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Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Klopapiers

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Das Klopapier.

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Toilettenpapier – ein begehrtes Gut.
Toilettenpapier – ein begehrtes Gut.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Obwohl Papier in China bereits seit dem 2. Jahrhundert v.d.Z. als Verpackungs- und Polstermaterial bekannt war, geht die erste dokumentierte Verwendung von Klopapier auf das 6. Jahrhundert im frühmittelalterlichen China zurück. So schrieb im Jahr 589 der Gelehrte Yan Zhitui, dass er gewisse Klassiker der chinesischen Literatur nicht zum Hintern abwischen nutzen wolle.

In der Tang-Dynastie bemerkte ein arabischer Reisender im Jahr 851 erstaunt, dass die Chinesen sich nicht mit Wasser säubern, sondern sich lediglich mit Papier abwischen.

Parfümiertes Klopapier für den kaiserlichen Palast

Während dem 14. Jahrhundert wurde festgestellt, dass in der heutigen Provinz Zhejiang – eine Provinz östlich der Provinz Hubei (in der die Stadt Wuhan liegt) – jährlich zehn Millionen Packungen mit 1.000 bis 10.000 Blatt Klopapier hergestellt wurden.

Während der Ming-Dynastie wurde 1393 ein jährlicher Vorrat von 720.000 Blatt Toilettenpapier (etwa 60 cm x 90 cm) für den allgemeinen Gebrauch des kaiserlichen Hofes produziert. Aus den Aufzeichnungen des kaiserlichen Versorgungsamtes desselben Jahres geht auch hervor, dass allein für die kaiserliche Familie 15.000 Blatt spezielles Klopapier aus weichem Stoff hergestellt wurden, und jedes einzelne Blatt Klopapier war parfümiert.

Mit Muscheln den Hintern reinigen

Ganz anders sah es derweil in der westlichen Welt aus. So wurde im antiken Rom statt Klopapier üblicherweise ein Schwamm an einem Stock verwendet und nach Gebrauch wieder in einen Eimer mit Essig gelegt.

Im Rest der Welt wischten sich die Wohlhabenden mit Wolle, Spitze oder Hanf den Hintern ab, während die weniger Wohlhabenden ihre bare Hand nutzten, ihre Notdurft in die Flüsse verrichteten oder sich mit verschiedenen Materialien wie Lumpen, Holzspänen, Blättern, Gras, Heu, Steinen, Sand, Moos, Wasser, Schnee, Farnen, Obstschalen, Muscheln oder sogar Maiskolben reinigten – je nach Land und Wetterbedingungen oder verfügbaren Reinigungsuntensilien.

Print-Medien werden zweckentfremdet

Talmud‘sche Quellen, die auf alte jüdische Praxen hinweisen, verweisen auf die Nutzung kleiner Kieselsteine, die oft in einer speziellen Tasche getragen wurden, sowie auf die Verwendung von trockenem Gras und der glatten Ränder zerbrochener Keramikkrüge. Möglicherweise wurde diese Scherbe als schabendes Putzwerkzeug genutzt.

Das Aufkommen von Tageszeitungen in Europa des 18. Jahrhunderts führte dazu, dass Zeitungen und billige Ausgaben von (weniger) populären Büchern zweckentfremdet wurden.

Bis heute gibt es viele Alternativen

In vielen Teilen der Welt, insbesondere dort, wo Toilettenpapier oder die für die Entsorgung notwendigen Leitungen nicht verfügbar oder nicht erschwinglich sind, wird kein Toilettenpapier verwendet. Viele Teile der Welt betrachten die Menschen die Verwendung von Wasser als eine viel sauberere und hygienischere Praxis als die Verwendung von Papier.

Dass diese Praxis auch Einzug in die westliche Welt findet, zeigt u.a. die mittlerweile enorme Verbreitung von Bidets im stillen Örtchen. Und auch in China findet der aus Japan importierte Trend zum High-Tech-Klo mit Bidet, beheiztem Sitz und Tuchspender zum Abwischen von Smartphones immer mehr Anklang.

Allerdings sollte man als China-Reisender sein eigenes Klopapier mitführen – denn dort geht man davon aus, dass man seinen Hintern doch am liebsten mit der persönlichen Lieblingsmarke abwischen will.

Faszinierende Zahlen der Konstruktion

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht