.
Arbeiten an den Webstühlen der industriellen Revolution war alles andere als gefahrlos – kontemporäre Berichte erzählen von Skalpierungen und abgerissenen Gliedmaßen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein mechanischer Webstuhl ist ein Webstuhl der durch eine mechanische Kraft angetrieben wird und war eine der wichtigsten Entwicklungen in der Industrialisierung während der frühen industriellen Revolution.

Der erste Maschinenwebstuhl wurde 1784 von Edmund Cartwright entworfen und 1785 erstmals gebaut. Er wurde in den darauf folgenden Jahren verfeinert, bis der Betrieb am Ende vollständig automatisch wurde.

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Die ersten Ideen für einen automatischen Webstuhl wurden 1678 von M. de Gennes in Paris und 1745 von Vaucanson entwickelt, aber diese Entwürfe wurden nie entwickelt und gerieten schnell wieder in Vergessenheit. 1785 patentierte Edmund Cartwright einen mechanischen Webstuhl, der Wasserkraft zur Beschleunigung des Webprozesses nutzte, den Vorgänger des modernen mechanischen Webstuhls.

Seine Ideen wurden zunächst von Grimshaw aus Manchester lizenziert, der 1790 in Manchester eine kleine dampfbetriebene Weberei baute, die jedoch abbrannte. Die Cartwright Webmaschine war kommerziell nicht erfolgreich.

Diesen Entwürfen gingen John Kays Erfindung des sogenannten Schnellschützen (eine bestimmte Art Webschiffchen) voraus. Dieser beschleunigte und vereinfachte den Webprozess und ermöglichte außerdem das Weben von breiteren Stoffen durch eine einzelne Arbeitskraft. Die höhere Produktivität der Weber führte bald zum sogenannten Garnhunger, da durch die damaligen Spinnverfahren der Garnbedarf der Weber nicht mehr gedeckt werden konnte. Diese Entwicklung gilt als ein Auslöser für eine Reihe von Innovationen, die die erste Industrielle Revolution in Gang setzten.

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Die Einführung mechanischer Webstuhl verringerte die Nachfrage nach qualifizierten Handwebern, was zunächst zu niedrigeren Löhnen und Arbeitslosigkeit führte. Auf ihre Einführung folgten Proteste. So versuchten z.B. im Jahre 1816 rund zweitausend randalierende Weber, die Maschinenwebereien zu zerstören, und griffen die Arbeiter an. Es war daher nicht ungewöhnlich, dass Fabrikbesitzer ihre Gebäude mit hohen Mauern umgaben, die Tore während der Arbeitsschichten versperren ließen und in einigen Fällen sogar mit Schrapnell geladene Kanonen aufstellten um potentiell Streikende zu demotivieren.

Längerfristig steigerte der Maschinenwebstuhl die Nachfrage und stimulierte den Export, indem er Tuch wesentlich günstiger machte, was wiederum zu einer Zunahme der industriellen Beschäftigung führte, wenn auch mit niedrigen Löhnen. Innerhalb von etwas mehr als 50 Jahren verhundertfachte sich die Anzahl der mechanischen Webstühle in England – gab es 1803 etwas mehr als 2400 Webstühle, so waren es 1857 schon eine viertel Million.

Der Maschinenwebstuhl und dessen einfache Bedienung erlaubte es auch Frauen als Arbeiterinnen in den Fabriken zu arbeiten. Eine dunklere Seite der Auswirkungen des Maschinenwebstuhls war die Zunahme der Beschäftigung von Kindern in den Maschinenwebereien. Ende des 18. Jahrhunderts waren zwei Drittel der Arbeiter in den Textilfabriken England und Schottlands Kinder. Arbeitsschichten dauerten damals im Schnitt 14 -16 Stunden.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht